Berlin/München, 12.11.2008. Gesunde Igel sollte und muss man laut Gesetz sich selbst überlassen. Doch wie erkennt man, ob ein Findling unter einer Erkrankung leidet oder sich bester Fitness erfreut? Und was tun, wenn das Tier tatsächlich angeschlagen oder verletzt ist?
Frau Dr. Hölscher, Tierärztin der aktion tier e.V., weiß Rat: “Hilfsbedürftige Igel trifft man vor allem tagsüber an. Es gibt einige Kriterien an denen man erkennt, welcher Igel Hilfe braucht.“
Laut der Veterinärin liegen oder taumeln diese Tiere oder können sich nicht einrollen. Oft ist Parasitenbefall in Form von Zecken, Flöhen oder Maden erkennbar. Hängt das Stacheltier in einem Zaun fest oder fischt der Finder es aus einem Loch, hat es vermutlich schon länger unter Futter- und Wasserentzug gelitten und muss versorgt werden. Rasselnde Atemgeräusche sind ein Hinweis auf starken Lungenwurmbefall, der ebenfalls behandelt werden muss. Das Gewicht sollte um diese Jahreszeit mindestens 500 Gramm betragen.
Kommt der Tierfreund nach strenger Abwägung mittels oben genannter Anhaltspunkte zu dem Schluss, dass er sich des Schützlings annehmen muss und möchte, sollte er ihn in einen Karton oder eine Holzkiste verbringen und ihm zunächst Nahrung und Flüssigkeit anbieten. Hierzu eignen sich zur Erstversorgung Katzenfutter und Wasser – keine Milch. Ausgekühlte Tiere setzt man auf eine Wärmflasche, die jedoch nicht zu heiß befüllt sein darf. Wer mit den Techniken vertraut ist, macht sich im nächsten Schritt an das Absammeln der Parasiten mittels Zeckenzange oder Pinzette. Bei allen Tätigkeiten ist es ratsam, Handschuhe zu tragen oder sich im Anschluss gründlich die Finger zu waschen. Es gibt einige Erkrankungen, die von Igeln auf Menschen übertragbar sind.
Doch mit diesen Erste-Hilfe-Maßnahmen hört die Sanitäterarbeit der Tierschützer dann auch schon auf. Entweder zeigt sich zu diesem Zeitpunkt, dass das Tier nun doch einen fidelen Eindruck macht. Es frisst und trinkt selbstständig. Dann muss es in die Freiheit entlassen werden. Sorgenkinder um die 500 g kann man mit entsprechendem Futterangebot im Freien unterstützen, um zu gewährleisten, dass sie noch ausreichend Gewicht für den Winterschlaf zulegen.
Sind aber es sind Verletzungen erkennbar, das Tier verweigert das Futter oder wirkt auf andere Art angeschlagen, bedarf es weiterer Hilfe. „In diesen Fällen sollte nun ein Fachmann die Sache übernehmen“, rät Frau Dr. Hölscher von aktion tier e.V. „Die Behandlung eines Igels erfordert Sachkenntnis und den Zugang zu bestimmten Medikamenten.“ Sie empfiehlt deshalb, die Tiere in einer Igelstation oder einem Tierheim abzugeben. Dort werden sie entsprechend versorgt und spätestens im nächsten Frühjahr wieder in die Freiheit entlassen.
Die Tierschutzorganisation aktion tier – menschen für tiere e.V. ist mit 210.000 Mitgliedern und 200 Kooperationspartnern eine der größten Tier- und Artenschutzorganisationen Deutschlands.
Weitere Informationen bei:
Dr. med. vet. Tina Hölscher, Veterinärin bei aktion tier, Tel.: 0177-2451198
tierarzt@aktiontier.org .
aktion tier – menschen für tiere e.V.
Pressestelle
Kaiserdamm 97
14057 Berlin
Tel.: 030-301038-33
Fax: 030-301038-34
www.aktiontier.org
info@aktiontier-pressestelle.org




