München – Das Problem ist seit vielen Jahren ein ständiges Ärgernis. Doch an der Lösung scheiden sich – wieder mal – die Geister: Den Graugänsen im Englischen Garten und im Nymphenburger Park geht’s an den Kragen.
© Kurzendörfer
Ihre Tage sind gezählt: Erwachsene Graugänse am Kleinhesseloher See. Die Wiese ist von ihrem Kot übersät.
Weil der Abschuss nichts brachte, sollen jetzt ab Anfang Mai mehrere Wochen lang möglichst viele Graugänse mit Netzen gefangen und in einem Geflügelschlachtbetrieb getötet werden.
Dabei macht man sich den Umstand zunutze, dass die Tiere in der Mauser ihre Schwungfedern verlieren und nicht mehr fliehen können. Ihr Instinkt nämlich befiehlt ihnen, sich tot zu stellen. Leichtes Spiel für die Häscher. Nur beringte und brütende Tiere – seltsame Logik- sollen verschont werden.
Auslöser des großen Gänseschlachtens ist wie jedes Jahr der Ärger mit dem Gänsedreck: “Es hagelt Beschwerden der zuständigen Bezirksausschüsse, Spaziergänger und Familien, deren Kinder sich mit Gänsekot beschmiert haben. Der ist nicht nur eklig, sondern auch gesundheitlich bedenklich und bedeckt flächendeckend Wiesen und Wege”, bestätigt
KVR-Sprecher Christopher Habl. “Die Parks sind eben nicht die freie Natur, sie sind Naherholungsgebiet für 1,4 Millionen Menschen. Da muss man schon fragen dürfen: Was ist hier denn wichtiger – Mensch oder Tier?”
Da kam das Forschungsprojekt der Technischen Universität (TU) doch wie gerufen. Graugänse stehen unter besonderem Schutz. Nur im Rahmen von Forschungsprojekten ist es erlaubt, Gelege abzusammeln. Und um ein solches handelt es sich jetzt – begleitet von einem renommierten Münchner Wildbiologen in enger Zusammenarbeit mit der
Schlösser- und Seenverwaltung.
Seit 2006 sammeln die Forscher bereits die Graugans-Eier oder stechen sie an. Das führte nach KVR-Angaben auch nicht zur gewünschten Dezimierung – ebenso wie der umstrittene Abschuss. Nun versuchen es die Forscher mit Netzen – mit dem Segen des KVR, dass alle Anträge genehmigte. Aber gegen den erbitterten Widerstand verschiedener Tierschutzorganisationen wie des Landesbundes für Vogelschutz. Einige wurden gar nicht erst gehört – wie der Münchner Tierschutzverein. Sprecherin Beate Eteläkoski empört sich: “Wir wurden einfach übergangen, protestieren aufs Schärfste gegen diese sinnlose Gänsejagd.”
Zumal das größte Problem die Parkbesucher selbst darstellen. Entgegen aller Verbote werden die Tiere ständig heimlich gefüttert. Und das zieht sie halt in Massen an. Womit es – wieder mal – fraglich ist, ob es für das Gänsedreck-Problem je eine Lösung geben wird.
dop.
Quelle: http://www.tz-online.de/de/aktuelles/muenchen/artikel_37824.html
28.04.08





