Iserlohn. (cofi) Der sympathische Hundeversteher Thomas Rütter verwandelte das Parktheater bei zwei fast ausverkauften Veranstaltungen in eine Hundeschule ohne lebende Objekte. Er lieferte bei der gelungenen, höchst unterhaltsamen und dennoch überaus informativen Kooperationsveranstaltung des IKZ und des Kulturbüros wertvolle Impulse für Menschen und Hund zum Thema Körpersprache und Kommunikation. Ganz locker und leger bewegt er sich im karierten, halb aufgekrempelten Hemd und verwaschenen Jeans auf der Bühne des Parktheaters und macht mit schauspielerischem Talent, Einfühlungsvermögen und jede Menge Humor das Verhalten von Hunden leicht nachvollziehbar.
Der aus dem Fernsehen bekannte Tierpsychologe würde seiner Hündin Nina zwar kein Ballettröckchen anziehen, aber eine Nikolausmütze oder einen Bart hält er für ein Foto oder die Weihnachtsfeier nicht für schutzrelevant. “Aber Hunde bemalen ist nicht drin.”
Er spricht von Powerkanonen und verschmusten Kuscheltieren und plädiert für partnerschaftlichen Umgang mit ihnen: Unterordnung bringe nichts. An der Reaktion seines Publikums ist zu erkennen, dass er mit seinen Beispielen sehr nah an dem ist, was die Hundehalter zuhause oder beim Auslaufen ständig erleben. Dabei verblüfft er durch ein ungeheuer breites Wissen zu diversen Rassen und Verhaltensweisen. Sehr sympathisch, dass er vor Publikum auch Missverständnisse und Fehlschläge beim Hundetraining zugeben kann, weil er einige Tiere falsch eingeschätzt hat.
Rütter ist ein absoluter Entertainer. Er doziert nicht etwa von oben herab. Nein, er ermuntert gleich zu Beginn seiner marathonmäßigen Informationsabende über Kommunikation und Körpersprache sein Publikum zu Zwischenrufen und Fragen, wenn es denn zum Thema passt. Das lassen sich die vielen Herrchen und Frauchen nicht zweimal sagen. Immer wieder wollen sie wissen, was er ihnen rät bei diesem und jedem Verhalten ihres tierischen Freundes. Auch auf die Fragen von Moderator Thomas Reunert hat er immer launige Antworten parat. Rütter präsentiert imposante Fotos und Videos zur Erläuterung seiner praxisnahen Ausführungen.
Rütter räumt auf mit vielen Vorurteilen: “Es ist ein Irrglauben, dass kleine Hunde wenig Arbeit machen und große viel.” 95 Prozent der Problemhunde seien nicht ausreichend stimuliert, appelliert er an die Hundehalter, ihre tierischen Gefährten etwa eineinhalb Stunden täglich geistig zu fordern. Besonders anspruchsvoll seien Hütehunde, sie verlangen viel Kreativität, erklärte Rütter. Herrchen und Frauen sollen statt gefährlichen Stöckchen lieber Spielzeug nehmen, ein abgeschnittener Gartenschlauch tue es auch, um ihn apportieren zu lassen.
Rütter erläutert anschaulich körpersprachliche und kommunikative Zusammenhänge, Imponiergehabe, Hierarchien, Manipulationen und Aggressionen. Grinsende und lachende Hunde sind beispielsweise Ausdruck natürlicher Beschwichtigungsrituale. Hunde haben selbstverständlich Emotionen, erläutert er, dass sie Glück und Trauer empfinden können.
Am 25. Februar findet um 15 Uhr zum Thema “Hund und Kind” eine weitere Veranstaltung mit Martin Rütter und Moderator Thomas Reunert im Parktheater statt. Kinderliedermacher Werner Kötteritz ist mit von der Partie.
21.11.2006
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