Berlin/München, 23.03.2006. Die Europäische Union hat gestern sechs alternative Testverfahren anstelle von Tierversuchen zugelassen. Die neuen Testverfahren arbeiten mit Zellkulturen. Mit dieser völlig tierversuchsfreien Methode kann die Medikamentensicherheit präziser festgestellt werden.
Wie die EU feststellt, beschäftigen sich fünf der Tests mit Bakterien. Unser Immunsystem kann bei der Abwehr lebende und tote Bakterien nicht voneinander unterscheiden. Selbst bei sterilen Medikamenten muss davon ausgegangen werden, dass sie Spuren von Bakterien enthalten, die Nebenwirkungen, wie Fieber und Schmerzen auslösen können.
Um derartige Nebenwirkungen, zu verhindern werden an ca. 200.000 Kaninchen jährlich Medikamente getestet, bevor sie in den Handel kommen.
Für die neuen Verfahren ohne Kaninchen werden menschliche Immunzellen gezüchtet, die die Bakterien genauso erkennen wie das Immunsystem.
Judith Schmalzl vom Deutschen Tierhilfswerk e.V. in München führt dazu aus: „Sieht man sich die Tierversuchszahlen in Deutschland und Europa an, wird schnell klar, dass es sich hier nur um einen Tropfen auf den heißen Stein handelt. Im Jahr 2004 wurden in Deutschland 2 265 489 Mio. Tiere für Versuche eingesetzt, davon waren 5% Kaninchen. Laut Europäischen Kommissionsbericht aus dem Jahr 2005, mit Zahlen aus den Mitgliedsländern, die aus dem Jahr 2002 stammen, werden in Europa 10,7 Mio. Tiere für Tests verwendet, davon wiederum 2,49 % Kaninchen.“
Die EU ist durch die Tierversuchsrichtlinie und durch ein Europaratsübereinkommen, Art. 6, verpflichtet, die Entwicklung und Erforschung von Alternativmethoden zu fördern.
Judith Schmalzl vom DTHW e.V. wünscht sich deshalb, „alternative Testverfahren, die moralisch vertretbar, sicherer und anscheinend auch kostengünstiger sind, schneller zuzulassen. Dies vor allem in hinblickt des aktuellen Unglücks, bei dem zurzeit sechs Männer mit dem Tod ringen, die mit tierversuchserprobten Mitteln getestet wurden.“
Das Deutsche Tierhilfswerk ist mit 210.000 Mitgliedern und 200 Kooperationspartnern eine der größten Tier- und Artenschutzorganisationen Deutschlands.
Weitere Informationen bei:
Judith Schmalzl, DTHW-Geschäftsstelle München, Tel.: 089-75969252 (judithschmalzl@tierhilfswerk.de).
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