Berlin/München, 09.11.2007. Die Gans ist das Attribut des Hl. Martin. Der Legende nach sollte der hl. Martin zum Bischof gewählt werden.  Da er sich dieses Amtes unwürdig fühlte, versteckte er sich vor den ihn Suchenden mitten unter den Gänsen. Das Federvieh schnatterte so laut, dass Martin gefunden wurde und so doch noch zum Bischof geweiht werden konnte. Gedankt worden ist es den Gänsen nicht, dass sie auf den hl. Martin aufmerksam gemacht haben, denn der Gänsebraten ist zum einem der beliebtesten saisonalen Gerichte in Deutschland geworden. In sechs Wochen, zwischen Martinstag, dem 11. November, bis Weihnachten werden die meisten Gänse verspeist. Die Deutschen verzehren pro Jahr 35 000 Tonnen Gänsefleisch, das entspricht 10 Millionen Gänsen.

Nach Angaben der ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtstelle) werden rund 30 000 Tonnen Gänse und Gänsefleisch importiert, um die Nachfrage zu befriedigen. Bemerkenswert dabei ist, dass nur jede 8te in Deutschland verzehrte Gans hier auch aufgezogen wird. Der Großteil, nämlich 87% wird vor allem aus den Ländern Polen und Ungarn importiert.

Gänse aus Intensivmast

Das Problem dabei ist, dass die Gänse aus dem europäischen Ausland zumeist aus tierquälerischen Intensivmasten stammen und deshalb sehr kostengünstig verkauft werden können.

In riesigen Hallen, bei Dämmerlicht zusammengepfercht, müssen die Tiere in kürzester Zeit ein Höchstgewicht auf die Waage bringen. Bei einer derartigen Mast bleiben natürlich körperliche Folgeschäden, wie Atemnot, Knochenbrüche und Gelenkentzündungen nicht aus. In der industriellen Intensivmast wird den Gänsen lediglich Trinkwasser zur Verfügung gestellt. Durch den Entzug von offenen Wasserflächen, die Gänse als Wasservögel dringend bräuchten, entstehen körperliche Beeinträchtigungen, wie Schnabel- und Augenverkleben, schlechter Gefiederzustand und gestörtes Wohlbefinden. Damit möglichst viele Gänse diese Tortur überleben, müssen die Mäster Medikamente ins Futter mischen, welches sich im Fleisch der Tiere ablagert.

Gänsestopfleber – die Delikatesse aus der Folterkammer

Zudem dürfen Gänse in Ungarn gestopft und lebend gerupft werden. Beim Stopfen der Gänse entsteht bei den Tieren eine Fettleber. Bei heutigen Stopfmethoden wird die Leber um das 10fache vergrößerst (1000g). Ein Kilo Stopfleber kostet 80 – 140 €. Den höchsten Preis zahlen allerdings die Tiere. Mehrmals am Tag müssen die Tiere eine grausame Tortur über sich ergehen lassen: Ihnen wird ein großes Metallrohr in den Schlund bis zum Magen geschoben, durch das dann der Futterbrei direkt in den Magen „gestopft“ wird. Durch das ständige Einschieben des Rohres werden regelmäßig Schnabel und Speiseröhre verletzt. Jedem Vogel werden täglich 1,2 Kilogramm gequollener und gesalzener Mais und Hafer in den Magen gepresst. Dies entspricht einen Fünftel des Körpergewichts der Gans. Ein Gummiband um den Schnabel verhindert das Erbrechen.

Verbrauchertipps

Judith Brettmeister von aktion tier e.V in München empfiehlt deshalb den Verbrauchern: „Verzichten Sie auf Gänseleberpastete (foie gras) und auf Gänse, die aus industriellen Intensivmasten stammen. Greifen Sie zu Bio- oder Ökogänsen. Diese Tiere wachsen wenigstens mit ausreichend Platz auf, werden regelmäßig auf die Weide geführt und erhalten gesundes, gentechnikfreies Futter ohne Zusatz von Antibiotika oder Leistungsförderern. Sie dürfen weder gestopft noch lebendig gerupft werden“.

Bio- oder Ökogänse sind an den gesetzlich vorgeschriebenen EWGKontrollstell –Nummern zu erkennen, z.B., DE-001-Öko-Kontrollstelle. Die Nummer bestätigt, dass das Produkt den Öko-Richtlinien der Europäischen Union entspricht und Landwirte sowie Lebensmittelhersteller regelmäßig streng auf die Einhaltung der Richtlinien kontrolliert werden.

Aber auch am staatlichen Bio-Siegel mit dem grünen Haken,  das Lebensmittel schmückt, die nach Öko-Richtlinien der EU erzeugt werden, sind Öko-Gänse gut erkennbar.

Die Tierschutzorganisation aktion tier – menschen für tiere e.V. ist mit 210.000 Mitgliedern und 200 Kooperationspartnern eine der größten Tier- und Artenschutzorganisationen Deutschlands.

Weitere Informationen bei:
Judith Brettmeister, aktion tier – Geschäftsstelle München, Tel.: 089 – 75 969 252 (Judith.Brettmeister@aktiontier.org).

aktion tier – menschen für tiere e.V.

Pressestelle

Kaiserdamm 97
14057 Berlin
Tel.: 030-301038-33

Fax: 030-301038-34

www.aktiontier.org

info@aktiontier-pressestelle.org

Share