Die EU fordert von Deutschland, einen vor 20 Jahren abgeschafften Tierversuch wieder einzuführen. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ernennt die “Muschelmaus” zum Versuchstier des Jahres 2006, um einen Rückschritt im Tier- und Verbraucherschutz zu
verhindern.

Muscheln, die zum menschlichen Verzehr bestimmt sind, können für den Menschen gefährliche Algengifte enthalten. Um Konsumenten vor möglichen Vergiftungen zu schützen, werden in den meisten Ländern der Welt Muscheln stichprobenweise auf darin enthaltene Gifte untersucht. Die EU schreibt dazu einen so genannten Maus-Bioassay vor.
Mäuse werden dabei qualvoll vergiftet und sterben an Atemlähmung. In Deutschland wird stattdessen seit gut 20 Jahren ein chemisch-physikalisches Analyseverfahren ohne die Verwendung von Tieren eingesetzt, mit dem Gifte wesentlich zuverlässiger, schneller und
genauer bestimmt werden können. Die EU fordert nun von Deutschland, die EU-Richtlinien einzuhalten und den Mäuse-Test wieder einzuführen.

Die Bundesregierung weigert sich bislang, der Brüsseler Forderung Folge zu leisten, da aus ethischen, wissenschaftlichen und zudem rechtlichen Gründen ein einmal abgeschaffter Tierversuch nicht wieder eingeführt werden kann. Tierversuche dürfen nach deutschem sowie nach EU-Recht nur durchgeführt werden, wenn das Ergebnis nicht durch eine andere, wissenschaftlich zufriedenstellende, vertretbare und praktikable Methode erzielt werden kann.

“Das EU-Recht schreibt also absurderweise einen Tierversuch vor und verbietet ihn gleichzeitig”, beklagt Dr. med. vet. Corina Gericke vom Bundesverband Menschen für Tierrechte. “Der Mäuseversuch ist grausam, ungenau und nicht empfindlich genug, geringe Mengen Gift zu entdecken. Die tierversuchsfreie Methode hat dagegen sogar einige Vergiftungsfälle bei importierten Muschelprodukten verhindern können, die zuvor mit dem Mäuse-Test in anderen Ländern getestet worden waren, aber trotzdem Gifte enthielten,” weiss die Tierärztin.

Die Ernennung der “Muschelmaus” zum Versuchstier des Jahres 2006 soll zur EU-weiten Abschaffung dieses Tierversuchs beitragen sowie auf den Starrsinn der Brüsseler Bürokraten aufmerksam machen, an längst überholtem EU-Recht festzuhalten. Mit einer heute startenden Protestbriefaktion an EU-Kommissar Markos Kyprianou will der Verband
erreichen, dass der Mäuse-Versuch in den entsprechenden EU Richtlinien gestrichen wird.

Seit 2003 kürt der Bundesverband Menschen für Tierrechte aus Vorschlägen seiner Mitgliedsvereine jedes Jahr ein Versuchstier des Jahres.

Weitere Informationen: www.versuchstier-des-jahres.de/2006

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