München (ddp-bay). Adonis von Linderholz – genannt Toni – ist Angestellter der Flughafen München GmbH (FMG). Der sechsjährige schwarze Riesenschnauzer gehört zur Hundestaffel der FMG mit dem Spezialgebiet Sprengstoff. Sein Chef ist Johannes Stoffer, der schon seit 15 Jahren als Hundeführer arbeitet. «Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht», erzählt der 46-Jährige strahlend bei der Hunde-Vorführung im Besucherpark des Flughafens.

Insgesamt gibt es im Erdinger Moos neben der FMG-Staffel noch drei weitere Hundegruppen: von der Polizei, dem Zoll und vom Bundesgrenzschutz. Während die vor allem hoheitliche Aufgaben wahrnehmen, sind Stoffer und seine Kollegen in erster Linie präventiv tätig. Dazu gehören Gebäudekontrollen und die Streifengänge entlang des Flughafengeländes.

Sprengstoffsuche im Flugzeug eines Scheichs
Zu den «guten Kunden» gehört auch der Scheich von Oman. «Wenn der zum Geschäfte machen nach München kommt, steht sein Flieger drei Tage auf dem Vorfeld herum – da möchte der Scheich dann, dass wir seinen Flieger absuchen, bevor er losfliegt», erklärt der FMG-Mitarbeiter. Das werde aber grundsätzlich allen Airlines gegen Rechnung angeboten.

Bis zum Sprengstoffexperten ist es für die Hunde ein langer Weg. Die Laufbahn der Vierbeiner ist klar geregelt. Mit einem Jahr machen die jungen Schnüffler die ersten Prüfungen in Sachen Unterordnung und Schutzdienst. Dann folgen die Begleithundeprüfung und der Lehrgang zum Diensthund. Haben die Hunde das geschafft, geht es weiter mit der Spezialausbildung zum Sprengstoffhund. Dafür ist Johannes Stoffer schon seit etlichen Jahren Spezialist. Sogar der Frankfurter Flughafen schickt regelmäßig Hunde und Führer zur Ausbildung ins Erdinger Moos.

Im Vergleich zum Mensch sind die Hunde wirkliche «Supernasen». Während der Hundeführer mit zwei Millionen Riechzellen auskommen muss, hat der Hund 250 Millionen davon. «Die Vierbeiner sehen praktisch mit der Nase», betont Stoffer. Ab zehn Meter sehe das Tier aber nur noch Umrisse, und die auch noch schwarz-weiß.

Regelmäßige Pausen
Für die Hunde ist die Suche nach Sprengstoff Spiel und Schwerstarbeit zugleich. Während eines Einsatzes erhöht sich die Körpertemperatur um 1,5 Grad. »Nach gut 15 Minuten Suche braucht der Hund eine Pause – das ist so, als ob wir als Mensch 20 Kilometer weit laufen«, erklärt Stoffer.

Liegen gerade keine Einsätze an, werden die Vierbeiner mit Geruchsproben auf neue Stoffe trainiert. «Wir bekommen von der Polizei immer wieder die Sprengstoffproben – vor allem in den Ostblockländern tauchen immer wieder neue Zusammensetzungen auf», erklärt der gelernte Maler.

Im Gegensatz zum Rauschgifthund, der bei einem verdächtigen Gegenstand sofort anschlägt, ist das für den Sprengstoffhund tabu. «Bei uns ist bellen verboten», sagt Stoffer. «Geräuschempfindliche Sensoren an den Sprengsätzen würden das Ding in die Luft gehen lassen.» Verweisen heißt das Zauberwort bei der FMG-Staffel. Das bedeutet, dass die Hunde sich vor einem verdächtigen Gegenstand hinsetzen oder stehenbleiben. «Hier muss zwischen dem Führer und dem Tier quasi ein blindes Verständnis bestehen, sonst funktioniert das nicht», betont Stoffer.

Gelehrige Rasse
Dass er ausgerechnet mit einem Riesenschnauzer unterwegs auf Streife ist, findet Stoffer nicht ungewöhnlich. Er schätzt an der Rasse, »dass sie das, was sie mal gelernt hat, nicht mehr vergisst«. Von Akzeptanzproblemen im Vergleich mit dem Schäferhund will Stoffer nichts wissen. »Wenn die 40 Kilo vor Ihnen stehen und mit den 42 Zähnen entgegenlachen, dann kann das schon Furcht einflößend sein.«

Johannes Stoffer verbringt sogar seinen Jahresurlaub mit den Vierbeinern. »Ich fahre mit meinem Wohnwagen in die Ferien und habe die beiden Hunde immer mit dabei." Und wenn irgendwo seine Hunde nicht willkommen sind, da hält er gar nicht erst an, versichert der Hundefreund.

Lesen Sie hierzu auch das e110-Spezial: Hunde im Einsatz für die Sicherheit.

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