LÜBECK/ÜBERLINGEN Die vorbeugenden Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung der Vogelgrippe in Deutschland verlangen von Tierhaltern und ihren vierbeinigen Lieblingen viel Disziplin. Der Hausarrest stellt vor allem Katzen auf eine arge Probe.
Schwere Zeiten für “Mimi” und “Hannibal”: Sie haben Hausarrest. Nach dem Fund eines H5N1-infizierten Katers auf der Ostseeinsel Rügen dürfen Katzen in den deutschen Vogelgrippe-Sperrbezirken nicht mehr frei herumlaufen. Viele Katzenbesitzer machen sich deshalb Sorgen. Katze “Mimi” in Überlingen am Bodensee etwa blieb zunächst nichts anderes übrig, als die Enten im sonnenbeschienenen Garten durch die Fensterscheiben zu betrachten. “Ein bis zwei Wochen kann ich sie zu Hause halten, aber danach wird es schwierig werden”, sagt Besitzer Günther Meisohle.

Auch die Konstanzer Besitzer von “Hannibal”, “Idefix” und “Lady” haben wegen des Hausarrests für die Vierbeiner schon unruhig geschlafen. Die Familie mit drei Katzen wohnt im Sperrbezirk von Überlingen, der über den Bodensee hinweg in Konstanzer Vororte hineinreicht. “Die Tiere kratzen ständig an den Fenstern”, sagt die Besitzerin. Ihre beiden Kater und die Katze seien sonst immer draußen, im Garten oder auch unten am Seeufer.

Ein Ausweg aus der Misere könnte sein, Mieze wie einen Hund an der Leine zu führen. Denn die Eilverordnung des Bundes bestimmt nur, dass Katzen und Hunde in den Vogelgrippegebieten nicht mehr frei herumlaufen dürfen. Mit der Leine sei auch für Katzen der Vorschrift Genüge getan, bestätigt ein Sprecher des Kreises Ostholstein an der Ostsee, wo nach dem Fund infizierter Wildvögel ebenfalls Sperrzonen eingerichtet worden sind.

“Durch den Haus- beziehungsweise Leinenzwang soll verhindert werden, dass Hunde und Katzen mit infizierten Tierkadavern in Berührung kommen. Wenn eine Katze an der Leine geführt wird, darf sie natürlich nach draußen – wenn die Katze das mitmacht”, erläutert der Pressesprecher des Kreises, Jürgen Manitz. Margot Mikulla aus Lübeck ahnt jedoch, dass sie das bei ihren Katern “Mojo” und “Soul” gar nicht erst zu versuchen braucht. “Ich glaub´, “Mojo” würde das Geschirr innerhalb von 20 Sekunden zerlegen”, sagt sie. Eine sieben Jahre alte, Freigang gewohnte Katze könne man nicht mehr an ein Geschirr gewöhnen und auch nicht einfach zur Stubenkatze machen, meint sie.

Manche Fachgeschäfte verzeichnen allerdings eine gestiegene Nachfrage nach Katzengeschirren. Im Tierheim Lübeck steht derweil das Telefon nicht still. Verunsicherte Katzenbesitzer wollen unter anderem wissen, wie sie ihrem Stubentiger die unfreiwillige Gefangenschaft versüßen können. “Ich habe selbst eine Katze und weiß aus Erfahrung: Leicht ist das nicht”, sagt Tierheim-Mitarbeiterin Tina Waack. Sie glaubt, ein Katzengeschirr könne für viele Tiere das kleinere Übel sein. “Wenn die Katze unter dem Eingesperrtsein sehr leidet, ist ein Ausgang an der Leine besser als nichts”, sagt sie.

Viel Lob und Belohnungen mit Leckerlis könnten die Gewöhnung an die ungewohnte Leine erleichtern. Wenn Mieze aber im Haus bleiben muss und deshalb verrückt spielt, rät Waack: “Dann sollte man viel mit ihr spielen und auch toben, um sie abzulenken.”

von Gisela Mackensen und Eva-Maria Mester, 04.03.06

http://www.wiesbadener-kurier.de/politik/objekt.php3?artikel_id=2289189

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