4. Mai 2007. “Gourmetmenüs” für Meerschweinchen, Bio-Gemüsesnacks oder Nahrungsergänzungsmittel für Hunde: für die Haustiere der Deutschen kann es scheinbar gar nicht anspruchsvoll genug sein. “Früher lebten wir mit Tieren zusammen, die Milch geben, gegessen werden oder den Hof bewachen”, sagte der Präsident des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF), Klaus Oechsner, am Freitag in Wiesbaden bei der Deutschen Zoofachmesse DeZooFA. “Heimtiere sind dagegen Familienmitglieder, die ihrer Art entsprechend gepflegt und ernährt werden müssen.” Und dafür lassen die Deutschen einiges springen: 2006 gaben sie für Futter und Zubehör rund 3,1 Mrd. Euro aus – bei mehr als 23 Mio. Haustieren.

“Wir alle könnten ohne Hunde und Katzen leben und ohne Zierfische, Reptilien oder Meerschweinchen”, sagte Oechsner. “Aber für viele von uns wäre das Leben dadurch weniger lebenswert.” Günter Leugers, Beiratsvorsitzender der DeZooFa, geht sogar noch einen Schritt weiter: “In manchen Familien möchte ich lieber Hund oder Katze sein als Mensch.”

Bei manchen Tier-Produkten mag man ihm das fast glauben. So gibt es beispielsweise für Hunde Pfotenpflegetücher, Trinkwasser mit Vitaminen oder Komfort-Betten. Eine spezielle Katzenstreu verfärbt sich, wenn mit dem Urin der “Stubentiger” irgendetwas nicht stimmt. Vor allem Pflege- und Gesundheitsprodukte finden sich zunehmend im Sortiment vieler Fachgeschäfte. Viele Tierhalter dekorieren ihre Aquarien auch mit kleinen Modellen von Schiffswracks oder Schatzkisten. Der Fantasie ist aus Sicht der Zoo-Fachhändler keine Grenzen gesetzt -solange es dem Tier nicht schadet.

Hinter den vielen neuen Produkten und Ideen steht aber auch ein hoher Wettbewerbsdruck. “Um auf dem globalen Markt die Nase vorn zu haben, kommt kein Unternehmen daran vorbei, seine Produkte weiter zu entwicklen”, berichtete der Geschäftsführer der Wirtschaftsgemeinschaft Zoologischer Fachbetriebe, Herbert Bollhöfer. Beim Tierfutter haben Supermärkte und Drogerien den Zoo-Fachgeschäften mit einem Umsatzanteil von 68 Prozent schon den Rang abgelaufen. Beim Zubehör sieht es noch anders aus -da liegen die Fachgeschäfte mit 86 Prozent Marktanteil deutlich vorne.

Aber auch das Verhalten und die Ansprüche der Tierhalter selbst haben sich in den vergangenen Jahren verändert. “Die Leute informieren sich”, sagte Oechsner. Auch Leugers hat ein höheres Verantwortungsgefühl der Menschen für ihre tierischen Mitbewohner beobachtet. Früher sei auch mal schnell ein Hamster gekauft und in einem Karton nach Hause transportiert worden. “Das ist heute nicht mehr so.”

Manche Tierhalter bilden da aber noch eine Ausnahme, wie der Tierarzt und ZZF-Experte Rolf Spangenberg erzählte. Zu ihm sei einmal eine Frau in die Praxis gekommen, die ihrem Kaninchen den natürlichen Drang abgewöhnen wollte, im Garten zu graben. Sein Rat an die Frau: “Halten sie sich Fische, die buddeln sich nicht ein.”

Von Jan Brinkhus, dpa

http://www.n-tv.de/798701.html

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