Würzburg/Bad Kissingen – Die Auwaldzecke macht sich breit. Auch in Franken. Größer ist sie und auffälliger gezeichnet als der “gemeine” Holzbock. Und sie kann Babesien übertragen, die Erreger der Hunde-Malaria. Wird das Tier nicht behandelt, stirbt es in der Regel nach wenigen Tagen oder Wochen. Einzig wirksamer Schutz ist Vorbeugen.
Bei mehr als 1500 Hunden sind nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes im vergangenen Jahr die Erreger der Hunde-Malaria (Babesiose) nachgewiesen worden. Die Krankheit beginnt mit Fieber. Der Erreger, Babesia Canis, zerstört die roten Blutkörperchen, der Hund frisst nicht mehr, wird lethargisch. 30 bis 50 Prozent der erkrankten Hunde sterben. In Deutschland sind noch keine Medikamente gegen Babesiose zugelassen. Tierärzte müssen sich die Arznei über die internationale Apotheke besorgen. Bis das Medikament vor Ort ist, kann es für das Tier zu spät sein. Bis vor etwa 15 Jahren galt die Babesiose als reine Reisekrankheit, mit der sich der Hund nur in südlichen Ländern infizierte. Inzwischen können Tiere überall in Deutschland direkt mit dem Erreger in Kontakt kommen. Der Grund: Die Auwaldzecke hat sich ausgebreitet. Noch trägt nur ein geringer Prozentsatz von “Dermacentor reticulatus” die Blutparasiten in sich, weiß Dr. Torsten Naucke, der Zeckenpapst aus Niederkassel. Der Parasitologe warnt aber: “Der Erreger wird sich vermutlich schnell verbreiten.”
Die große Zecke auf schnellen Beinen ist westlich des Rheins, im Ruhrgebiet und im Raum Berlin-Leipzig häufiger anzutreffen. Sie wurde auch in Oberfranken und im Landkreis Haßberge gesichtet, hier konnten Babesien allerdings nicht nachgewiesen werden. Die Forschung ist erst am Anfang, Geldmangel der Grund, erläutert Torsten Naucke. Er und sein Verein “Parasitus Ex” suchen Sponsoren, um die 2400 Zecken untersuchen zu können, die ihnen aus allen Teilen der Republik zugeschickt wurden. Eines ist jedenfalls sicher: Die Hunde-Malaria breitet sich in Unterfranken aus. Das bestätigt Dr. Janine Hübner, Fachärztin für Virologie bei “Laboklin” in Bad Kissingen. Im Labor für klinische Diagnostik werden täglich 800 bis 1000 Blutproben untersucht, die Tierärzte aus der Region einschicken. Die Fälle von Babesiose seien deutlich angestiegen. “Wir haben einige positive Fälle auch aus dem Würzburger Raum”, sagt Hübner, genaue Zahlen kann sie aber nicht nennen.
Noch überwiegen die Fälle, in denen der Hund aus typischen Babesiose-Gebieten importiert wurde oder seinen Besitzer “ungeschützt” in den Urlaub begleitet hatte. Aber es sind auch Hunde erkrankt, die nie im Ausland waren. So einen Fall hatte auch die Kitzinger Tierärztin Dr. Barbara Schunke in ihrer Praxis. Der einzig wirksame Schutz ist die Vorbeugung, sagt Schunke. Sie empfiehlt “nur Produkte, die eine Zweifach-Wirkung haben, eine stark abschreckende und eine gut abtötende”. Die werden entweder auf die Haut geträufelt, wie “Advantix” von Bayer, oder als medizinische Halsbänder verwendet. Bei biologischen Mitteln, die vielfach in Apotheken angeboten werden, konnte Schunkes zufolge wissenschaftlich keine Wirksamkeit nachgewiesen werden. Stichwort Hunde-Malaria Bei der Hunde-Malaria handelt es sich um eine von der Auwald-Zecke übertragenen Parasiten, der die roten Blutkörperchen zerstört. Die Folge: Blutarmut, Fieber, Lethargie, Appetitlosigkeit und eine Erhöhung der ausgeschiedenen Gallensalze im Urin. Dies führt zu einer dunkelgelben bis rotbraunen Färbung des Harns.
14.07.2006
http://www.mainpost.de/mainfranken/fb/art1727,3635435.html?fCMS=3f0672b17dbe37c3cff28f2a9e9b9b4e




