Wir haben im Tierschutz im Lauf der Jahre ja schon viel gesehen und sind einiges gewöhnt. Aber dennoch macht es uns immer wieder von neuem wütend, wenn wir miterleben müssen, wie gedankenlos mit Tieren umgesprungen wird.

So geschehen Anfang April direkt neben dem Tierheim. Wer sich ein bisschen bei uns auf dem Kreuzberg auskennt, weiß, dass sich neben dem Tierheim nur ein weiteres Anwesen befindet, ein ehemaliger Bauernhof mit mehreren Scheunen. Hinter einer dieser Scheunen hatte unser Nachbar am 07.04. einen Karton gefunden. Die Schachtel war von Regenwasser durchweicht und leer – bis auf ein paar Katzenfutter-Reste. Auf dem Deckel der Schachtel war ein Zettel angebracht mit folgender Aufschrift: „Passt gut auf sie auf und schenkt ihnen ein neues und besseres Zuhause!“ Darunter waren offenbar noch die Namen der Katzen geschrieben worden, doch leider ist die Schrift durch Regenwasser verschmiert und nicht mehr leserlich. Ganz klar – hier hat jemand seine Katzen (Anzahl unbekannt) in einer Schachtel ausgesetzt! Da der Karton aber leer war, konnten sich diese offensichtlich befreien und sind längst über alle Berge.

Da es bereits Tage vor diesem Datum nicht mehr geregnet hat, muss die Schachtel, die ja deutlich erkennbare Regenspuren aufweist, mindestens eine Woche hinter der Scheune gestanden haben! Wie lange die Katzen wohl im Dunklen gesessen haben, bevor sie ihren erfolgreichen Ausbruchsversuch unternommen haben? Stunden oder sogar Tage? Wie lange haben sie wohl gewartet, ob Herrchen oder Frauchen zurückkommen und sie wieder in die Arme schließen würden? Wie lange hielten sie es in ihrem Gefängnis aus, auf engstem Raum zusammengepfercht, voller Angst und Hunger? Wir werden es nicht erfahren… Tatsache ist, dass sie entkommen sind und nun irgendwo herumirren. Bis jetzt haben weder unsere Nachbarn, noch wir eine unbekannte Katze in der Umgebung gesehen, also halten sie sich entweder gut versteckt oder sind weiter gewandert…

Was uns bei dieser Schnapsidee-Aktion nicht in den Kopf will, ist die Tatsache, warum die Katzen nicht vor unserer Tierheimtür (immerhin ist das Tierheim nur etwa 200 Meter entfernt) oder zumindest VOR der Haustür unseres Nachbarn abgestellt wurden, wo man sie sofort gefunden hätte?! Warum hat man den Karton HINTER eine Scheune gestellt, wo er überhaupt nicht zu sehen war und der tägliche Weg unseres Nachbarn nicht vorbeiführte?

Da wird der Finder per Aufschrift darum gebeten, gut auf die Katzen aufzupassen und sogar mit den Namen versorgt und dann setzt man die Katzen an einem Ort aus, wo sie nicht zu sehen und zu finden sind, so dass sie wer weiß wie lange in ihrem Kartongefängnis sitzen und irgendwann aus lauter Verzweiflung ausbrechen? Diese Logik ist uns völlig unverständlich.

Allerdings haben wir es ohnehin längst aufgegeben, die Menschen zu verstehen. Allein die Tatsache, Katzen überhaupt auszusetzen, egal wo und wie, ist Tierquälerei und zeigt einen verantwortungs- und rücksichtslosen Charakter. Klar kann man mal in eine Notlage kommen, aber dann ist man es seinem Tier schuldig, für ein neues Zuhause zu sorgen. Ist das nicht möglich, dann bringt man es persönlich ins Tierheim. Das Aussetzen eines Tieres ist auf jeden Fall keine Lösung, sondern eine moralische Katastrophe wie auch rechtlich eine Straftat!

Uns tun nur die unbekannten Katzen leid, die nun irgendwo herumirren und die Welt nicht mehr verstehen. Dabei könnten sie längst im Trockenen und Warmen im Tierheim sitzen und vielleicht hätten wir ja sogar schon ein neues Zuhause für sie gefunden. All dies haben sie ihrem herzlosen Vorbesitzer zu verdanken.

Sollten Sie vielleicht nähere Angaben zu dem Fall machen können oder Katzen gefunden haben, würden wir uns freuen, wenn Sie sich im Tierheim melden!