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Die meisten Hundebesitzer kennen das: Bei einem ruhigen Spaziergang bleibt der Hund plötzlich stehen, spitzt die Ohren oder hält die Nase in den Wind, und schon ist er auf und davon. Da nützt alles Rufen nichts. Kann man dagegen etwas tun? In den meisten Fällen schon, ist Clarissa von Reinhardt überzeugt. Und die Besucher des Seminars «Das unerwünschte Jagdverhalten» waren von den Ausführungen der charmanten Hundetrainerin und Fachbuchautorin beeindruckt.

Clarissa von Reinhardt, international gefragte Hundetrainerin und Autorin, hatte die Besucherinnen und Besucher des Weiterbildungsseminars schon nach ihren ersten Worten in ihren Bann gezogen. Die blonde Frau stellte gleich mal zwei Dinge klar: Das Jagdverhalten unserer Hunde ist faszinierend, aber es in seiner ganzen Form auszuleben, liegt einfach nicht drin. Korrigierendes Eingreifen ist in Ordnung, solange weder Gewalt noch Strafen eingesetzt werden.

Zuerst mal liegt es an uns, eine Rasse zu wählen, deren Jagdverhalten nicht züchterisch hervorgehoben wurde. Dann muss die Erziehung auf einer Beziehung aufgebaut werden. Denn Bindung habe nichts mit Herzensbindung zu tun. Ein Hund kann seinen Menschen lieben und trotzdem schlecht gehorchen und umgekehrt. Bindung funktioniert nur in Wechselwirkung!

Um die Freude am Jagen zu fördern, reicht es, dem Hund zu gestatten, Tieren oder Gegenständen hinterherzuspringen. Selbst wenn der Hund nichts erwischt, wirkt allein das Hetzen selbstbelohnend. Deshalb sollte häufiges Werfen von Bällen, Stöckchen oder quietschendem Spielzeug unterlassen werden.

Agieren statt reagieren

Wer mit seinem Hund, der Jagdverhalten zeigt, unterwegs ist, sollte mit seinen Sinnen dabei sein und seinen Hund beobachten. Denn die Körperhaltung des Hundes signalisiert klar, wenn er etwas entdeckt hat und nun gleich losspurten wird. Noch besser ist es natürlich, die Beute als Erster zu sehen und jetzt zu agieren (anleinen oder ablenken) anstatt nachher zu reagieren. Die Hundetrainerin bezeichnet kommunikatives Spazieren als Schlüssel zum Erfolg. Wer gedankenversunken den Weg entlangtrottet, bemerkt den Versuch des Hundes, Blickkontakt aufzunehmen, nicht. Wer nicht auf den leichten Schubs ans Bein reagiert, darf sich ebenfalls nicht wundern, wenn es der Hund schliesslich vorzieht, dem Spaziergang selbst etwas Dynamik zu verleihen. Um ein Wir-Gefühl aufzubauen, braucht es gemäss Clarissa von Reinhardt keine Hilfsmittel wie Clicker, Maulkorb, Halti oder Ähnliches. Denn wer nur mit einem bestimmten Hilfsmittel arbeitet, wird abhängig. Von Reinhardt reichen drei Dinge vollkommen: Brustgeschirr, Leine und Leckerli. Gemeinsames Spazieren bedeutet nicht, dass sich der Hund versäubern soll. Es ist vielmehr die Zeit, in der Mensch und Hund sich an gemeinsamen Aktivitäten erfreuen. Das muss überhaupt nichts Verrücktes sein, es soll den Hund aber körperlich und auch geistig fordern. Gehts durch den Wald mit einem jagdlich motivierten Hund, läuft dieser selbstverständlich an der Leine. Dabei empfiehlt die Trainerin eine mindestens drei Meter lange Leine, die nicht durchhängen muss, aber auch nicht so straff ist, weil sich der Hund ins Zeug legt.

Es immer wieder zu Blickkontakt kommen lassen, in verschiedenen Stimmlagen und Tonvarianten den Hund rufen (ein ständig benutztes Kommando nutzt sich ab), sich einfach mal auf den Weg setzen und schauen, wie der Hund reagiert – einfache Dinge, die rasch Wirkung zeigen. Läuft der Hund ein Stück voraus, bleibt man plötzlich stehen und wartet. Der Hund schaut sich erstaunt um, kommt angerannt und wird belohnt. Oder man ändert plötzlich das Tempo oder die Richtung, beginnt aus dem Spazieren heraus zu rennen, das alles erregt die Aufmerksamkeit des Hundes. Hübsch und wirkungsvoll ist Clarissa von Reinhardts Idee vom Wurstbaum. Vor dem gemeinsamen Spaziergang läuft die Trainerin allein ein Stück des Weges ab und versteckt Wurststückchen in Baumrinden oder an Ästen. Während des Spazierganges bleibt sie plötzlich stehen, hält die Nase in die Luft, schleicht langsam auf den Baum zu, interessiert beobachtet vom Hund. Dann macht sie es noch etwas spannender und sagt: «Da, schau mal!», Blickkontakt ergibt sich und gemeinsam finden sie die Leckerbissen. Der Hund ist erstaunt über die gute Nase seiner Chefin. Er lernt ausserdem, dass man nur in ihrer Begleitung so tolle Dinge findet und wird ihr fortan noch mehr Aufmerksamkeit schenken. Leckerbissen lassen sich auch im Moos oder in einem Maulwurfhügel verstecken und gemeinsam finden.

Das sind die Fehler

Es gibt so viele Dinge, die Hundehalter falsch machen und womit sie den Hund ungewollt animieren, vermehrt nach Beute Ausschau zu halten. Dazu gehört beispielsweise, dass ein vom Hund ausgehender Versuch zur Kontaktaufnahme ignoriert wird. Oder ein Dauerkommando wie etwa «Fuss», was dem Hund den Spaziergang echt verleiden kann. Permanente Wurfspiele sind tabu, ebenfalls das ständige Tragen von Spielzeug (Beute) durch den Hund. Natürlich ist aktives Spazieren toll, sofern der arme Hund nicht pausenlos gefordert wird. Unterlassen sollte man auch das Hinterherrennen, Schleichen, Joggen oder Walken, wenn man einen jagdlich motivierten Hund besitzt. Der Wirkung der eigenen Stimme sollte man sich hin und wieder bewusst werden: Statt viel, laut und hysterisch zu reden oder zu schreien sollte man mit tiefer, kräftiger und ruhiger Stimme sprechen, damit wird viel mehr erreicht. Der Hund hört bis zu 20 Mal besser als wir! Als störend werden auch mehrere Marken am Halsband empfunden, die gegeneinanderklappern. Wird täglich die gleiche Strecke abgelaufen, macht sich bei allen Beteiligten schnell mal Langeweile breit. Zudem orientiert sich ein Hund in unbekanntem Terrain in der Regel mehr am Halter. Neigt der Hund zum Jagen, sollte man nicht unbedingt in der Dämmerung spazieren gehen, denn dann ist das Wild am aktivsten. Clarissa von Reinhardt empfiehlt Nasenarbeit mit dem Hund. Die Frage, ob dies nicht alles noch viel schlimmer mache, beantwortet sie mit einem klaren Nein. Der Jagdtrieb ist genetisch veranlagt. Die Nasenarbeit gibt dem Hund die Möglichkeit, diesem Trieb nachzukommen – kontrolliert! Das Seminar verging wie im Flug, Clarissa von Reinhardt referierte lebendig über ihr Trainingskonzept, das für jeden Halter eines jagdlich motivierten Hundes einfach nachzuvollziehen ist.

Christine Naef
Das Buch zum Vortrag

Das Buch «Das unerwünschte Jagdverhalten des Hundes» von Clarissa von Reinhardt (animal learn Verlag, Bernau D) sei wärmstens empfohlen.
Zu beziehen ist es für 39 Franken bei Nicole Fröhlich,
7304 Maienfeld,
Telefon 081 356 08 10, E-Mail:
nicole.froehlich@footstep.ch oder im Internet unter
www.footstep.ch

Nicole Fröhlich war es auch, die Clarissa von Reinhardt zum Seminar nach Landquart einlud. Das ganze Jahr hindurch bietet Nicole Fröhlich spannende Seminare und Kurse rund um den Hund an – es lohnt sich, ihre Homepage zu konsultieren!
Tierwelt, Nr. 50, 2006

http://www.tierwelt.ch/?srv=cms&pg=view&id=105517&menu=Hund

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