Berlin, 18.05.06. Ostern und Weihnachten sind Feste, zu denen in vielen deutschen Haushalten traditionell ein Kaninchenbraten gehört. Hierzulande werden 33.000 Tonnen Kaninchenfleisch pro Jahr verzehrt, diese Fleischmenge entspricht etwa 17 Millionen Tieren. Doch kaum jemand weiß, welchen Leidensweg das einzelne Tier hinter sich hat.

In den bundesweit über 80 Kaninchenfarmen leben Tausende von Mast- und Zuchtkaninchen in winzigen, dicht aneinandergesetzt und übereinander gestapelten Drahtkäfigen. Das scharfkantige Drahtgeflecht schneidet in die Ballen, es gibt keine Einstreu. Arttypisches Aufrichten, Hoppeln oder Weitspringen ist unmöglich. Die Tiere sind zum langweiligen Nichtstun gezwungen. Hinzu kommt, dass der Tag in den Mastanlagen durch ein entsprechendes Lichtprogramm künstlich verlängert wird.

Die Folgen dieser grausamen Lebensbedingungen sind diverse Verletzungen, Prellungen, Wirbelsäulenverkrümmungen und Muskeldegeneration sowie Verhaltensstörungen wie Gitternagen, kannibalistisches Ohren- und Schwanzabbeißen oder ein endloses „Sich–um-die-eigene-Achse“ drehen. Durch nicht artgerechtes Kraftfutter leiden die Kaninchen in der Intensivmast häufig an Magen-Darm-Krankheiten. Meistens sind die Futter-Pellets schon vorbeugend mit Medikamenten versetzt, um den Unverträglichkeiten entgegen zu wirken.

Nach qualvollen 12 Wochen haben die Mastkaninchen ihr Schlachtgewicht von ca. 3,2 kg erreicht. Etwa 10 % der Tiere sterben aufgrund der schrecklichen Haltungsbedingungen bereits vorher. Da in Deutschland keine einheitlichen und rechtsverbindlichen Verordnungen für Kaninchen existieren, liegt die Haltung der Tiere im Ermessen der Mäster, welche in der Regel ausschließlich profitorientiert handeln.

Mit über 30.000 im Laufe der letzten Monate gesammelten Unterschriften fordert die Tierschutzorganisation aktion tier – Menschen für Tiere e.V. den amtierenden Verbraucherschutzminister Horst Seehofer auf, sich umgehend des Themas Kaninchenmast anzunehmen und zeitnah eine Haltungsverordnung auf den Weg zu bringen, die die natürlichen Bedürfnisse von Kaninchen berücksichtigt und den § 1 und 2 des geltenden Tierschutzgesetzes Rechnung trägt.

Außerdem rät aktion tier zum bewussten Einkaufen. Ursula Bauer von der aktion tier –Geschäftsstelle – Berlin hierzu: „Der Kunde ist König“,  – beeinflussen Sie mit Ihrem Kaufverhalten die Entwicklung am Markt. Kaufen Sie nur Kaninchenfleisch aus Bio- Haltung“.

Die Tierschutzorganisation aktion tier – Menschen für Tiere e.V. ist mit 210.000 Mitgliedern und 200 Kooperationspartnern eine der größten Tier- und Artenschutzorganisationen Deutschlands.

Weitere Informationen bei:
Ursula Bauer, aktion tier – Geschäftsstelle Berlin, Tel.: 030-30103831 (Berlin@aktiontier.org)

aktion tier – Menschen für Tiere e.V.

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