Unser Friedrich: Etwas zurückhaltend und introvertiert – aber dennoch voller Sehnsucht nach Geborgenheit

Bei ihrer Ankunft im Tierheim wurde uns diese schwarz-weiße Samtpfote als Katzendame namens „Frieda“ vorgestellt. Nach kurzer Inspektion stellte sich jedoch eindeutig heraus, dass es sich um einen „Friedrich“ handelte… 🙂

Doch Spaß beiseite. Zum Lachen ist Friedrich nämlich wirklich nicht zumute. Als sein Herrchen starb, blieb der arme Kater allein und heimatlos zurück. Tag für Tag sahen ihn die Nachbarn vor der verschlossenen Tür seines ehemaligen Zuhauses sitzen. Friedrich verstand er die Welt nicht mehr. Er konnte sich einfach nicht erklären, wo sein Herrchen abgeblieben war und warum er nun auf einmal ausgesperrt war…

Schließlich schnappten sich gutherzige Nachbarn den einsamen Waisenkater und brachten ihn ins Tierheim. Hier hat er wenigstens Futter, medizinische Versorgung, ein Dach über dem Kopf und ein gemütliches Kuschelkörbchen. Was Friedrich bei uns jedoch nicht hat, was er aber umso schmerzlicher vermisst, ist ein richtiges Zuhause…

Leider ist Friedrich bis jetzt keinem Interessenten aufgefallen, da er sehr ruhig und zurückhaltend ist und sich nicht in den Vordergrund drängt. Er liegt den lieben langen Tag in einem gemütlichen Körbchen und beobachtet das Geschehen um sich herum, ohne aktiv daran teilzunehmen.

Dabei ist Friedrich eigentlich gar nicht ängstlich und schon gar nicht scheu. Im Gegenteil! Wenn man sich ihm zuwendet und ihn zärtlich streichelt, freut er sich riesig, er räkelt sich sofort genüsslich und schnurrt. Aber er kommt – zumindest im Moment – noch nicht von allein auf uns Menschen zu, sondern lässt die Zweibeiner den ersten Schritt machen. Vielleicht will er auch sein Vertrauen nicht so ohne weiteres verschenken, sondern erst mal abwarten, ob sich der Besucher als freundlich entpuppt.

Leider haben solche zurückhaltenden Katzen schlechte Karten, wenn es darum geht, ein potentielles neues Herrchen oder Frauchen zu erobern. Die Frechdachse, die jeden Neuankömmling im Katzenzimmer sofort begrüßen und ihm um die Beine schnurren, stehlen Katzen wie Friedrich regelmäßig die Show. Dabei hätte es Friedrich wirklich verdient, auch mal etwas Glück zu haben. Er ist charakterlich lieb, gutmütig und problemlos und wäre sicher ein toller Familienkater, gerne auch mit etwas älteren, vernünftigen Kindern.

Da er bei uns sehr ruhig, sauber und brav ist, denken wir, dass er sich auch in einem Menschenhaushalt benehmen kann. Er ist kein wilder Feger, macht nichts kaputt, er ist unaufdringlich und man merkt ihn gar nicht.

Mit den anderen Katzen versteht er sich sehr gut. Zwar braucht er ihre Nähe nicht unbedingt, aber er fängt nie Streit an. Laut Aussage der Nachbarn hat er bei seinem früheren Herrchen sogar mit einer zweiten Katze zusammengelebt, die aber vor einiger Zeit verstorben ist. Somit könnte Friedrich sicher auch als Zweitkatze sein Glück finden.

Den einzigen Anspruch, den er stellt, ist die Möglichkeit zum Freigang (natürlich erst nach einer angemessenen Eingewöhnungsphase). Er war es sein Leben lang gewöhnt, kommen und gehen zu können und genießt seine Freiheit. So kann er sein Revier kontrollieren, allerlei Neuigkeiten erschnüffeln, Mäuse fangen oder einfach nur in der Sonne liegen. Der Weg in sein Zuhause muss ihm dabei aber auch offenstehen, denn die schönste Freiheit nützt nichts, wenn man sich hinterher nicht aufwärmen, nach „getaner Arbeit“ gemütlich mit Herrchen oder Frauchen auf dem Sofa kuscheln oder sich den Bauch am Fressnapf vollschlagen kann.

Da es Friedrich selbst einfach nicht schafft, die Besucher auf sich aufmerksam zu machen, übernehmen wir dies hiermit an seiner Stelle. Wir würden uns freuen, wenn er nicht mehr übersehen wird, sondern jemand seine angenehme, ruhige und liebenswerte Art erkennt und zu schätzen weiß. Und vielleicht bietet ihm dann ja ein lieber Mensch auch ein Plätzchen für immer an?