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Wer kennt nicht die Bilder, mit denen Van Gogh vor etwa 120 Jahren die südfranzösische Stadt Arles in das glänzende Licht der Provence rückte und damit heute noch Scharen von Touristen aus aller Welt anlockt. Doch das helle Licht Van Goghs wird von dem düsteren Schatten des entsetzlichen Leids verdunkelt , das empfindsamen Tieren in dieser Stadt angetan wird: Alljährlich finden in der Stadt an der Rhone corridas, spanische Stierkämpfe, statt, bei denen zahlreiche Stiere vor einem blutrünstigen Publikum zu Tode geschunden werden.

Arles ist eine Hochburg des Stierkampfs in Frankreich, der sogar spanische aficionados, wie die  fanatischen Stierkampf-Fans genannt werden, großen Respekt erweisen. Berühmte spanische Toreros geben der Stadt die Ehre, indem sie dort Stiere ebenso berühmter spanischer Züchter erstechen können. Es versteht sich, dass der Bürgermeister von Arles, Monsieur Hervé Schiavetti, ebenfalls dem Stierkampf begeistert anhängt und ihn fördert, wo er nur kann. Alljährlich leistet sich die Stadt zwei große ferias, bei denen die ganze Stadt und zahlreiche Touristen auf den Beinen sind und sich dabei mit sangria berauschen. Die corrida ist für die Stierkampf-Besessenen der unverzichtbare Mittelpunkt einer feria, bei der sangria und Blut in Strömen fließen müssen.

Damit dem Stierkampf der Nachwuchs nicht ausgeht, kümmert sich Monsieur Schiavetti  intensiv um die Nachwuchs-Förderung. Arles ist besonders stolz auf seine Stierkampfschule, aus der schon so mancher berühmte torero hervorging. Die Schule ist zwar keine städtische Institution, wird aber von der Stadt subventioniert und durch die  kostenlose Überlassung einer Übungsarena unterstützt. Schon Zehnjährige dürfen an den Folterlehrgängen der Schule teilnehmen und das Töten an harmlosen jungen Rindern üben. Stellen Sie sich besser nicht vor, was bei diesen Übungsstunden passiert. Eltern und Bürger der Stadt können sich bisweilen an dem Fortschritt der Folterlehrlinge bei öffentlichen Darbietungen, becerradas genannt, überzeugen.

Die Stadtväter von Arles vernachlässigen natürlich nicht die Kinder und Jugendlichen, die nicht aktiv an der Ausübung des blutigen Handwerks interessiert sind. Jungendliche unter 20 Jahren, keine Altersbeschränkung nach unten, können einen Arena-Pass erwerben, der ihnen erlaubt,  10 Stierkämpfe pro Jahr preisgünstig zu besuchen. Um den jungen Leuten das blutige Spektakel schmackhaft zu machen, wird den Stierkampfveranstaltern erlaubt, in den öffentlichen Schulen Informationsmaterial auszulegen. Entsprechende Mal- und Zeichenwettbewerbe über den Stierkampf regen die Schüler an, sich mit dem Thema “positiv” zu beschäftigen. Nur wenige Eltern wenden sich gegen die Indoktrinierung ihrer Kinder, doch vergeblich, denn die Schulbehörde ist gegenüber dem schwachen Protest der Eltern unempfindlich. Und das Erziehungsministerium in Paris schließt Augen und Ohren vor dem pädagogischen Desaster.

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Sind dieses die Voraussetzungen, die die UNESCO bewegt haben, die Stierkampfstadt Arles in diesem Jahr als “kinderfreundliche Stadt” anzuerkennen? Eine Stadt, die das blutige Gemetzel an Tieren in seinen Mauern duldet, sogar fördert und dabei noch Kinder und Jugendliche zu dem kriminellen Geschehen verführt, ist nicht für das Label der UNESCO würdig.

Die französischen Stierkampfgegner warnten bereits 2005 das französische Komitee, das Label “Kinderfreundliche Stadt” an die Stadt Arles zu vergeben. Leider zeigte sich das Gremium, das aus UNESCO und dem Verband französischer Bürgermeister besteht, uneinsichtig. Kein Wunder, denn die Mehrheit der französischen Bürgermeister sind aficionados !

Die Kinderrechtskonvention der UNO fordert, “dem Kind Achtung vor der natürlichen Umwelt zu vermitteln”. Frankreich, das dieses Vertragswerk unterzeichnet hat, kümmert sich nicht im Geringsten um seine Verpflichtung, und die UNESCO macht sich zum Komplizen!

Wir fordern Sie auf, massiv bei der UNESCO France und dem französischen Vergabekomitee zu protestieren. Auch gegenüber der UNESCO-Zentrale in New York und den UNESCO-Komitees * Ihres Landes bitten wir Sie, Ihr Befremden hinsichtlich der Vergabepraxis des französischen Komitees auszudrücken.

* Adressen der UNESCO-Komitees:

Deutschland: info@unicef.de

Österreich:    oeuk@unesco.at

Schweiz:       info@unicef.ch

Belgien:         info@unicef.be

Luxemburg:   Kontaktformular

Niederlande:  Homepage

Die Komitees weiterer Länder können Sie über die Webseite http://www.unicef.org/ aufrufen.

Die Stadt Arles ist übrigens mit der hessischen Bischofsstadt Fulda partnerschaftlich verbunden. Die Bürger von Fulda möchten wir bitten, ihre Kontakte zu den Partnern in Arles zu nutzen, um ihr Missfallen über den Stierkampf und dessen negativen Einfluss auf die Jugend zu äußern.

Die Zeitung “La Provence” berichtete, dass anlässlich der Unterzeichnung der Konvention “Arles – Kinderfreundliche Stadt” am 28.11.2006 Stierkampfgegner vor dem Rathaus von Arles demonstrierten. Die Präsidentin von UNICEF Madame Bescombes erklärte dazu, dass sie sich nicht in die internen Angelegenheiten der Stadt einmischen möchte und sich eher um die 30000 Kinder sorgt, die jeden Tag in der Welt sterben.

Kommentar: Die Verleihung des Labels an eine Stierkampfstadt hat einzig und allein die UNICEF zu verantworten!!!

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