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Wenn Tiere vor den Zug rennen, lässt das die Bediensteten von Vias und der Odenwaldbahn nicht kalt. (Foto: Guido Schiek)

DARMSTADT-DIEBURG. Steht ein Tier auf den Gleisen, sieht Zugführer Kai Zink schwarz. Erst vor wenigen Tagen lief ein großer Hund zwischen den Schienen herum. „Ich habe gebremst und gehupt“, sagt der junge Mann, „aber es half nichts“. Der Hund rannte vor dem Triebwagen in Fahrtrichtung Otzberg-Lengfeld weiter, bis der Zug ihn einholte und überfuhr. Zink musste hilflos zusehen, wie der Wagen den Mischling erfasste.

„Anschließend macht man sich tagelang Gedanken“, berichtet er. Als Besitzer eines Hundes leidet Zink lange mit. Aber manchmal gibt es auch für ihn eine erleichternde Nachricht: Der überfahrene Rüde lebt noch. „Dass der Hund noch lebt, grenzt an ein Wunder“, sagt der Zugführer des Unternehmens Vias.

Ein- bis zweimal pro Woche kommt es vor, dass Tiere vor die Odenwaldbahn laufen, die das ländliche Gebiet zwischen Darmstadt, Erbach, Eberbach und Hanau durchkreuzt.

„Viele Wildschweine, Rehe, Hasen, Vögel, Hunde und Katzen sind die Opfer“, erzählt Jochen Auler, „Bezirksleiter Betrieb“ und Notfallmanager bei der Deutschen Bahn am Bahnhof Wiebelsbach-Heubach.

„Neulich ist der Zug sogar in eine ganze Rotte Wildschweine bei Nieder-Ramstadt gefahren“, sagt Auler. Das waren neun Tiere, und einige starben beim Aufprall.

Natürlich bremst der Zugführer in jedem Fall, wenn ein „Hindernis“ auf den Gleisen steht, wie Zink es nennt. Auch als er den Hund erblickte, sei er in die Eisen gegangen. Aber die Bremswege der Züge sind lang: Die Itino-Wagen der Firma Vias brauchen auf der Odenwaldstrecke 200 bis 300 Meter, um von 90 Stundenkilometer auf Null runterzubremsen.

Güterzüge fahren bei gleichem Tempo sogar 700 Meter weiter, bis sie endlich stehen. „Da hat ein Zugführer keine Chance, auch wenn die Bremskraft der neuen Fahrzeuge massiv ist“, sagt Zink.

Wenn es zu solchen Unglücken kommt, setzen die Bahn-Bediensteten ein ganzes Netzwerk in Bewegung: Um den Hund zu bergen, informierte der Zugführer per Funk die Fahrdienstleiterin im Bahnhof Wiebelsbach-Heubach, Maria Staudt.

Sie wiederum rief die Notfall-Leitstelle in Frankfurt am Main an, die den Notfall-Manager Auler anrief. Auler meldete sich dann bei der technischen Koordinationsstelle der Bahn in Regensburg, die den Odenwälder „Teamleiter Fahrbahn“, Andreas Tillmann, in Gang setzte. Tillmann fuhr schließlich beherzt zum Unfallort an den Schienen bei Wiebelsbach-Heubach, wo er den verletzten Hund fand.

Aber damit nicht genug: Jetzt suchte Tillmann auch dessen Besitzer und klapperte sogar die Nachbarschaft ab. Die Nachbarn riefen die Hundehalter an, die ihren Mischling gleich tierärztlich versorgen ließen. „Die Zusammenarbeit der Dienststellen von Vias und Bahn hat bestens geklappt“, lobt Auler die Kollegen.

Der verletzte Hund ließ sich trotz seiner Schmerzen von jedem Menschen anfassen. Andere Opfer reagieren da heftiger, „zum Beispiel ein Wildschwein bei Ober-Ramstadt“, erzählt Andreas Tillmann: „Das Schwein saß im Gebüsch und griff uns an, als wir seinen überfahrenen Artgenossen von den Schienen holen wollten.“ Die Männer mussten den Jagdpächter holen, der das aggressive Tier erschoss.

Auch ein Bulle auf den Schienen bei Höchst im Odenwald ließ das Herz von Zugführer Zink kurz still stehen. Dann folgte die Erleichterung – als die Eisenbahn hupte, sprang der Bulle davon.

So viele Helfer zur Bergung von Tieren sind nicht selbstverständlich. Normalerweise wird kaum mehr getan, als das Hindernis zu beseitigen und die Sicherheit der Bahnstrecke wiederherzustellen.

Warum es im Odenwald herzlicher zugeht, liegt vielleicht am ländlichen Charakter der Region: Viele der Bahnbediensteten haben selbst Hunde und wissen, worum es geht.

„Außerdem“, sagt Maria Staudt lokalpatriotisch, „leben wir ja selbst alle auf dem Land. Hier gibt es eben eine besondere Verbundenheit zwischen den Menschen – und auch zu den Tieren“.

Sabine Richter22.1.2007

http://www.echo-online.de/suedhessen/template_detail.php3?id=427161

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