Liebe Tierfreunde,

als ausgebildete Restaurantfachfrau, die über umfassende und langjährige Auslandserfahrung in hochrangigen Etablissements verfügt, kann ich wohl besser als mancher andere einschätzen wie es sich mit der Problematik des Tierschutzes in der Gastronomie verhält. Ich weiß sehr wohl, welche Anstrengungen mitunter von div. Starköchen und anderen unternommen werden, um dem Gast den ultimativen Genuss zu bieten. Und bis zu einem gewissen Punkt habe ich damit auch kein Problem.
Doch in dem Moment, da dies Bemühen vermeidbares Leid an fühlenden Mitlebewesen zur Folge hat, hört der Spaß bei mir auf.

Kein Gaumengenuss kann jemals diesen hohen Preis wert sein – den zu zahlen man gegenwärtig den Hummern zumutet, die oftmals schon am Eingang vieler Nobelrestaurants in einem eigens dafür an dieser Stelle angebrachten Becken liegen. Somit, so die Werbung, kann sich der Gast das Tier, das er wenig später verspeisen möchte, selbst aussuchen. Wundervoll.

In keinem der Hotels, Clubs und Restaurants, für die ich bisher tätig war, ließ man sich zu einer derartigen Geschmacklosigkeit herab.

Sicher – auch dort wurden und werden sicher Hummer angeboten und verspeist. In einem besonders drastischen Fall wurde einmal dem Wunsch eines amerik. Gastes nachgegeben, der seinen Hummer lebend aufgeschlitzt und gebraten verlangte. Dieses Tier wand sich lange Minuten auf dem glühendheißen Grillrost – Bilder, die ich nie wieder vergessen werde.

Die Tatsache, dass ein Hummer nicht fähig ist, seinen Schmerz, seine Todesangst, lauthals in die Welt zu schreien, kommt natürlich der gastronomischen Verarbeitung vor Ort sehr entgegen. Niemand würde eine Kuh, ein Schwein oder sogar ein Huhn in der Restaurantküche schlachten .. denn keine in Restaurants übliche Schalldämmung wäre in der Lage, das Brüllen, das Winseln, die erstickten gurgelnden Schreie von den auf ihre Mahlzeit wartenden Gästen fern zu halten.

Doch Hummer, wie Fische .. leiden still.

Die Tatsache, dass Hummer ihr Leiden nicht in der üblichen Form artikulieren können, bedeutet selbstverständlich nicht, dass sie keinen Schmerz empfinden. So wie ein Hund mit durchtrennten Stimmbändern in einem Versuchslabor leidet .. auch wenn man ihm die Möglichkeit genommen hat, dies vokal auszudrücken.

Hummer besitzen, wie wir, ein Nervensystem.

Der Todeskampf, der dem Einbringen in kochendes Wasser folgt, ist extrem qualvoll. Erst wenn ihr Nervensystem durch die extreme Hitze beim Kochen zerstört ist – was bis zu fünf Minuten dauern kann – ist ihr Leiden beendet.

In China, dem Land wahrhaft unbegrenzter Möglichkeiten, was die div. “Zubereitungsarten” aller nur möglichen Tierarten angeht, geschieht dasselbe mit lebenden Hauskatzen – eine Vorstellung, die uns zu recht erschauern lässt. Doch das sollte sie uns im Bezug auf Hummer nicht weniger.

Zweifelsfrei empfinden Hummer Todesangst und Schmerz, wenn sie lebend ins kochende Wasser geworfen werden. Sie versuchen, dem Kochtopf zu entfliehen, und spätestens hier kann keiner mehr leugnen, dass die Tiere ein Empfinden haben.

Desweiteren haben die Tiere, bevor sie in einer Restaurantküche landen, bereits eine wochenlange Tortur hinter sich. Da es Hummer in Deutschland so gut wie nicht mehr gibt, werden sie u.a. aus den USA und Kanada importiert. Von dort aus werden sie in engen, dunklen Kisten mit zusammengebundenen Scheren, ohne Futter, verpackt und gekühlt und auf die weite Reise nach Europa geschickt. Wochenlang sind die Tiere damit bewegungslos in Kisten gestapelt und mitunter in riesigen Lagerhäusern wie alle sonstigen Lebensmittel gelagert, bis sie an ihrem Zielort angeliefert werden.

Oft sind dies Händler, die die Tiere weiterhin ohne Nahrung in kleinen Becken feilbieten, bis sie ihren letzten Weg antreten – der ihnen noch nicht einmal einen schmerzfreien, schnellen Tod in Aussicht stellt.
Im Gegenteil …

Dabei beziehen mittlerweile auch namhafte Spitzenköche Stellung gegen das barbarische Lebendkochen und -braten (das hierzulande jedoch verboten ist) von Hummern, wie auch von Langusten und Krebsen.
Es ist ein Mythos, dass Tiere, die dem Schock des plötzlichen Eintauchens in kochendes Wasser unterworfen werden, sofort tot sind.

Nochmals möchte an die ebenso “zubereiteten” Katzen erinnern, die, wie ich mit eigenen Augen gesehen habe, schreiend und um sich schlagend noch nach mehrmaligen Zurückstoßen ins kochende Wasser – mit bereits hochgradig verbrannter Haut und blinden Augen – versucht haben, den Höllenqualen, die sie litten, zu entrinnen. Mehrere Minuten lang …..

Einem fühlenden Lebewesen so etwas mit Absicht zuzufügen, ist unentschuldbar – und durch nichts zu rechtfertigen. Jeder, der einem solchen “Gaumengenuss” frönt, sollte sich das … sehr bewusst … vor Augen führen.

Allen Restaurants und Hotels, die Hummer & Co auf der Speisekarte stehen haben, möchte ich nahe legen, in sich zu gehen und sich nach Möglichkeit von dergleichen barbarischen Gaumenfreunden zu verabschieden.

Mit Kultur und zivilisatorischem Anspruch hat das wahrlich nichts mehr gemein. Ein gutes Haus, sollte man meinen, kommt sicher sehr gut ohne dergleichen problematische Angebote auf seiner Speisekarte aus.

Wie ich aus eigener Erfahrung weiß – und ich hatte täglichen Umgang mit dem Adel, Mitgliedern div. Königshäuser und hochrangigen Politikern und Industriellen – wird Hummer, wenn nicht massiv dafür geworben bzw. er quasi zum Schleuderpreis angeboten wird, nicht wirklich gerne oder oft gegessen – außer vielleicht von einigen hiesigen Neureichen, die meinen, es gehöre zum guten Ton in der “High Society”. Was garantiert NICHT der Fall ist, das kann ich Ihnen versichern.

Mit freundlichen Grüßen,

Diana Hartig

71720 Oberstenfeld

shepherd@nuclearfree.de

Anmerkung: Text leicht geändert durch Webmaster Tierheim Kronach.

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