Berlin, 27.09.2007– Als am 31.07.2207 in der Spandauer Radelandstraße ein Graureiher mit einer offenen Verletzung am rechten Flügel gefunden wurde, konnte keiner abschätzen, ob der Vogel, der erst in diesem Jahr geschlüpft war, jemals wieder seine Flugfähigkeit erlangen und fit für die Freiheit werden könnte. Jetzt kann er völlig genesen wieder in die Berliner Natur entlassen werden – ein Erfolg der guten Zusammenarbeit zwischen der Tierklinik Düppel und der Wildtierpflegestation, einem Gemeinschaftsprojekt von aktion tier – menschen für tiere e.V. und NABU Berlin.
Wer schießt in Berlin auf Vögel?
Die benachrichtigte Polizei brachte den flugunfähigen Reiher von Spandau in die Tierklinik in Berlin-Düppel. Was zunächst wie eine kleinere Flügelverletzung aussah, ergab bei der Untersuchung durch die Veterinärmediziner einen Bruch der Mittelhand als Folge einer Schussverletzung. Bei der anschließenden Operation wurden Geschossreste entfernt, die beiden Knochenteile fixiert, die Wunde versorgt und der Flügel bandagiert. Die Weiterbehandlung erforderte einen fünfwöchigen Klinikaufenthalt.
Wiederholt sind in den letzten Jahren in Berlin Vögel mit Schussverletzungen aufgefunden und in der Wildvogelstation abgegeben worden. Die Verursacher machen sich dabei strafbar und Tierklinik- oder Projektmitarbeiter erstatten in solchen Fällen Anzeige. „Diese Tiere haben ohne fachkundige menschliche Hilfe in der freien Natur keine Überlebenschance – auch wenn sie zunächst wenig behindert erscheinen und ihr Flugvermögen sogar erhalten blieb“, erläutert Ursula Bauer von aktion tier Berlin. Die Geschossrückstände im Körper können dazu führen, dass das Tier sich nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgt und verhungern muss oder Fressfeinden zum Opfer fällt.
Nach vierwöchiger Pflege wieder fit
Nachdem der Heilungsprozess gut verlaufen und keine weiteren veterinärmedizinischen Maßnahmen erforderlich waren, kam der Graureiher zur Wildtierpflegestation im Marzahner Wuhletal. Dort begann unter fachkundiger Betreuung die letzte Genesungsphase: Der verletzte Reiher sollte jetzt wieder zu Kräften kommen und seine Flugmuskulatur wieder trainieren. „Der Vogel erhielt eine abgeschirmte Voliere, die nur zur Futterbereitstellung betreten wurde, um Störungen und Stress für den Vogel zu vermeiden und ihn nicht unnötig an die Gegenwart der Menschen zu gewöhnen“, erläutert André Hallau, Leiter des Projektes. „Und seine tägliche Fischration fraß er selbständig“, freut sich der Vogelexperte.
Hintergrund
Die großen, eindrucksvollen Graureiher (Flügelspannweite gut 1,50 m) sind in Berlin an den meisten Gewässern anzutreffen, sogar Gartenteiche werden besucht. Dort, wo sie nicht gestört werden, bauen sie ihre großen Reisignester auch im Stadtgebiet in die Baumkronen, so z. B. im Tierpark und im Zoologischen Garten. Graureiher brüten gern zu mehreren in naher Nachbarschaft. Sie ernähren sich vorwiegend von Fischen, fangen aber auch Mäuse und andere Kleintiere. Auch wenn sie bei manchen Gartenteichbesitzern und Goldfischhaltern nicht sonderlich beliebt sind – nach dem Naturschutzgesetz gehören Graureiher zu den besonders geschützten Vogelarten.
Das Projekt Wildtierpflege wurde 1997 vom NABU Berlin gegründet. Seit 2002 ist es Gemeinschaftsprojekt von NABU Berlin und aktion tier – menschen für tiere e.V.
In der Wildtierpflegestation in Berlin-Marzahn werden von André Hallau und seinen beiden Mitarbeiterinnen verletzte und hilflos aufgefundene Wildvögel aufgenommen, bei Bedarf tierärztlich versorgt, gepflegt und betreut – mit dem Ziel, sie gesund und selbständig wieder in die freie Natur zu entlassen.
Gern können Sie die Arbeit der Wildtierpflegestation auch mit einer Spende unterstützen. Ihre Hilfe macht es uns möglich, die Versorgung vieler solcher Findlinge, wie des Graureihers, zu optimieren. Spenden bitte an: Bank für Sozialwirtschaft, Kennwort Wildtierpflegestation, Konto 32 932 01, BLZ 10020500.
Weitere Informationen: André Hallau unter 030-54 71 28 92.
aktion tier
menschen für tiere e.V.




