
Der Schnee lässt weiter auf sich warten und das Thermometer klettert in weiten Teilen der Schweiz täglich munter über zehn Grad. Dieses untypische Winterwetter bietet Zecken optimale Bedingungen. Schon jetzt läuft man Gefahr, gebissen zu werden.
Normalerweise überlebt ein Grossteil der Zecken den Winter nicht, wie der Zürcher Arzt und Spezialist für Zeckenerkrankungen Norbert Satz am Donnerstag auf Anfrage sagte. Dafür sorge die natürliche Elimination. Zecken würden sich unter der Erdoberfläche einnisten, wo sie erfrieren, vorausgesetzt, dass der Boden über längere Zeit gefroren sei.
Zecken-Frühling
Angesichts der momentan milden Temperaturen überleben jedoch die meisten. Darum geht Satz davon aus, dass es im Frühling und Sommer mehr Zecken haben wird als üblich. Hinzu komme, dass nicht nur mehr Zecken den Winter überleben, sondern auch mehr Mäuse, die Hauptnahrungsquelle der Blutsauger. So würden auch weniger Zecken verhungern.
Gibt es mehr Zecken, steigt automatisch auch das Risiko, gebissen zu werden und sich mit der so genannten Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME), also einer Hirn- oder Hirnhautentzündung, anzustecken. Satz rechnet denn auch mit mehr Erkrankungsfällen und empfiehlt, sich bereits jetzt impfen zu lassen.
Neue Zeckenarten wandern ein
Der Biologe Marco Bernasconi, Oberassistent am Zoologischen Museum der Universität Zürich, geht zudem davon aus, dass die Aktivzeit der Zecken immer länger wird. Schon jetzt könne es durchaus sein, dass man von einer Zecke gebissen werde. Durch die Klimaveränderungen kommen zudem neue Zeckenarten in die Schweiz, wie Bernasconi weiter sagte.
Bei Untersuchungen im Tessin habe er zwei Arten entdeckt, mit denen er überhaupt nicht gerechnet habe. Diese könnten vor allem auf Hunde, aber auch auf Menschen Krankheiten übertragen. Unter Umständen könnten sich diese Arten auch nördlich der Alpen ausbreiten.
Schädlinge profitieren von warmem Winter
Ob auch andere Schädlingsplagen drohen, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Zwar profitieren in einem milden Winter laut Beat Wermelinger, Insektenspezialist an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) beispielsweise Blatt- oder Schildläuse, die sonst auch von der Kälte hingerafft werden.
Falls sie aber zu früh aus ihrer Ruhephase erwachten, fänden sie noch nicht genügend Futter, um ihren Energieverbrauch zu decken. Und wenn es nochmals zu einem Kälteeinbruch komme, steige ihre Sterberate ohnehin wieder.
Die natürliche Regulierung funktioniert aber noch auf andere Art. «Man hat immer das Gefühl, bei warmen Temperaturen geht es den Schädlingen besser», so Wermelinger, «aber auch deren natürliche Feinde profitieren davon und werden aktiv.»
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Foto: Keystone




