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Ist es nicht so, dass wir Deutschen uns gerne etwas auf unsere Zivilisiertheit und unsere „deutschen Werte“ einbilden? „Bei uns in Deutschland ist natürlich alles besser als anderswo“, davon sind viele überzeugt, und  so wird nur zu gerne mitleidig auf andere Länder herabgeschaut.

Doch der Schein trügt! Unter dem edlen Mäntelchen lassen sich auch bei uns schreckliche Fälle von Tierquälerei entdecken – vielleicht in kleinerem Ausmaß und eher im Verborgenen, aber doch nicht weniger verwerflich.

Dabei soll hier nicht auf das unermessliche Leid der Tiertransporte, Massentierhaltung oder Versuchtstieranstalten eingegangen werden (was natürlich zweifellos auch schrecklich ist). Nein, wir möchten hiermit eine Lanze brechen für all die Haustiere, die hinter verschlossenen Türen in deutschen Haushalten oft ein Leben lang leiden müssen, von deren Qualen oft niemand jemals etwas erfahren wird. Nur wenn sie viel Glück haben, landen die Leidtragenden im Tierheim, wo man ihnen helfen kann.

In der letzten Zeit scheinen sich die Fälle von Tierquälerei, die uns bekannt werden, zu häufen. Da kommt zum Beispiel ein Fundhund nach dem anderen im Tierheim an, teilweise total verwahrlost und heruntergekommen.

Und auch die Fundkatzen sind – vor allem zu dieser Jahreszeit – ein besonders schlimmes Kapitel. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine neue Katze zu uns gebracht wird, oft ganze Würfe, die im Wald oder sogar auf der Straße gefunden werden. Oft sind es Babies, die noch viel zu jung sind, um sie von ihrer Mutter zu trennen, oft sind die Tierchen krank, ausgehungert und dem Tod nahe. Das Katzenelend ist auch bei uns, im zivilisierten Deutschland, einfach unbeschreiblich. Und all das nur, weil es auch bei uns immer noch zu viele Menschen gibt, die sich einen Spaß daraus machen, Katzen zu quälen und viele Katzenbesitzer immer noch zu dickschädlig, geizig oder verantwortungslos sind, um ihre Tiere kastrieren zu lassen.

Vor ein paar Tagen jedoch wurde dem Elend, das wir hier im Tierheim ständig hautnah miterleben müssen, die Krone aufgesetzt. Selbst wir hart gesottene Tierschützer waren den Tränen nahe. Ein Zwergkaninchen in einem viel zu kleinen, total verkoteten, nassen und dreckigen Käfig wurde bei uns eingeliefert. Das Schlimmste jedoch war, dass sich das arme Tier einen Strang aus Heu- und Strohhalmen um das rechte Hinterbein gewickelt hatte, das sich fest zugezogen und das Bein regelrecht abgeschnürt hatte. Dass dies nicht erst vor kurzem passiert sein konnte, bewies die Tatsache, dass das Bein schon abgestorben und faulig war. Rasend vor Schmerzen hatte das arme Tier versucht, sich das kranke Bein abzubeißen. Das einzige, was wir für das Kaninchen noch tun konnten, war, es beim Tierarzt einschläfern zu lassen und ihm somit wenigstens einen schnellen und schmerzlosen Tod zu schenken.

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Wir können einfach nicht verstehen, wie so etwas passieren konnte! Wer weiß, wie viele Tage lang das arme Tier, das mit seinem Käfig ja direkt in der Wohnung seiner Besitzer gestanden hatte, schon mit schrecklichsten Schmerzen gekämpft hat?! Waren denn die Leute blind für die Qualen ihres Haustieres? Oder einfach nur zu gedankenlos?

Dieses Drama hat uns alle sehr erschüttert und damit der kleine Hase nicht ganz umsonst gestorben ist, möchten wir versuchen, mit diesem Bericht alle Menschen etwas aufzurütteln.

Bitte behandeln Sie die Ihnen anvertrauten Tiere, wie es einem menschlichen und zivilisierten Wesen zukommt! Ihre Tiere, egal ob Hund, Katze, Kaninchen, Maus, Vogel, Fisch oder Reptil, sind in allem auf Gedeih und Verderb von Ihnen abhängig. Seien Sie empfänglich für die Nöte derer, die nicht sprechen können! Versetzen Sie sich in deren Lage und handeln Sie nicht gedankenlos! Führen Sie kein Schreckensregiment, sondern eine verständnis- und liebevolle Partnerschaft. Dies hat für beide Seiten, Zwei- und Vierbeiner, nur Vorteile!

Und sollten Sie Ihr Tier aus irgendeinem Grund nicht mehr versorgen können und wollen, dann bringen Sie es rechtzeitig ins Tierheim oder suchen Sie selbst ein neues Zuhause, aber lassen Sie es nicht unnötig leiden!

Der Spruch: „Was Du nicht willst, was man Dir tu, das füg auch keinem andern zu!“ mag vielleicht kitschig sein, aber er hat immer noch Gültigkeit, und zwar nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere!

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