Quintus, ca. 10 Jahre
Zeppelin, ca. 6 Jahre
„Da steh ich nun und kann nicht anders…“ als eine in die Jahre gekommene Samtpfote an einem Ort, an dem Raum und Zeit förmlich miteinander verschmelzen. Wo ein fortwährendes Kommen und Gehen herrscht und dessen Atmosphäre angefüllt ist vom beharrlichen Gezänke um die Autorität im beengten Revier und am Futternapf. Dabei hatte ich auch schon bessere Tage gesehen, war ich doch vor langer Zeit im Kreise einer Familie aufgehoben…
Vor einigen Jahren, als ich selbst ein junger Wildfang war, ja da, da fanden mich alle noch so süüüß. Man spielte aufs ausgiebigste mit mir und bedachte mich mit endlosen Streicheleinheiten. Manchmal buhlte man regelrecht um meine Aufmerksamkeit und stritt darum, auf welchem Schoß ich denn nun sitzen durfte (obwohl ich das immer selbst bestimmte, was meine Menschen aber nie merkten #grins#). Doch mit der Zeit fühlte ich mich zunehmend als Störfaktor.
„Geh weg“ und „Jetzt nicht“ hörte ich häufiger von den Menschen, denen ich bisher so viel vertraute. Wenn ich um deren Beine strich und nach Aufmerksamkeit schnurrte, wurde ich in zunehmender Weise abgewiesen oder einfach ignoriert…Gut, ich bekam regelmäßig mein Fressen hingestellt, mein Klo gesäubert und doch mal den ein oder anderen Bissen vom Tisch ab, aber vor allem die über alles geliebten Streicheleinheiten wurden spärlicher.
Da ich mir keinen Reim darauf machen konnte, wuchs meine Verunsicherung. Diese äußerte sich dann dahingehend, dass ich mich zurückzog oder mein Geschäft manchmal an unpassenden Orten verrichtete, was natürlich den Unmut meiner Menschen erregte, denn dieses Benehmen passte so gar nicht ins Bild der sprichwörtlich ach so sauberen Katze. Dabei übersahen meine Menschen nur allzu gern, dass diese Verhaltensänderung der Spiegel meines Gemütszustandes war. Wie soll sich auch jemand mitteilen, der der menschlichen Sprache nicht mächtig ist und sich verstärkt als fünftes Rad am Wagen fühlt…?
Nur das älteste Familienmitglied, das alle nur „Omi“ riefen, nahm sich stets meiner an. Oft saßen wir uns einfach nur gegenüber und ich genoss ihre stundenlangen Monologe mit mir. Wie der Lauf des Lebens nun mal ist, verlor ich von einem Tag auf den anderen auch meine letzte Fürsprecherin…
Eines Tages dann hob man mich in die Transportkiste und als sich das Gitter wieder öffnete, wusste ich nicht so recht, wie mir geschah. Urplötzlich war ich einem babylonischen Durcheinander an Stimmen und Gerüchen fremder Artgenossen und Menschen ausgesetzt. Ohne ein Wort des Abschieds und ohne mich eines letzten Blickes würdigend zogen die, denen ich bisher so sehr vertraute von dannen…
Tja, so bin ich also, wie viele meiner Art, hier im Tierasyl hoch über den Dächern der Stadt „vis-a-vis“ der altehrwürdigen Festung gestrandet. Man wird hier freilich aufopfernd versorgt, aber angesichts der vielen „Leidensbrüder und -schwestern“ bleibt die individuelle menschliche Zuwendung, welche ich in der Vergangenheit immer in vollen Zügen genoss, leider oftmals auf der Strecke.
Ab und an kommen zwar fremde Menschen herein, schauen sich neugierig um und erbarmen sich auch dem einen oder anderen Geschöpf. Aber so sehr wir Älteren auch unsere Köpfe recken, uns anschmiegen und um die Beine der Gäste streichen, es werden eigentlich nur die jüngeren Katzen bevorzugt auserwählt. Wohl wahr, der menschliche Jugendwahn der heutigen Zeit feiert auch in der Fauna fröhliche Urständ. Jung ist gleich hübsch, lautet die Gleichung.
Na gut, mit dem Alter lässt sich der kleine Schwabbelbauch nur noch schwer verbergen und wir sind auch keine „Spring-ins-Feld“ mehr. Dass wir es im gesetzten Alter ruhig angehen lassen, hat aber auch sein Gutes, nur unsere sprichwörtliche Neugierde ist weiterhin Programm. Was wir an jugendlicher Frische eingebüßt haben, machen wir jedoch mit Anmut, Erfahrung und Intelligenz locker wieder wett, denn wie heißt es in einem Lied so schön? „Ich lieb die alte Katze, die still und heimlich lacht, denn sie kennt alle Wege“ (Karat; Jede Stunde).
Alte Katzen strahlen zudem eine immerwährende Gelassenheit aus. Auch so manch ungeschickte Kinderhand wird von uns mit duldsamer Ruhe ertragen. Wenn wir uns gestört fühlen, drehen wir uns meist einfach um und ziehen von dannen, jüngere Heißsporne unserer Spezies hingegen bringen ihr Missfallen durchaus mal mit einem schmerzhaften Biss oder Pfotenhieb zum Ausdruck. In der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft, womit sich die älteren Semester von uns hervorragend für Menschen eignen, welche noch nicht so katzenerfahren sind und da es den Tieren wie den Menschen ergeht, können auch Katzen bis ins hohe Alter fit und gesund bleiben.
Also Leute, wohl an! Seid ohne Furcht, öffnet euer Herz und gewährt doch einer Seniormieze eine neue Heimat, denn verdient hätten wir es allemal. Bei all unserer innewohnenden Souveränität, wird das Vertrauen und die Zuneigung für diejenigen, die bereit sind, uns in ihrem Familienkreise ein neues behagliches Quartier zu bereiten, wahrhaftig grenzenlos sein.
Übrigens: Vor tausenden von Jahren wurden Katzen wie Götter verehrt. Wir Katzen wissen das heute noch…
Verfasser: Udo Gellner, Besitzer einer ehemaligen Tierheimkatze.






Januar 26th, 2010 at 06:44
Auch ich muß sagen: Eine “alte” Katze hat so viel Charme. Aus langjähriger Erfahrung mit Katzen jedlichen Alters kann ich(für mich) behaupten: ALte Katzen sind bezaubernd, ruhig, gelassen meist ausgeglichen, haben das ganze Katzen-1×1 schon intus und sind lieb. Selbst wenn nicht jede unserer älteren Katzen die großen Schmusetiger sind oder waren, ich möchte die Erfahrung und das Glück, dass diese Oldies uns geben/gaben auf keinen Fall missen. Für uns spielt es aber sowieso keine Rolle, ob alte, junge oder behinderte Katze: Alle haben ihre einzigartigen “Macken” die sie so liebenswert machen. Ich möchte jeden Katzenfreund( oder solche, die es noch werden wollen) ans Herz legen: Schaut euch im Tierheim mal genauer um, nach den älteren Fellpuscheln. Auch wenn die eine oder andere einen “Schwabbelbauch” haben-egal. Sie sind es 100 wert, ihnen eine Chance auf ein liebevolles Zuhause zu geben-genau wie junge “Springbälle”! Denn es ist doch egal, ob ein Tier alt oder jung ist: Sie brauchen alle ein liebevolles Heim!! Gebt den Oldies bitte eine Chance!!