
Berlin/Sachsenhagen, 21.06.2006. Knapp drei Wochen befand sich der Gänsegeier „Gonzo“ in der aktion tier-Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen. Jetzt fliegt er wieder quer durch Deutschland. Ob er mit der wiedergewonnenen Freiheit zurechtkommt und wohin ihn sein Weg führt, soll ein Satellitensender zeigen, den er jetzt auf dem Rücken trägt.
Etwas überrascht über die enorme Größe des Vogels war Anja Junghanns, Mitarbeiterin der Wildtierstation, schon als sie den Geier am 28.05.2006 auf einem Hof bei Hildesheim abholte. Bereits seit mehreren Tagen wurde er in der näheren Umgebung beobachtet und schließlich auf einem Rübenacker eingefangen. Anscheinend hat ihn das schlechte Wetter, welches seit 14 Tagen vorherrschte, stark geschwächt, denn ohne entsprechende Thermik ist ein so schwerer Vogel (bis zu neun kg) nicht in der Lage, hoch in die Luft zu steigen und auch über große Entfernungen tote Tiere zu finden, von denen er sich ernährt.
Bei der Eingangsuntersuchung durch Stationsleiter und Veterinär, Dr. Florian Brandes, konnte dann auch nur festgestellt werden, dass der Gänsegeier mit einer Spannweite von 2,50 m zwar schwach und abgemagert, aber ansonsten in einem guten Zustand war.
Zunächst gingen die Mitarbeiter der Wildtierstation von einem entflogenen Zoovogel aus, denn schon seit dem Mittelalter ist der Gänsegeier als Brutvogel in Deutschland ausgestorben. Lediglich im Alpenraum kann man gelegentlich Durchzügler beobachten, nicht aber bis Norddeutschland. Hinweise von Ornithologen über mehrere Beobachtungen von Gänsegeiern, die seit Mitte Mai einzeln oder in Gruppen bis nach Thüringen und Niedersachsen eingewandert sind, bestärkten den Verdacht, dass es sich um einen Wildvogel handelt. Der Vogel hatte weder einen Ring noch einen Mikrochip, welche in Zoos zur Kennzeichnung von Tieren verwendet werden und verhielt sich wesentlich scheuer und nervöser als Zoovögel dies normalerweise tun.
In Zusammenarbeit mit der Staatlichen Vogelschutzwarte Niedersachsen wurde beschlossen, den Geier wieder in die wohlverdiente Freiheit zu entlassen. Um diesen seltenen Vogel nicht unkontrolliert seinem Schicksal zu überlassen, nahm Dr. Brandes Kontakt zu Dr. Oliver Krone vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin auf, der ein Projekt zur Besenderung von Seeadlern leitet und entsprechende Erfahrung auf diesem Gebiet hat. Spontan erklärte sich dieser bereit, an der kontrollierten Auswilderung mit Hilfe eines Satellitensenders mitzuarbeiten. Dieser Sender, dessen Bereitstellung mit der großzügigen finanziellen Unterstützung der aktion tier – menschen für tiere e.V., dem Projektpartner der Wildtier- und Artenschutzstation, ermöglicht wurde, versetzt die Mitarbeiter in die Lage, den Wanderweg des Gänsegeiers zu überwachen und das Tier im Notfall auch wiederzufinden und einzufangen.


Es wird vermutet, dass die beobachteten Gänsegeier aus Südwesteuropa kommen – möglicherweise sogar aus Spanien, wo es die größten europäischen Geiervorkommen gibt. Diese sind von akutem Nahrungsmangel bedroht, denn aufgrund einer EU-Hygienevorschrift dürfen seit diesem Jahr verstorbene landwirtschaftliche Nutztiere nicht mehr offen liegen gelassen und durch die Geier entsorgt werden wie es bislang üblich war. Die plötzlich fehlende Nahrungsgrundlage könnte ganze Gruppen von Geiern veranlasst haben „auszuwandern“ und neue Gebiete zu erkunden.
Am letzten Samstag wurde der Geier von Dr. Krone besendert und in einer gemeinschaftlichen Aktion der aktion tier-Wildtier- und Artenschutzstation, Staatlichen Vogelschutzwarte und dem zuständigen Forstamt in einem geeigneten Gelände in die Freiheit entlassen. „Gonzo“ zeigte sofort, dass ihm die Pflege in der Wildtierstation gut getan hat und flog mehrere hundert Meter weit auf eine hohe Kiefer, um sich von dort erst einmal die Landschaft zu betrachten. Gespannt warten nun alle Mitarbeiter der beteiligten Institute auf die Daten des Senders und darauf, wie der Gänsegeier sich im Norddeutschen Raum verhalten wird.

Die Tierschutzorganisation aktion tier – Menschen für Tiere e.V. ist mit 210.000 Mitgliedern und 200 Kooperationspartnern eine der größten Tier- und Artenschutzorganisationen Deutschlands.
Weitere Informationen bei:
Dr. Florian Brandes, aktion tier-Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen, Tel.: 05725-708730, Mobil: 0171-6831000 (Florian.Brandes@wildtierstation.de).
aktion tier – Menschen für Tiere e.V.
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Info@aktiontier-Pressestelle.org





Juni 26th, 2006 at 04:45
Seit wann ist die Wiederfreilassung eines wahrscheinlichen, eingefangenen Wildvogels eine “kontrollierte Auswilderung”?
Ich finde, man hat sich in der Sache sehr korrekt verhalten, aber der Ausdruck ist an dieser Stelle unpassend.
Juli 1st, 2006 at 14:19
hallo liebe Geierfreunde,
am 26. oder 27. Juni 2006 saßen ein Freund von mir und ich im Garten und schauten in den Himmel. Plötzlich sahen wir einen recht großen Vogel am Himmel kreisen. Wir sahen uns diesen Vogel durch ein Fernglas an und stellten fest, dass es sicht nicht um einen Storch oder Graureiher handeln konnte. Wir vermuteten dann, dass es sich wohl um einen Fischadler handeln könnte —
(Meckleburg – Vorpommern ist nicht weit entfernt).
Durch das Kreisen gewann er rasch an Höhe und flog den in Richtung süd-öst davon. Beobachtungszeitpunkt ca. 11-12 Uhr vormittags. Ort der Beobachtung: 21435 Stelle LK Harburg.
Heute las ich dann in der Zeitung, dass ein Gänsegeier in Nord-
deutschland umher fliegt. (eine Abbildung war ausgedruckt).
Ich sah dann in meinen Vogelbüchern nach und kam zu der Erkenntnis, dass es ich wohl um den Geier handeln könnte.
mit freunlichen Grüßen
Erich Schröder
Juli 1st, 2006 at 14:24
das Datum1.1.2006 ist nicht richtg.
Es muß 1.7.2006 heißen