Quo vadis, felidae…?
Nur allzu gerne lebte ich inmitten einer Menschenfamilie und schlich durch mein vertrautes Revier. Ich wurde umsorgt, gekrault, herumgetragen, zuweilen auch mal ungestüm liebkost, jedoch immer gut behandelt. Stets fand sich ein zweibeiniger Mitbewohner, so dass mein Napf regelmäßig befüllt, mein Klo akkurat gereinigt war. Gar manch wildem Spielchen bis zur Ermüdung gab ich mich hin und genoss aufs ausgiebigste an Sonnentagen die wärmenden Strahlen auf der Fensterbank. Wann immer ich ein Zimmer betrat, wurde mir Aufmerksamkeit geschenkt und Streicheleinheiten zuteil. Oftmals war ich selbst Tröster in manch schwerer Stunde und erwärmte durch meine Nähe nicht nur die Herzen meiner Menschen.
Doch dann verdunkelte sich unvermittelt mein bisher so unbeschwertes Katzenleben. Von jetzt auf gleich wurde ich abrupt in eine andere Welt katapultiert. Ein gewaltiger Schreck, ein Fluchtreflex durch einen offenen Türspalt, ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und ich fand mich urplötzlich inmitten einer mir unbekannten feindselig wirkenden Welt wieder, die mit all ihren fremden Gerüchen und ohrenbetäubenden Lärm auf mich hereinbrach. Ich spürte instinktiv, dass die zaghaften Rufe nach meiner vertrauten Familie ungehört verhallten. Bestimmt suchten sie mich ebenso verzweifelt wie ich nach ihnen Ausschau hielt. Irgendwie fühlte ich mich wie in einem bösen Traum…
Völlig auf mich allein gestellt, streunte ich ruhelos umher, ständig auf der Suche nach (m)einem sicheren Nachtlager und vor allem etwas Fressbaren. Auf meinen Streifzügen über Wald und Flur, durch Straßen und Gärten, wurde ich oftmals Ziel von allerlei menschlichen Gehässigkeiten, die meine Anwesenheit aus Angst um den ach so sauberen englischen Rasen oder den Lack des frisch gewienerten Autos nicht duldeten. Manche verfolgten mich auch einfach nur aus purer Langeweile. Ab und an jedoch fiel auch etwas Fressbares ab und man bedachte mich mit kurzweiliger, aber wohltuender Aufmerksamkeit, die ich, wenn auch vorsichtig, gerne annahm. Die Zeit verging und eine gewisse Apathie begleitete zusehends die Suche nach meinem alten Leben, denn zu sehr musste ich meine Aufmerksamkeit und Kraft auf die täglich lauernden Gefahren der Umwelt richten. Ach wie gern wäre ich doch jetzt wieder unter meinem vertrauten schützenden Obdach in Sicherheit.
Da! Auf der anderen Straßenseite sind sie ja, meine Menschen, das müssen sie sein! Flugs rüber… Blind vor Glück nahm ich den vorbeifahrenden Verkehr gar nicht richtig war… Ein gewaltiger Schlag ließ mich halb ohnmächtig vor Schmerz in den Straßengraben kullern…
Als ich erwachte, spürte ich die warmen Hände eines mir fremden Menschenkindes die mich streichelten, nahm benommen seine beruhigenden Worte war. „Das wird schon wieder“ und „Glück gehabt“ hörte ich es sagen, während ich weggetragen wurde. Liebevoll wurde ich in der Folgezeit aufgepäppelt. Tag für Tag kam meine Lebensenergie zurück. Endlich wieder bei Menschen, die mich umsorgten und mir ein Zuhause gaben. „Nein, wir können sie nicht dauerhaft behalten!“. Wie Donnerhall rissen mich diese Worte aus meiner wiedergekehrten Glückseligkeit. „Sie muss ins Tierheim!“.
Trotz aller Tränen meines kindlichen Retters landete ich schließlich dort, wo viele meiner Artgenossen bereits schon strandeten: Im Tierasyl vor den Toren der Stadt auf Augenhöhe mit jener altehrwürdigen stolzen, über tausendjährigen Festung, die in ihrer Geschichte den Bewohnern schon ein ums andere Mal letzte Zuflucht war und vorübergehend Schutz und Trutz in stürmischen Zeiten bot. Ganz so fühle ich mich jetzt auch –vorübergehend gut aufgehoben.
Dessen ungeachtet wäre es mir jedoch lieber, auf Dauer wieder bei (m)einer liebevollen Familie einziehen zu dürfen. Aber ach herrje, wir sind ja so viele hier und ständig kommen Neue hinzu. Darüber hinaus zähle ich auch nicht gerade zu den jüngsten Bewohnern der Herberge. Fast täglich kommen fremde Menschen ins Katzenzimmer, fast täglich keimt neue Hoffnung auf, fast täglich ziehe ich enttäuscht von dannen, weil die Wahl wieder einmal nicht auf mich fiel. Dabei gönne ich es den anderen Mitbewohnern von Herzen, wenn sie in ein neues Zuhause umziehen dürfen. Oftmals blicke ich in glückliche Menschenkinderaugen, wenn sie stolz ihre auserwählte Samtpfote vorsichtig hinfort tragen. Dann wünsche ich mir inständigst, auch einmal dergestalt aus dem Tierasyl in ein neues Leben entführt zu werden. Ach ihr Menschen, so geht doch nicht so achtlos an mir vorüber! Mehr als mein Köpfchen strecken, mich anschmiegen, um die Beine streichen kann ich nicht, denn der menschlichen Sprache bin ich nicht mächtig. Schaut her, ich zähle zwar schon ein paar Lenze mehr, bin dafür aber sehr gut erzogen. Ich weiß was sich gehört und was nicht. Auch ist meine Abenteuerlust aufgrund meiner Erfahrungen etwas gedämpft. Na gut, neugierig bin ich allemal, aber das ist nun mal ehernes „Lex Felidae“. Jedoch ziehe ich die Gesellschaft in einem ruhigen Menschenhaushalt allemal vor. Einen regelmäßig gefüllten Futternapf, frisches Wasser, ein eigenes sauberes Klo, ein wenig menschliche Zuwendung, mehr brauch ich nicht zum Glücklichsein. Wohlan ihr Mutigen, nehmt mich bei euch auf, denn;
„Wer sich mit einer Katze einlässt, riskiert lediglich, bereichert zu werden“ (Colette, frz. Schriftstellerin)
Verfasser: Udo Gellner, Pressig, stolzer und glücklicher Besitzer des Tierheimkaters “Zeus”.






Juni 8th, 2011 at 19:05
“Wer sich mit einer Katze einlässt,riskiert lediglichm bereichert zu werden” dieser Sinnspruch ist wahr. Wir haben z.z.4 Tierheimkater/katzen und würden keinen/keine wieder hergeben. Ich kann nur jedem, der plant eine Katze halten zu wollen, empfehelen: Schaut euch in den Tierheimen um! Es gibt so viele arme Seelen, die dringend auf ein neues Heim&Liebe warten! Egal ob jung&älter, es findet sich jede Altergruppe im Tierheim. Lasst den Katzen aber Zeit, wenn ihr sie besucht. Nicht gleich “losbrettern&zuschnappen”. Viele Katzen brauchen Zeit, um vertrauen zu fassen. Doch hat man dies erstmal, dann kann man sich glücklich schätzen. Der Spruch: Tiere aus dem Heim haben alle einen Schaden, ist Blödsinn. Wann muß dem einen oder anderem Tier halt mehr Zeit geben&mehr Geduld aufbringen. Aber es ist alle Zeit wert. Ich spreche aus jahrelanger Erfahrung. Also meine Bitte: Wenn ihr den Wunsch nach einem Tier, egal ob Katze, Hund oder Kleintiere, habt: Schaut in den Tierheimen vorbei. Es lohnt sich sicher!