Wien (OTS) – Am 21. Mai kam es zu insgesamt 24 Hausdurchsuchungen und einer noch größeren Zahl von Einvernahmen. Insgesamt sind Personen von 7 Tierschutzvereinen betroffen. Die Polizei begründete diese Aktion mit dem Verdacht auf die Bildung einer kriminellen Verbindung. Konkrete Vorwürfe spezifischer Straftaten zu einzelnen Personen wurden keine vorgebracht.

Wie jetzt bekannt wurde, hat die Polizei schon jahrelang gegen die TierschützerInnen ermittelt. \”Als sich aber herauskristallisierte, dass die Polizei trotz Beschattung und Lauschangriff mit legalen Mitteln nichts gegen den völlig gesetzeskonform operierenden VGT unternehmen kann, machen sie es jetzt auf die schmutzige Tour\”, meint Harald Balluch, Geschäftsführer des Verein Gegen Tierfabriken. \”Der Tierschutz soll kriminalisiert und das Image der Tierschutzvereine soll nachhaltig beschädigt werden. Dabei ist sind die Vorwürfe absolut aus der Luft gegriffen. Der VGT lehnt kriminelle Handlungen und Gewalt ab und distanziert sich ausdrücklich von allen gegenständlichen Straftaten.\”

\”Diese Aktion ist ein unglaublicher Willkürakt und ist darauf ausgelegt, bestimmte Vereine mit unlauteren Mitteln auszulöschen\”sagt Harald Balluch. \”Uns und 4 weiteren Tierschutzvereinen hat die Polizei die komplette Arbeits- und Existenzgrundlage genommen: Sie entwendeten uns die gesamte Spenderdatei, wir haben also keine Möglichkeit mehr, unsere Mitglieder zu kontaktieren. Die Polizei hat weiters alle Computer mitgenommen und den Angestellten die Handys entwendet. Unsere Infrastruktur ist damit vollkommen lahm gelegt. Gestern war selbst unsere Festnetzleitung gestört. Wir waren für die Medien damit unerreichbar. Zufall?\”

Auch unser gesamtes Foto- und Filmmaterial wurde uns genommen, das in 15-jähriger Aufbauarbeit zusammengesammelt wurde und das die Zustände in Österreichs Tierfabriken dokumentiert. Unsere Tierschutzarbeit ist zerstört – wir sind an den Anfang zurückgeworfen.

Alle Versuche, die Exekutive dazu zu bewegen, uns wenigstens Kopien der wichtigsten Daten zu überlassen, wurden abgeschmettert. Vielmehr wurde in Aussicht gestellt, dass nicht damit zu rechnen ist, dass mit der Datensichtung innerhalb des nächsten Jahres begonnen werden kann, weil die betreffende Abteilung derartig überlastet sei!!! Der Verein ist nach dieser Aktion durch einen polizeilichen Willkürakt praktisch zerstört. Und das ohne dass irgendwelche Fakten gegen den Verein vorliegen würden.

Dafür durften sich MitarbeiterInnen süffisante Bemerkungen anhören. Beispielsweise, dass sie sich jetzt einen anderen Job suchen müssten, weil der Verein jetzt ohnehin am Boden ist oder die Frage warum wir denn die Daten haben wollen, wo wir doch ohnehin keine Computer mehr hätten.

Thomas Putzgruber vom Verein RespekTiere dazu: Nahezu unglaubliche, schockierende Szenen spielten sich am Mittwoch frühmorgens vor der RespekTiere-Zentrale in mSalzburg/Bergheim ab.

Mindestens ein Dutzend Beamte von Wega und Polizei stürmten noch vor 6 Uhr morgens unsere Wohnstätte, durchwühlten in einer achtstündigen (!!!) Aktion jede Ecke und jeden Winkel, beschlagnahmten sämtliche Computer, Fotoapparate, Fotos, Cd\’s, Videos, Speichermedien, kurzum: den gesamten Verein RespekTiere! Bewaffnete Beamte verschleppten die harte Arbeit von fast einem Jahrzehnt ins Nirgendwo der Polizeiarchive!

Ein Einsatz wie dieser, zugegeben, der lässt uns kurz straucheln, erschwert unseren Weg, aber letztendlich beweist er die Ohnmacht der Mächtigen und die Wichtigkeit unserer Arbeit für die Tiere. Ein Einsatz wie dieser, der lässt uns stolzen Herzens erkennen, wir sind ein Teil einer Bewegung, welche letztendlich durch ihre Friedlichkeit, nur anhand ihrer Ideale, diese unsere einzige Welt zu verändern imstande sein wird, im Bestreben, den Allerschwächsten der Gesellschaft endlich nicht mehr zu entziehenden Rechte zuzugestehen!

Wir werden unsere Arbeit nach einem kurzen Luftschnappen fortführen, keine Frage, ehrgeiziger, gezielter und erfolgreicher als jemals zuvor!

Der steirische Tierschutzverein Tier-Wege wurde ebenfalls von der Polizei gestürmt. Nikolaus Kubista, Obmann des Vereins kommentiert: Es ist einfach unfassbar. Ich als unschuldiger Tierschützer wurde behandelt wie ein Schwerverbrecher. Ich bin entsetzt über das willkürliche Vorgehen der Behörden, welches nur als Skandal bezeichnet werden kann.

Ähnlich erging es der Veganen Gesellschaft Österreichs (VGÖ). Die VGÖ bietet Serviceleistungen für vegan lebende Menschen und alle, die es werden wollen. Paula Stibbe von der VGÖ: \”Ich bin schockiert darüber, dass sogar wir als reines Informationscenter derart kriminalisiert werden. Alle Computer samt Datenbank wurden konfisziert, unsere Arbeit wurde damit gezwungenermaßen zum Stillstand gebracht. Trotzdem werden wir alles in unserer Macht stehende tun, damit auch dieses Jahr die Veganen Sommerfeste stattfinden können. Das wir betroffen wurden, zeigt deutlich, wie
willkürlich die Behörden reagieren.\”

Der frühe Morgen des 21. Mai 2008, 6:00 Uhr. \”Plötzlich machte es einen enormen Knall, der mich aus dem Schlaf aufschrecken ließ\”, schildert Harald Balluch, Geschäftsführer des Verein Gegen Tierfabriken. \”Unmittelbar darauf ein zweiter dumpfer Schlag und eine Gruppe von Personen mit Masken in Kampfmontur stürmten ins Schlafzimmer und bedrohten mich und meine Freundin mit der Waffe im Anschlag. Sie schrieen auf mich ein. Unsere durch den Überfall verstörten Hunde wurden brutal gepackt und mit Fangschlingen fixiert und hinausgezerrt. Es war entsetzlich.\”

Die Tierschutzbewegung ist vielen einflussreichen Personen ein Dorn im Auge: Das Verbot von Legebatterien und das Käfigverbot für Kaninchen, bewiesen die Durchsetzungskraft der TierschützerInnen, denen es gelungen ist, die Bevölkerung zu überzeugen. Permanente Aufdeckungsarbeit beispielsweise über die Zustände in der Schweineproduktion, machen weiter öffentlichen Druck auf die Landwirtschaft und die Angst vor gesetzlichen Verbesserungen ist unter den LobbyistInnen allgegenwärtig.

Auch die bisher jahrelang unkritisierte Jägerschaft, steht nun immer öfter mit negativen Schlagzeilen über Tierquälereien, wie z.B. mit den für Jagd gezüchteten Tieren (Fasane, Enten, Hasen, Hirsche, etc), im Licht der Öffentlichkeit. Die Jägerschaft bildet bekanntermaßen ein Netzwerk bis in höchste Kreise. Auch die Pharmakonzerne fürchten sich vor strengeren Bestimmung im Tierversuchsbereich und natürlich auch die Pelzindustrie.

\”Gerade in den letzten Jahren war die Tierschutzbewegung sehr erfolgreich und hat stark an gesellschaftlicher und politischer Bedeutung gewonnen. Jetzt soll sie gestoppt werden. Ich finde es skandalös, dass hier die Staatsgewalt für politische Interessen missbraucht wird\”, sagt Harald Balluch.

Rückfragehinweis:

Harald Balluch, 01/9291498-0

Mag Christine Braun, 0676/4334073

Weitere Infos: http://www.respektiere.at/

update 30.05.08

Für alle jene, welche den behördlichen Rund-um-Schlag gegen den österreichischen Tierschutz letzte Woche nur am Rande mitbekommen haben, hier die aktuellen Presse-Aussendungen der GRÜNEN zu dem Thema. Weitere Informationen außerdem unter WWW.VGT.AT <http://www.vgt.at/>

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OTS058 5 II 0245 FMB0001 28.Mai 08

POLITIK TIERSCHUTZ JUSTIZ GRÜNE

Weinzinger: Noch immer keine konkreten Anklagepunkte gegen verhaftetete TierschützerInnen

Grüne kritisieren: RechtsvertreterInnen werden hingehalten

Wien (OTS) – Scharfe Kritik üben die Grünen an der Vorgangsweise der Staatsanwaltschaft gegenüber den verhafteten TierschützerInnen. Obwohl schon Freitag letzter Woche den RechtsvertreterInnen der Beschuldigten volle Akteneinsicht zugestanden wäre, ist dies bis dato unterblieben. Bis jetzt wurden den verhafteten TierschutzaktivistInnen noch immer keine konkreten Anklagepunkte vorgelegt. Zuletzt war die Vorlage der genauen Anschuldigungen für den gestrigen Dienstag angekündigt worden, allerdings gab es auch Dienstag nichts Konkretes. \”Die Staatsanwaltschaft betreibt hier eine Hinhaltetaktik, die eines Rechtsstaates unwürdig ist und das Recht der Beschuldigten, sich gegen Anschuldigungen zu verteidigen, massiv verletzt. Es geht nicht an, dass in Medienstellungnahmen schwerwiegende Vorwürfe erhoben werden, die Behörde aber den Beschuldigten und ihren RechtsvertreterInnen gegenüber keine vollständige Akteneinsicht gewährt und konkrete Anklagepunkt vermissen lässt\”, kritisiert Brigid Weinzinger, Tierschutzsprecherin der Grünen. Sie kritisiert weiters, dass die Staatsanwaltschaft versuche, Vorwürfe medial aufzubauschen – so entpuppte sich der
Vorwurf \”Gasanschläge\” auf Nachfrage von Journalisten als Stinkbombenwürfe.

\”Wenn die Staatsanwaltschaft gegenüber den einzelnen festgenommenen Personen keine konkreten Anklagepunkte in der Hand hat, ist die Untersuchungshaft unzulässig. Man kann doch nicht jemanden wochenlang in U-Haft halten, weil man ihm oder ihr aufgrund von Tierschutz-Kampagnen den willkürlichen Vorwurf der \’kriminellen Organisation\’ konstruiert oder einem die Tätigkeit einer Organisation politisch unbequem ist\”, so Weinzinger. Wenn einzelne strafrechtlich relevante Tatbestände ad personam vorliegen sollten, so seien diese in einem ganz normalen Verfahren zu verfolgen.

Rückfragehinweis:

Die Grünen, Tel.: +43-1 40110-6697, presse@gruene.at

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER

INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS – WWW.OTS.AT <http://www.ots.at/>***

OTS058 2008-05-28/09:31

280931 Mai 08–

Mag. Katharina Fatzi

Referentin für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit, Tierschutz

Grüner Klub im Parlament

www.gruene.at

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VGT-Obmann Dr. Balluch: Statement zum Hungerstreik

Ich habe seit Dienstag, 20. Mai 2008, also seit 7 Tagen, nichts mehr gegessen. Ich befinde mich in Wr. Neustadt in Untersuchungshaft im Hungerstreik.

Am Mittwoch in der Früh, noch im Dunkeln, schlug eine Gruppe schwarz maskierter Männer meine Wohnungstür ein, hielt mir im Bett die Pistole an den Kopf und zwang mich nackt aufzustehen. Mein Bruder im Nebenzimmer wurde mit erhobenen Händen an die Wand gestellt und bekam die Pistole ins Genick, während seine 7-jährige Tochter zuschauen musste. Anschließend durchwühlte die Polizei meine Wohnung, stellte alles auf den Kopf und verließ sie erst nach 6 Stunden mit meinen Computern, mit Büchern, Schriften und Videokassetten. Ich sitze seitdem in einer Zelle.

Da ich bis jetzt nicht konkret informiert wurde, was eigentlich gegen mich vorliegt, trat ich in Hungerstreik. Nach so vielen Tagen ohne Essen fühle ich mich schon sehr schwach. Wenn ich mich schnell bewege, dann dreht sich alles. Aber ich vertraue noch immer auf den Rechtsstaat, dass man bei uns in Österreich nicht derartig behandelt werden kann, ohne gute Begründung. Und deshalb werde ich weiter im Hungerstreik bleiben, bis mir entweder eine Begründung genannt wurde oder ich freigelassen werde.

Mein Rechtsanwalt hat mir den gegen mich vorliegenden Akt übergeben. Er ist sehr umfangreich, liefert aber keine Begründung für meine Behandlung. In 1500 Seiten wird mein Name nur 3x erwähnt: einmal wegen eines Interviews, das ich einer amerikanischen Tierschutzzeitschrift gegeben habe, einmal wegen eines Artikels mit mir in der Zeitschrift \”Wiener\”; und zuletzt wegen einer Radiosendung mit mir in Radio Orange. Es kann ja wohl nicht ernsthaft wahr sein, dass ich wegen meiner Medienarbeit derartig misshandelt und in U-Haft gehalten werde.

Der 1500 Seiten starke Akt besteht in erster Linie aus polizeilichen Ermittlungsberichten von insgesamt 27 Tierschutzaktionen in den letzten Jahren. Darunter fallen Aktionen wie \”Stalking einer Angestellten eines pelzführenden Geschäftes\” über \”Aufhängen eines Anti-Pelz Plakates auf der Westautobahn\” und 2x \”Verteilen von Papierschnipseln in Geschäftsräumen pelzführender Geschäfte\” bis zum Beschädigen von Autos, Einschlagen von Scheiben und Werfen von Stinkbomben. In dem gesamten Akt ist keine Rede von
Brandlegung oder Gasangriffen, wie das meines Wissens von der Staatsanwaltschaft gegenüber Medien behauptet wurde. Vielmehr hat der ORF berichtet, gab es im Jahr 2000 eine Brandstiftung mit Tierschutzzusammenhang, seitdem nicht mehr.

Alle polizeilichen Ermittlungsberichte zu den 27 Vorfällen enden mit der Feststellung, dass die Täter unbekannt sind. Dennoch wurden am besagten Mittwoch neben meiner Wohnung noch 23 weitere Wohnungen und Büroräume von TierschützerInnen und insgesamt 4 Tierschutzvereinen durchwühlt. 10 Personen wurden festgenommen. Laut Akt wurden die polizeilichen Ermittlungen von einer von einem Grünen Gemeinderat
organisierten Kundgebung gegen nationalsozialistische Wiederbetätigung im Jahr 2006 ausgelöst. Da am selben Ort auch Anti-Nazi Graffiti gefunden worden waren, gab es bei besagtem Grünen eine Hausdurchsuchung – natürlich ohne Ergebnis. Dieses Graffiti wurde aber von der Polizei auch mit dem Zerschneiden von Werbeplakaten einer Reptilienschau in Vösendorf in Zusammenhang gebracht, und seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Wr. Neustadt im Tierschutzmilieu – mit dem bekannten Ergebnis.

Spätestens seit dem Jahr 2004, in dem es dem VGT gelang, gegen den Willen der Tierindustrie ein Legebatterieverbot durchzusetzen, ist eine politisch motivierte Kampagne gegen unseren Verein zu spüren. Diese Kampagne gipfelt jetzt offenbar in dieser Aktion. Das Vereinsbüro wurde all seiner Computer und Aktenordner beraubt – offenbar für Monate oder Jahre – und ist dadurch für lange Zeit politisch handlungsunfähig. Ebenso wurden Wohnungen des VGT-Kassiers und zweier VGT KampagnenleiterInnen durchsucht und ihrer Computer beraubt, genauso wie das Materiallager des VGT. Außer mir sind aber keine VGT-MitarbeiterInnen in Haft.

Um zu kaschieren, dass diese Aktion ohne jedes konkrete Verdachtsmoment für eine strafbare Handlung – und ohne Ergebnis nach den Hausdurchsuchungen – durchgeführt worden ist, hält sich das Innenministerium jetzt bedeckt, verbreitet Gerüchte von Brandstiftung und hält mich weiter in U-Haft, als ob ein Haftgrund vorläge. Da dieser aber nicht vorliegt, und um den ganzen Skandal dieses Polizeiterrors publik zu machen, musste ich in den unbefristeten Hungerstreik treten, und damit meine eigene Gesundheit und
mein Leben akut gefährden. Ich rufe alle Bürger und Bürgerinnen in unserem Land, denen die Menschrechte am Herzen liegen, auf, mich zu unterstützen und mein Leben zu retten. Bitte lassen Sie nicht zu, dass die Verfassung und unsere Grundrechte derartig mit Füßen getreten werden.

DDr. Martin Balluch

Obmann des VGT

aus der Gefängniszelle

update 31.05.08

Was könnt Ihr für die Tierschützer tun?

- Teilnahme an Demo in Frankfurt
- Publikation an Presse
- Publikation in Foren
- Publikation an Tierschutzvereine und Tierrechtsorganisationen
- Organisation einer Demo in Eurer Stadt
- Im Zusammenschluß mit anderen Vereinen Demos organisieren
- Unterschriftenlisten sammeln für: peter.kahr@gmx.at
- Info über Euer Vorgehen gesammelt an: peter.kahr@gmx.at
- Protestbrief an: post@bmi.gv.at

NÄCHSTE DEMO * 02-06-08 * FRANKFURT:

Montag, 2. Juni ab 7.30 Uhr vor dem Büro der Österreichischen Handelsdelegation in Frankfurt (Unterlindau 21-29) demonstrieren. An den folgenden Tagen werden die Proteste fortgesetzt, bis die österreichische Justizbehörde eine plausible Erklärung für ihr unverhältnismäßiges Vorgehen gegen die Tierrechtsbewegung in Österreich liefert.

Zeigt Solidariät, morgen könnte es Euch betreffen!

Quellen:

Unfassbare Polizei-Attacke gegen den Tierschutz http://www.vgt.at/presse/news/2008/news20080522.php

Dazu auch: VGT-Obmann tritt in Hungerstreik http://www.vgt.at/presse/news/2008/news20080523.php

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Tierrechtler zu erfolgreich: zur Belohnung Knast!

 

Es könnte jeden von uns treffen! – bitte steht Euren Tierschutzkollegen bei!

Frankfurt am Main. Österreich scheint die Tierrechtsbewegung zerschlagen zu wollen. Einerseits ein Zeichen dafür, wie erfolgreich Tierrechtler in diesen Zeiten sind, andererseits ein Armutszeugnis für einen Rechtsstaat. Die österreichische Staatsanwaltschaft greift zu massiven Mitteln und versucht, aus Tierschützern Kriminelle zu machen, indem ihnen die »Bildung einer kriminellen Vereinigung« vorgeworfen wird.

Gerade in Österreich sind Tierrechtler und Tierschützer durch ihre Forderungen ein ganzes Stück weitergekommen als bisher in Deutschland: Ab nächstem Jahr wird es keine Käfighaltung für Legehennen mehr geben (auch nicht wie in Deutschland die so genannten »ausgestalteten Käfige«), das Halten von Wildtieren im Zirkus ist verboten, es gibt keine Pelzfarmen mehr und 2005 wurde das Tierschutzgesetz sehr im Sinne der Tiere aktualisiert.

Jahrzehntelange Kampagnenarbeit von aktiven Tierfreunden sind diesen Verbesserungen voraus gegangen. Dass diese Veränderungen nicht allen gefallen, dürfte klar sein: Die Tierausbeutungsindustrie setzt Milliarden um und hat eine enorme Lobby. Doch die Gesellschaft ändert sich. Im 21. Jahrhundert sind die Bürger – auch dank der neuen Medien – aufgeklärter. Als Konsument fängt der informierte Mensch an, ethisch zu handeln und bestimmte (Tierausbeutungs-)Produkte zu boykottieren. Der Motor jedoch für diese Veränderungen ist ein kleiner Kreis engagierter Menschen. Diese stehen nun im Visier der Staatsanwaltschaft.

Am 21.05.08 stürmten Einsatzkräfte der Polizeisondereinheit WEGA insgesamt 23 Wohnungen von Tierrechtlerinnen und Tierrechtlern in ganz Österreich. Die Wohnungen wurden laut Zeugenaussagen zum Teil mit gezogenen Waffen gestürmt, Türen trotz (schlafender) Anwesenheit der betroffenen Person aufgebrochen. Computer, Archive, Unterlagen etc.beschlagnahmt. Niemandem der 10 Verhafteten können Taten zugeordnet werden. Es reichte wohl schon aus, dass zumindest einige der Verhafteten langjährig tierrechtlerisch aktiv sind. Die Untersuchungshaft ist zutiefst menschenrechtswidrig, einige Tierrechtler sind in Hungerstreik getreten. Von dieser Repressionswelle ist auch der deutsche Verein die Tierbefreier e.V. betroffen.

Die Tierrechtsszene wird durch das Vorgehen bewusst kriminalisiert und entrechtet: erstens rechtsstaatlich, zweitens in der öffentlichen Wahrnehmung. »Wenn es kriminell ist, auf Missstände hinzuweisen und die Bevölkerung über Tierrechte und Veganismus aufzuklären«, überlegt Viola Kaesmacher von der TierrechtsInititiative Rhein-Main (TIRM), »dann besteht unser ganzer Verein aus Terroristen«.

Nicht nur sie ist der Meinung, dass hier eine Bewegung mundtot gemacht werden soll, die im Widerspruch zu den wirtschaftlichen Interessen der Tierausbeutungsindustrien steht. »Die Meinungsfreiheit wird im Interesse einiger Industriezweige abgeschafft!«, so Heiko Weber, Vorsitzender der TIRM. Auf die Aktion des österreichischen Staates gegen die Tierbefreiungsbewegung wurde in den letzten Tagen mit etlichen solidarischen Protestaktionen in Österreich, der Schweiz und in Deutschland geantwortet.

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Die TierrechtsInititiative Rhein-Main wird am 2. Juni ab 7.30 Uhr vor dem Büro der Österreichischen Handelsdelegation in Frankfurt (Unterlindau 21-29) demonstrieren. An den folgenden Tagen werden die Proteste fortgesetzt, bis die österreichische Justizbehörde eine plausible Erklärung für ihr unverhältnismäßiges Vorgehen gegen die Tierrechtsbewegung in Österreich liefert.

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TierrechtsInitiative Rhein-Main e.V.
Pressestelle – Viola Kaesmacher
Postfach 170217
60076 Frankfurt am Main
Telefon 0173/4148256
presse@tirm.de – www.tirm.de

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Liebe Kollegen/Innen,

ich vertrete die Meinung, dass wir den Kollegen des VGT (Verein gegen Tierfabriken) in Österreich in dieser Sache jetzt unbedingt solidarisch beiseite stehen sollten, ja gar müssen. Es kann und darf nicht sein, dass “unbequeme” Tierschützer OHNE KONKRETE ANSCHULDIGUNGEN verhaftet, eingesperrt und eingeschüchtert werden, weil sie die Stimmen für die Tiere erheben, die sich selbst nicht wehren können.

Wir müssen alle zusammen intervenieren und gegen diese Vorgehensweise protestieren, damit so etwas nie wieder vorkommt! Tun wir es nicht, dann kann so etwas jedem Einzelnen von uns auch passieren! Bitte macht mit, protestiert und leitet diese Mail an Bekannte und euch bekannte Medien im In- und Ausland weiter. VIELEN DANK!

Solidarische Grüße

Andreas Morlok

www.walschutzaktionen.de

walfahrt@t-online.de

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Eine Zusammenfassung von Links zu dieser Angelegenheit (zusammengestellt von Peter Kahr) http://www.tirolertierengel.com/verhaftungTierschuetzerOesterreich.htm

(weitere Links bitte an Peter Kahr senden: peter.kahr@gmx.at )

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Aus dem Büro von VGT habe ich eben diese Antwort erhalten: Was man sonst noch tun kann: Protestbriefe schreiben, am besten ans Innenministerium in Österreich. die allgemeine email-Adresse lautet: post@bmi.gv.at. Leserbriefe an alle möglichen Zeitungen schreiben und sich an den Solidaritätskundgebungen beteiligen oder organisieren.

Wir brauchen jede Hilfe

Christine Braun

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Adressen-Liste von österr. Botschaften

(erstellt von Mariola Heinrich):

Botschaften und andere diplomatischen Vertretungen von Österreich in Deutschland

Botschaft von Österreich
Stauffenbergstr. 1
10785 Berlin
030-20 28 70
030-2 29 05 69
Mo. – Fr. 08.30 – 16.30 Uhr
Für Konsularangelegenheiten: Mo. – Fr. 09.00 – 12.00 Uhr und Mi. 16.00 – 18.00 Uhr
Land Berlin, Land Brandenburg, Land Mecklenburg-Vorpommern, Freistaat Sachsen, Land Sachsen-Anhalt und Freistaat Thüringen
berlin-ob@bmaa.gv.in

Außenstelle der Botschaft Österreich
Johanniterstraße 2
53113 Bonn
0228- 53 00 60
0228- 54 90 40
Länder Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland bonn-as@bmaa.gv.in

Generalkonsulat der Republik Österreich
Alsterufer 37
20354 Hamburg
040-41 32 95 00
040-45 29 07
Mo – Fr 09.00 – 12.00 Uhr
Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein
austgkhh@cntmail.von

Generalkonsulat von Österreich
Ismaninger Straße 136
81675 München
089-9 98 15-0
089-9 81 02 25
Mo. – Fr. 09.00 – 12.00; Mi. 14.00 – 16.00 Uhr
Länder Bayern und Baden-Württemberg
muenchen-gk@bmaa.gv.in

Honorarkonsulat von Österreich
Auf dem Dreieck 5
28197 Bremen
0421-5 36 86 79
0421-5 36 86 78
Mo-Fr 09.00-12.00 Uhr

Land Bremen
oesterr.konsulat@thb-bremen.von

Honorarkonsulat von Österreich
Königswall 21
44137 Dortmund
0231-9 05 61 01
0231-9 05 61 12
Mo. – Do. 10.00-12.00, 14.00 – 16.00, Fr. 10.00 – 12.30 Uhr
Arnsberg im Land Nordrhein-Westfalen

Honorarkonsulat von Österreich
An der Frauenkirche 12
01067 Dresden
0351-4 82 89 30
0351-4 82 89 59
Mo. – Fr. jeweils von 09.00 – 12.00 Uhr
Land Sachsen

Honorarkonsulat von Österreich
Lyoner Straße 16
60528 Frankfurt am Main
069-66 06 196
069-66 06 197
Mo-Fr 09.00-13.00 Uhr
Land Hessen und Rheinland-Pfalz
email@austroko.ffm.von

Honorarkonsulat von Österreich
Kaiserstraße 30
90763 Fürth
0911-9 74 73 33
0911-9 74 73 65
Mo. – Fr. 09.00 – 12.00 Uhr
Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Oberpfalz im Land Bayern.
info@oesterr-honorarkonsulat-nuernberg.com

Honorarkonsulat von Österreich
Constantinstraße 40
30177 Hannover
0511-9 07 48 70
0511-9 07 48 12
Mo-Fr 10.00-11.00 Uhr
Land Niedersachsen

Honorarkonsulat von Österreich
Bergstraße 2
24103 Kiel
0431-55 25 05
0431-5 19 42 34
Mo-Fr 09.30-11.30 Uhr
Land Schleswig-Holstein mit Ausnahme der Stadt Lübeck sowie der Kreise Herzogtum Lauenburg, Ostholstein und Stormarn
austriahoko-kiel@t-online.von

Honorarkonsulat von Österreich
Gertrudenstraße 15
23568 Lübeck
0451-3 10 01 50
0451-3 10 01 42
Mo-Fr 09.00-12.00 Uhr
Stadt Lübeck sowie die Kreise Herzogtum Lauenburg, Ost-Holstein und Stormarn im Land Schleswig-Holstein

Honorarkonsulat von Österreich
Thoner Weg 7
90425 Nürnberg
0911-34 19 67
0911-9 38 13 82
Mo. – Fr. 09.00 – 12.00 Uhr
Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken und Oberpfalz im Land Bayern.

Honorarkonsulat von Österreich
August-Bebel-Straße 11-12
18057 Rostock
0381-64 91 22
0381-64 91 49

oesterreich@konsulat-rostock.von

Honorarkonsulat von Österreich
Bahnhofstraße 1 (St. Johanner Markt)
66111 Saarbrücken
0681-9 58 15 0
0681-9 58 15 19
Mo. – Fr. 09.00 – 12.30 Uhr
Land Saarland
thiery@raethiery.von

Honorarkonsulat von Österreich
Stafflenbergstraße 81
70184 Stuttgart
0711-62 62 60
0711-62 82 64
Mo. – Fr. 10.00-12.00 Uhr
Land Baden-Württemberg und Reg.-Bez. Schwaben im Land Bayern

Quelle, 1.11.2005

update 05.06.08

VGT Pressekonferenz und Solidaritätskundgebung vor dem Justizministerium

Schreiben von Martin Balluch

Vor 12 Tagen wurde ich in der Nacht bei mir zu Hause von einer Gruppe maskierter, bewaffneter Männer überfallen und beraubt. Bis heute will dieser Alptraum nicht enden, ich sitze noch immer in einer winzigen Zelle, starre tagaus tagein an dieselbe öde Wand und kann keinen Schritt eigenständig setzen, weder Zeitung lesen noch meine Freunde und Familie begrüßen. Ich bin jetzt am 13. Tag meines Hungerstreiks. Da ich überfallen und eingesperrt wurde, ohne auch nur den geringsten Verdacht, dass ich ein strafrechtliches Vergehen begangen hätte, sah ich mich genötigt, mein letztes bisschen Autonomie für einen Protest zu nutzen: Ich verweigere das Essen. 13 Tage ohne Essen ist sehr schmerzhaft. Das Hungergefühl bohrt sich tief in das Bewusstsein. Mein Körper
zerfällt sichtlich. Ich habe bereits 18 Kilo verloren. Jede Bewegung mwird mühsam und anstrengend, ich habe häufig schwere Muskel- und Magenkrämpfe.

Dem ellenlangen Akt zu meinem Fall entnehme ich, dass die Polizei mich seit über einem Jahr ununterbrochen belauscht hat, jedes private intime Gespräch. Und trotzdem hat sie keinen einzigen konkreten Hinweis gefunden, dass ich das Gesetz übertreten hätte. Der einzige „Verdachtsmoment” der gegen mich ins Treffen geführt wird, ist meine Gesinnung, wie sie aus manchen Privatgesprächen, Interviews mit Medien oder Medienberichten über mich zu Tage tritt. Ja, mir ist Tierschutz sehr wichtig, ich habe ihm mein Leben gewidmet. Ja, ich betrachte die Misshandlung eines Tieres z.B. in Tierversuchen oder Tierfabriken nicht als eine Nebensache, die mich nichts angeht, sondern als vergleichbar mit Misshandlungen von Menschen. Aber deshalb bin ich kein Verbrecher. Ich bin seit 25 Jahren für den Tierschutz aktiv, und wurde bisher nicht einmal gerichtlich verurteilt. In unserem Land herrscht Meinungs- und Gedankenfreiheit. So dachte ich wenigstens bis vor kurzem. Die von der österreichischen Verfassung garantierten Menschenrechte verbieten es, aus weltanschaulichen Gründen verfolgt, misshandelt und eingesperrt zu werden. Aber genau dem werde ich gerade ausgesetzt.

In meinen zweieinhalb Jahrzehnten Einsatz für den Tierschutz konnte ich gerade in den letzten Jahren große Erfolge verbuchen. Zum Verbot von Pelzfarmen, Wildtierzirkussen und vor allem Legebatterien trug ich persönlich nicht wenig bei, sodass wir in Österreich heute das beste Tierschutzgesetz der Welt haben. Doch gerade das – insbesondere das Legebatterieverbot – scheint einigen Mächtigen schwer aufzustoßen. Seit 2004 gibt es immer größere Behördenschikanen, die in einer Falschaussage des derzeitigen Innenministers über den VGT vor dem Parlament gipfelten. Der entsprechenden Klage auf Widerruf gegenüber war er zwar aufgrund seiner Position immun, aber der Volksanwaltschaft musste er eingestehen, sich „geirrt” zu haben. Auf Zeitungsannoncen, in denen er vom VGT als Lügner bezichtigt wurde, reagierte er gar nicht.

Dafür wurde – wie meinem Akt zu entnehmen ist – eine Sonderkommission gegen den Tierschutz eingesetzt, die mich und viele andere TierschützerInnen und Tierschutzvereine seit etwa April 2007 belauschte. Da aber offensichtlich aus allen in diesem Lauschangriff abgehörten Gesprächen und gelesenen Emails kein konkreter
Tatverdacht zu entnehmen war, musste etwas geschehen. Die Sonderkommission konnte ja nicht ergebnislos aufgelöst werden. Also beschloss man einen Großangriff, Hausdurchsuchungen im großen Stil, in der Hoffnung so irgendein Indiz zutage fördern zu können.

Laut meinem Akt wurden daher in den frühen Morgenstunden des 21. Mai insgesamt 23 private Räumlichkeiten von TierschützerInnen durchsucht, darunter 5 Tierschutzvereinsbüros (auch die VGT-Büros in Wien und Graz), sowie das VGT-Materiallager. 24 TierschützerInnen wurden von der Polizei festgehalten und befragt, darunter 8 MitarbeiterInnen des VGT.

Als Begründung für die Aktion musste mangels konkreter Verdachtsmomente eine möglichst vage und unkonkrete Anschuldigung gefunden werden. Man entschied sich für § 278a StGB, Bildung einer sehr großen kriminellen Vereinigung. Da man von vornherein geplant hatte 10 Personen in Untersuchungshaft zu nehmen, wählte man die mit wesentlich höherer Strafbedrohte große kriminelle Vereinigung § 278a statt der kleinen § 278. Und das, obwohl aus der Polizeiakte zu entnehmen ist, dass ich persönlich mit 6 der 9 mit mir verhafteten Personen niemals auch nur irgendeinen Kontakt hatte. Um diese brachiale Großaktion gegen den Tierschutz vor der Öffentlichkeit zu begründen, ließ die WEGA mit gezogenen Schusswaffen die Überfälle durchführen, und verbreiteten dann
Verdachtsgerüchte von Brandanschlägen und Gasangriffen. Davon findet sich aber nichts im Akt. Noch nie gab es in Österreich einen Gasangriff mit Tierschutzbezug und die letzte tierschutzrelevante Brandlegung ist mindestens 6 Jahre her. De facto sind Sachbeschädigungen im Namen des Tierschutzes in Österreich im internationalen Vergleich ausnehmend selten. Das ist sicherlich hauptsächlich auf die großen Tierschutzerfolge in den letzten Jahren zurück zu führen. In Österreich konnten wir etwas bewegen. Entsprechend gering ist die Frustration, die verantwortliche Haupttriebfeder derartiger Aktionen ist.

Warum werde ich also jetzt nicht freigelassen? Ganz einfach. Die gesamte Aktion war politisch motiviert und wahrscheinlich von ganz oben gesteuert. Würde ich jetzt freigelassen, dann wäre das in den Augen der Öffentlichkeit das Eingeständnis, die ganze Aktion und die gesamte Arbeit der Sonderkommission ohne jedes verwertbares Ergebnis
durchgeführt zu haben. Ich muss also weiterhin in einer Zelle sitzen und langsam verhungern, damit der Innenminister sein Gesicht wahren kann. Es würde mich nicht wundern, wenn man jetzt gerade plant, uns während der entscheidenden Spiele der EM 2008 freizulassen, in der Hoffnung so das mediale Echo zu vermeiden.

Dieser Skandal darf nicht geduldet werden. Allen, denen Tierschutz oder Menschenrechte ein Anliegen sind, bitte ich, jetzt aktiv zu werden, um dieses Verbrechen zu verhindern. Derartige Polizeiwillkür gegen unbequeme NGOs kennt man vielleicht aus Diktaturen, aber nicht aus einer Demokratie. Bitte zeigen Sie Rückrat und stehen Siegemeinsam gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit auf. Mein Leben hängt davon ab.

DDr. Martin Balluch
Obmann des Verein gegen Tierfabriken

Zelle B3/15
Justizanstalt Wien-Josefstadt
Am 2. Juni 2008

VGT Pressekonferenz Café Landtmann, Wien

Die Pressekonferenz war trotz der nahenden Europameisterschaft sehr gut besucht. Allgemeine Betroffenheit als der Brief von Martin Balluch vorgelesen wurde. Allgemeines Entsetzen als die Hintergründe des diffusen § 278a verdeutlicht wurden.

Gesprochen haben Harald Balluch, Geschäftsführer des VGT über den gesundheitlichen schon so kritischen Zustand von Martin.

Mag. Alexander Willer, Vizepräsident Verband der österr. Tierschutzorganisationen, über die Betroffenheit des gesamten Tierschutzes, desweiteren garantierte er die Solidarität aller Vereine die seinem Verband angehören.

Mag. Stefan Traxler, Anwalt von 4 der Inhaftierten und Mag. Eberhart Theuer, Menschenrechtsexperte, über die juristische Seite dieses präkeren Falles.

update 08.07.08

Peter Pilz besucht die Tierschützer im Gefängnis
4.7.2008
Ein Tagebuchbericht, der über demokratische Grundwerte nachdenken lässt

MITTWOCH, 02. JULI 2008

Balluch. Heute um 7.30 habe ich den Tierschützer Martin Balluch in der U-Haft im Wiener Landesgericht besucht. Ich habe jetzt eine Ahnung, wie es einem Menschen geht, der wochenlang unschuldig im Gefängnis sitzt.

Drei Kontrollen sind zu passieren. Alles, wo Metall drin ist, muss draußen bleiben – das Handy, der i-pod, die Brieftasche. Ausweis an eine Glasscheibe, damit ein Beamter die Daten abschreiben kann. Dann in den Gesprächsraum, ein langgezogenes Zimmer, in dem kurze Trennbretter die Gesprächspaare voneinander trennen.

Balluch wartet hinter einer dicken Glasscheibe. Wir sprechen über Telefonhörer. Daneben sitzt eine Beamtin und hört mit.

Balluch erzählt: Zuerst hat man ihn als Nichtraucher in eine Zelle mit lauter starken Rauchern gesteckt. Die Fenster durften nicht geöffnet werden – „zu kalt“. Eine halbe Stunde Telefonerlaubnis. Das Telefonat beginnt mit einer Einschaltung: „Ihr Telefonat wird abgehört. Alles, was Sie sagen, kann gegen Sie verwendet werden.“

Am Sonntag wurde Balluch kurz vor dem geplanten Telefonat in die Krankenzelle gesperrt. Grund: Ein anderer Häftling hatte Tischfussball gespielt. Das ist am Sonntag verboten.

Die Strafen sind ebenso willkürlich wie das Erlaubte. Nach langem hat Balluch tierversuchsfreie Toiletteartikel erhalten dürfen. In der Zahnpastatube ist noch ein Rest. Vielleicht gestattet ihm der Stockchef eine zweite Tube.

Am Sonntag hat Balluch nach seinem Hungerstreik zum ersten Mal wieder an einer Orange gelutscht. In kleinen, schwierigen Schritten muss der Magen wieder an Essen gewöhnt werden. Balluch will bis zur Haftprüfung Ende dieser Woche so weit sein, dass er teilnehmen kann.

Unschuldig

Wie Balluch geht es auch allen anderen Tierschützern. Sie sitzen unschuldig im Gefängnis. Stück für Stück stellt sich heraus, dass Verfassungsschutz, Soko Tierschützer, Innenminister und Staatsanwalt eine politisch motivierte Verfolgung angezettelt haben.

Die Vorwürfe brechen zusammen. Jetzt, mit den zwei Stellungnahmen der Oberstaatsanwaltschaft, ist ein Großteil der Verfolgung zusammengebrochen. Die wesentlichen konkreten Vorwürfe sind durch die OStA am 19.6.2008 zurück genommen worden.

Brandstiftung und Buttersäure-Anschlag auf eine Kleiderbauer-Filiale in Graz werden den Inhaftierten nicht mehr vorgeworfen.

Damit entfällt eine wesentliche Voraussetzung für die Anwendung des § 278a: die „wiederkehrende und geplante Begehung schwerwiegender strafbarer Handlungen“. Die Anwendung des Paragraphen gegen Organisierte Kriminalität, der gegen die Tierschützer missbraucht wurde, hat keine Grundlage mehr.

Damit entfällt der Kern der Vorwürfe. Das, was noch an „strafbaren Handlungen“ vorgeworfen wird, fällt in den üblichen Bereich zivilen Ungehorsams von NGO´s.

Zu den Hausdurchsuchungen stellt die OStA fest, dass das Eintreten der Türen ebenso rechtswidrig war wie eine HD, zu der nicht einmal ein ausreichender Anfangsverdacht vorlag.

Dazu im einzelnen: Gesetzesverstöße bei den Hausdurchsuchungen

Entgegen der Zusicherungen des Innenministeriums, dass bei der Vornahme der Hausdurchsuchungen „alles rechtmäßig“ verlaufen sei, stellt nunmehr die Oberstaatsanwaltschaft in einer Stellungnahme an das Oberlandesgericht vom 25.6.2008 fest, dass die gewaltsame Öffnung der Wohnungstüren rechtswidrig war, in einem Fall einer Hausdurchsuchung nicht einmal irgendein Verdacht gegen die Bewohner vorlag, weitere Vorwürfe, wie zB schikanöses Vorgehen, Verweigerung der Beiziehung einer Auskunftsperson oder eines Rechtsbeistandes, nicht überprüft werden können, da die Kriminalpolizei dazu keine Stellungnahme abgab.

Einschränkung der Anschuldigungen – Entfall des § 278a StGB

In einer weiteren Stellungnahme der Oberstaatsanwaltschaft an das Oberlandesgericht vom 19.6.2008 werden zentrale Punkte der ohnedies wenigen konkreten Vorwürfe gegen Einzelpersonen fallen gelassen.

Das sind insbesondere die vorgeworfenen Brandstiftungen ein Buttersäureanschlag in Graz mit beträchtlicher Schadenssumme

Damit fällt aber ein weiteres Tatbestandsmerkmal des § 278a StGB , der „Kriminellen Organisation“, weg.

Diese muss nämlich auf die Begehung „schwerwiegende Straftaten“ ausgerichtet sein, was eine Höchststrafe für die jeweiligen Delikte von zumindest 3 bis 4 Jahren Freiheitsstrafe voraussetzt. Für die verbleibenden, nach den Behauptungen der Staatsanwaltschaft konkret zuordenbaren Delikte sind derartig hohe Strafen jedoch nicht vorgesehen, so dass auch der Vorwurf der kriminellen Organisation – ganz abgesehen von den bisher bekannten Begründungsmängeln – auch insofern nicht aufrecht erhalten werden kann.

Auswirkung auf die Untersuchungshaft

Die Verhängung der Untersuchungshaft wurde mit den Haftgründen der Tatbegehungsgefahr und der Verdunkelungsgefahr begründet.

Wenn jedoch, wie oben ausgeführt, die wesentlichen Vorwürfe und damit auch der Vorwurf einer kriminellen Organisation entfallen muss, kann die Tatbegehungsgefahr nicht mehr aufrecht erhalten werden, zumal fast alle Untersuchungshäftlinge keine Vorstrafen aufweisen.

Mangels krimineller Organisation kann auch die Verdunkelungsgefahr nicht mehr begründet werden. Darüber hinaus wäre aus diesem Haftgrund eine Untersuchungshaft von nur maximal 2 Monaten zulässig, welche bald ausgeschöpft sind.

In rechtlich zutreffender Betrachtungsweise wären die Untersuchungshäftlinge daher umgehend auf freien Fuß zu setzen.

Weiter Haft

Trotzdem werden Martin Balluch und neun weitere Personen weiter in Haft gehalten.

Die Methoden der StA, der Soko und des BVT haben längst keine rechtsstaatliche Begründung mehr. Die Haft ist illegal. Die Tierschützer sind aus politischer Absicht mit Zustimmung des Innenministers verhaftet worden.

Es liegt jetzt an der Justizministerin, eine Fortsetzung der schweren Menschenrechtsverletzungen und des gesetzwidrigen Vorgehens der StA zu verhindern.

Quelle: Tagebuch von Dr. Peter Pilz

http://www.peterpilz.at/html/index.php?seiten=tageb.php

update 12.07.08

Tierschützer wacht auf – Soli-Aktion für inhaftierte Tierschutzkollegen in Österreich

Deutscher Tierschützer stellt sich den Justizbehörden in Österreich – Solidaritätsmarsch für 10 Tierschützer, die ohne Anklage als „politische Gefangene“ seit dem 21.05.2008 in Österreich in Untersuchungshaft sitzen.

Der Delfin- & Walschutzaktivist Andreas Morlok aus Radolfzell wird sich am Sonntag, 20. Juli 2008 den Justizbehörden in Österreich stellen und mit einer Solidaritätsaktion auf die Verhaftung der österreichischen Tierschützer hinweisen, die seit fast zwei Monaten ohne eine konkrete Anklage in österreichischen Gefängnissen sitzen. Morlok: „Ich werde mich freiwillig stellen und den österreichischen Behörden gegenüber zugeben, dass ich mich ebenfalls für den Schutz und für die Rechte der Tiere einsetze. Zwar habe ich nichts verbrochen und habe auch gegen keine Gesetze verstoßen, aber das scheint die Behörden in unserem Nachbarland nicht sonderlich zu interessieren. Es ist unfassbar, dass diese Tierschützer in einem EU-Land für ihr politisches Engagement kriminalisiert werden und unter dem völlig haltlosen Vorwurf, sie seien Mitglieder in einer kriminellen Vereinigung, schon so lange im Gefängnis sitzen müssen. Diese Willkür werde ich nicht tatenlos hinnehmen.“

Der Tierschutzaktivist wird mit einer Protestnote im Gepäck von Lindau am Bodensee über die Staatsgrenze zur Polizeistation ins österreichische Bregenz marschieren und sich dort den Behörden stellen. Morlok: „Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder man verhaftet mich und sperrt mich auch ohne eine konkrete Anklage in eine Zelle, was ja ebenfalls völlig absurd wäre oder man lässt mich wieder laufen.“ Der Tierschutzaktivist, der sich schon seit vielen Jahren mit friedlichen und gewaltlosen Aktionen für den Schutz der Delfine und Wale einsetzt, hofft natürlich, dass man ihn wieder gehen lässt, damit er sich weiterhin für die Freilassung der österreichischen Tierschützer engagieren kann. Zudem möchte er seine Kampagne zur Schließung aller Delfinarien in Deutschland fortsetzen. Morlok: „In Deutschland sperrt man unschuldige Delfine lebenslänglich bis zu ihrem Tod in kleine Betongefängnisse. Delfinarien sind ein Verbrechen gegenüber der Natur. Die Gesellschaft sollte sich doch auch einmal fragen, ob die Justiz immer die wirklich Kriminellen hinter Gitter bringt.“

Infos zur Aktion von Andreas Morlok: www.walschutzaktionen.de

Infos über die Inhaftierung der Tierschützer in Österreich: www.vgt.at und http://antirep2008.lnxnt.org/

Wer Andreas Morlok auf seinem Solidaritätsmarsch begleiten und sich ebenfalls den Justizbehörden in Österreich stellen möchte, anbei weitere Infos:

Datum: Sonntag, 20.07.2008

Start: Lindau am Bodensee/Deutschland

Ziel: Landespolizeikommando Vorarlberg Bregenz/Österreich

Strecke: ca. 10 Kilometer

Ablauf:

Treffpunkt: ab 10.00 Uhr – Bahnhofsvorplatz Lindau am Bodensee

Start: 11.00 Uhr – Fußmarsch auf zumeist geteerten Wegen über die Landesgrenze nach Bregenz.

Ankunft in Bregenz: etwa 14.00 Uhr

Andreas Morlok wird sich den Justizbehörden in Österreich stellen und sich dazu bekennen, dass auch er sich für den Schutz und für die Rechte der Tiere einsetzt. Auch soll eine Protestnote für die Freilassung der inhaftieren österreichischen Tierschützer übergeben werden.

Falls man den Tierschutzaktivisten nicht in Haft nimmt, dann ist nach Abschluss der Aktion die Rückfahrt mit dem Schiff nach Lindau vorgesehen.

Schifffahrt:

Ab Bregenz 15.35 Uhr (alternativ 17.10 Uhr)

An Lindau 15.57 Uhr (17.32 Uhr)

Fahrpreis: 4.30 € (Gruppe ab 6 Personen 3,70 €)

http://www.bodenseeschifffahrt.at/kursverkehr/index.php

oder alternativ Rückfahrt mit dem Zug von Bregenz nach Lindau – www.bahn.de

Sonstiges: Keine offizielle Demo. Aktion findet bei jedem Wetter statt. Kostüme, tragbare Bilder, Transparente, etc. erwünscht. Bitte Ausweis nicht vergessen!

Medien-Treffpunkte:

Lindau: 10.00 Uhr – 11.00 Uhr Bahnhofsvorplatz

Unterwegs: 11.00 Uhr – 14.00 Uhr

Bregenz: 14.00 Uhr – Landespolizeikommando – Bahnhofstr. 25

—————————-

Kontakt:

Andreas Morlok

Tel. 07732 14324

Funk: 0173 43 585 96

walfahrt@t-online.de

www.walschutzaktionen.de

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