Was dieser kleine Podenco-Bub schon alles mitmachen musste, lässt sich gar nicht in Worte fassen. Sicher ist, dass sein Leben bisher schrecklich gewesen sein muss! Umso dringender sucht er nun ein liebevolles Zuhause, in dem er zum ersten Mal im Leben glücklich sein kann, sich geliebt fühlen und keine Angst mehr haben muss.

Im Frühjahr 2017 erreichte ein Hilferuf einer belgischen Tierschützerin die Kollegen unseres spanischen Partner-Tierheims Sierra Nevada. Die Tierfreundin hatte erfahren, dass drei Podencos unter schrecklichsten Bedingungen bei einem Tierquäler hausen würden und fragte an, ob die drei Hunde im Tierheim Sierra Nevada aufgenommen werden könnten. Unsere Kollegen – selbst ständig in Platz- und Geldnöten – sagten natürlich trotzdem sofort zu.

Sie erfuhren, dass Radler, Becks und Amsel (so heißen die drei Leidensgefährten) nur im Keller gehalten worden seien. Die drei mussten von hartem Brot und altem Fritierfett (!!!) leben und hausten in unbeschreiblichem Schmutz und Dreck in fast völliger Dunkelheit. Das Tageslicht sahen sie kaum jemals, menschliche Zuwendung oder gar Spaziergänge gab es nicht. Warum und wozu ihr Besitzer seine Hunde jahrelang im Keller schmachten ließ, wissen wir nicht. Warum haben solche Menschen Hunde??? Da kann man nur froh sein, dass er wenigstens freiwillig bereit war, sie abzugeben.

von links nach rechts: Radler, Amsel, Becks

Als die drei Keller-Häftlinge im Tierheim Sierra Nevada ankamen, waren sie aufgrund der vielen neuen und ungewohnten Eindrücke um sie herum vollkommen in Panik. Jahrelang hatten sie nichts von der Außenwelt gesehen, hatten kaum Kontakt mit Menschen und mit Fremden schon gar nicht. Alles erschien ihnen bedrohlich und sie schienen mit dem Schlimmsten zu rechnen. In ihrer Hundehütte buddelten sie sich ein tiefes Loch in den Decken und drückten sich dort eng aneinander.

Doch als die drei merkten, dass ihnen nichts Böses widerfuhr, wurden sie mit der Zeit neugierig und tauten immer mehr auf. Leckeres Futter, Streicheleinheiten und gute Erfahrungen mit den Tierpflegern taten ein übriges. So nach und nach verließen die drei Angsthäschen ihr Schneckenhaus, nahmen am Tierheimleben teil, freuten sich über Streicheleinheiten und begrüßten ihre Bezugspersonen schwanzwedelnd. Schließlich war es soweit, dass die drei ins Partner-Tierheim nach Kronach auswandern durften, denn in ihrer Heimat hätten sie keinerlei Chance auf Vermittlung gehabt. Inzwischen hat der kleine Becks sogar schon eine neue Familie gefunden, aber Radler und Amsel hoffen noch.

Radler (links) mit Becks

Die neuerliche Umgebungsveränderung steckten die Hunde erstaunlich gut weg. Natürlich ist Radler immer noch schüchtern, das ist ganz klar. Nachdem er jahrelang im Keller schmoren musste und kaum Kontakt zur Außenwelt hatte, kann man keinen Draufgänger erwarten. Aber er hat sich gut eingefügt und liebt seine täglichen Spaziergänge, anstatt so wie anfangs völlig geschockt zu sein. Man hat das Gefühl, dass Radler gerade in einer halb geöffneten Tür steht. Auf der einen Seite befindet sich sein altes Leben, das man eigentlich nur als Dahinvegetieren bezeichnen kann. Durch den Türspalt spitzt er nun neugierig, aber noch vorsichtig in eine völlig veränderte Zukunft, die ihm leuchtend und in bunten Farben vor Augen steht. Noch traut er sich nicht ganz, den Schritt zu wagen, aber es fehlt nicht mehr viel. Zu verlockend sind die Verheißungen, von denen er vorher nie kosten durfte…

Für das kleine Sensibelchen suchen wir sehr ruhige und liebevolle Menschen. Obwohl Radler zu allen Menschen superlieb und gutmütig ist und alles mit sich machen lässt (er ist also absolut kein Angstbeißer!) möchten wir ihn nicht in eine Familie mit kleinen Kindern vermitteln. Radler braucht einen ruhigen Haushalt ohne Hektik und Trubel. Im strukturierten Alltagsleben findet er Sicherheit und Geborgenheit. Kinder, die ihm nachrennen oder kleine Händchen, die nach ihm greifen, würden ihn vermutlich sehr verunsichern.

Andere Hunde sind dagegen kein Problem, denn Radler ist sehr verträglich und eher unterwürfig. An einem souveränen Ersthund könnte er sich orientieren und ihm einiges abschauen.

Bei seinen gewohnten Bezugspersonen ist Radler inzwischen bereits sehr zutraulich und anhänglich. Er kommt sofort her, schmiegt sich sogar teilweise an und räkelt sich genüsslich unter den Streicheleinheiten. Wie die meisten Podencos ist auch er sehr anschmiegsam und liebesbedürftig. Dass Zuwendungen gut tun, hat er nun erst kürzlich gelernt und möchte diese nicht mehr missen.

Trotzdem muss man damit rechnen, dass er in ungewohnten Situationen und fremden Umgebungen erst mal recht schüchtern sein wird. Damit er nicht gar zu sehr überfordert wird, möchten wir ihn nicht in eine Innenstadt vermitteln. Der Verkehrslärm und die vielen Menschen wären erst mal zu viel für das Angsthäschen. In ländlicher Umgebung würde er sich ganz bestimmt wohler fühlen.
Auch im Haus könnte Radler vor Dingen erschrecken, die für andere Hunde ganz normal sind. Staubsauger, Waschmaschine und Fernseher findet er bestimmt anfangs unheimlich. Hier wird von den neuen Herrchen und Frauchen etwas Geduld und Verständnis gefordert. Doch Radler hat nun schon so viel gelernt – er wird sich auch daran gewöhnen, da sind wir ganz sicher.

Übrigens ist Radler in seinem Tierheim-Zwinger absolut sauber – und das, obwohl er früher gezwungen war, sein Geschäft drinnen zu verrichten. Anscheinend fand er das so furchtbar, dass er nun immer aushält, bis er raus darf. Wir denken daher, dass er stubenrein ist.

Auch mit dem Alleinbleiben dürfte er eigentlich keine Probleme haben, da er dies bereits von früher gewöhnt ist. Er ist ja sehr ruhig und wenn er ein gemütliches Kuschelkörbchen hat, könnte er bestimmt auch mal ein paar Stunden alleine aushalten.

In seinem Außenzwinger bellt Radler übrigens schon ganz gern, wenn fremde Besucher vorbeilaufen. Man könnte glatt meinen, er halte sich für einen gefährlichen Wachhund und der Eindruck wird durch seine ungewöhnlich tiefe Stimme noch verstärkt. Ohne das schützende Gitter ist er aber klein mit Hut und kann keiner Fliege etwas zuleide tun. 🙂

Seit Radler das Spazierengehen für sich entdeckt hat, genießt er seine täglichen Runden sehr. Er läuft sehr schön und ohne Zerren an der Leine und erschnüffelt gern die neuesten Nachrichten aus der Hundewelt. Da er schon etwas älter ist, braucht er keine Extra-Bespaßung wie Agility oder anderen Hundesport, um ausgelastet zu sein. Normales Gassigehen reicht ihm völlig. Aufgrund seiner anfänglichen Angst vor allem Neuen und seines Podencoblutes (Jagdtrieb!) sollte er allerdings nur an der Leine ausgeführt werden.

Nun suchen wir ganz besondere Tierfreunde, die diesem armen Podenco-Buben zeigen, wie schön das Leben ist und was er bisher alles verpasst hat. Wer möchte gut machen, was Radlers Vorbesitzer seinem Hund angetan hat? Wer möchte ein begeistertes Leuchten in diese traurigen Hundeaugen zaubern?