Driss wurde von seinem Herrchen in eine Hundepension gegeben – „nur für den Urlaub“, hieß es damals. Leider hat sich der Mann jedoch nie mehr gemeldet und auch die Angaben, die er gemacht hatte, waren falsch. Auf ganz billige Art und Weise hatte er sich seines ungeliebten Vierbeiners entledigt…

Driss wartete und wartete, aber niemand kam, um ihn abzuholen. Irgendwann konnte und wollte die Tierpension ihren unbezahlten Gast natürlich nicht mehr länger behalten und so zog der sitzen gelassene Rüde in unser spanisches Partner-Tierheim Sierra Nevada um.

Hier lebt Driss inzwischen schon fast 2 Jahre. In Spanien hat er so gut wie keine Vermittlungschancen und so wird Driss immer unglücklicher und trauriger. Sein Problem ist, dass er sich nur schlecht mit anderen Rüden versteht und so kann er nicht mit der großen Hundegruppe frei auf dem riesigen Tierheimgelände herumspringen, sondern sitzt einsam und allein in seinem kleinen Gehege.

Während die anderen Hunde ständig Kontakt mit den Tierpflegern haben, weil diese sich zum Saubermachen ja stundenlang auf dem Gelände aufhalten und die Hunde ihnen auf Schritt und Tritt folgen können, betreten sie Driss´ Gehege nur kurz zum Saubermachen und Füttern. Freilich gibt’s auch dann Streicheleinheiten und auch mal ein Leckerli, aber es ist eben nur ein kurzer Glücksmoment und dann ist Driss wieder alleine. Er kann zwar das Gewusel und Treiben der anderen Hunde durch die Gitterstäbe beobachten, aber er selbst ist immer ausgeschlossen.

Daher würden wir uns riesig freuen, wenn Driss auch endlich mal Glück hätte und in eine richtige Familie umziehen dürfte. Da er in seinem Heimatland kaum Chancen hat, setzt er nun alle Hoffnungen auf eine tierliebe Familie in Deutschland.

Menschen gegenüber ist Driss übrigens absolut lieb, gutmütig und freundlich. Wie es mit Kindern aussieht, wissen wir zwar nicht, aber zumindest mit größeren Kindern dürfte er keine Probleme haben. Driss ist zutraulich, aufgeschlossen, anhänglich und verschmust. Der arme Kerl ist überglücklich, wenn man sich ein bisschen Zeit für ihn nimmt und sich mit ihm beschäftigt. Das ist er gar nicht gewohnt und saugt daher jede Zuwendung gierig auf.

Da wir zweimal im Jahr in unserem Partner-Tierheim zu Besuch sind, haben wir uns beim letzten Mal auch besonders viel Zeit für Driss genommen und einen langen Ausflug mit ihm gemacht.

Drei Stunden durfte er mit uns wandern, im Grünen herumtollen und sogar in einem Stausee planschen.

Auch Leckerli und Streicheleinheiten gab´s natürlich satt. Es ist unbeschreiblich, welche Freude Driss an diesem Tag empfunden hat. So glücklich war er sicher schon lange nicht mehr, wenn überhaupt. Interessiert und neugierig hat er seine Umgebung erkundet und erschnüffelt, war dabei aber niemals überdreht oder stürmisch. Er lief ruhig und angenehm an der Leine, entfernte sich nie weit von seinen Gassi-Gehern und schaute immer, ob sie noch da sind. Er ließ sich leicht abrufen und man hatte deutlich das Gefühl, dass er alles richtig machen wollte. Seine Dankbarkeit war grenzenlos.

Es fiel uns sehr schwer, Driss nach diesem herrlichen Tag wieder in seinen kleinen Käfig zurückzubringen… Andere Hunde, denen wir unterwegs begegneten, ließen ihn übrigens absolut kalt. Im eigenen Revier möchten wir Driss jedoch lieber nur als Einzelhund vermitteln.

Driss sehnt sich so sehr nach einer eigenen Familie, bei der endlich einmal er im Mittelpunkt stehen darf. Eine Familie, die ihn von ganzem Herzen liebt und bei der er nicht das fünfte Rad am Wagen ist. Eine Familie, die ihm Zeit widmet, die ihn erzieht, mit ihm Gassi geht, mit ihm spielt und ihn streichelt. Eben eine Familie, die ihn an ihrem Leben teilhaben lässt, so dass er nie wieder allein sein muss. Wer gibt dem traurigen Driss eine Chance?

Aufenthalt: Tierheim Sierra Nevada / Spanien.

Kontakt:

Tierheim Kronach (Katrin Meserth)

Telefon: 09261 / 20111

Email: helgagiessler@yahoo.es

Share