Die Frage lautet nicht: Handaufzucht ‚Ja oder Nein’ – sondern: Eisbärenhaltung ‚Ja oder Nein’.

Eine der Eisbärenmütter hat ihre Jungen aufgefressen, die andere wollte ihres retten und hat versucht, es sicher unterzubringen. Diese Vorstellung kann bei fühlenden Menschen nur Wut und Verzweiflung hervorrufen. Da sucht ein eingesperrtes Muttertier nach einem sicheren Versteck für ihr Baby, das es natürlich weder im Käfig noch im winzigen Außenbereich finden kann. Das Junge wird daraufhin der Mutter weggenommen und Tiergartenleitung sowie Teile der Presse schieben die Schuld auf ein Fernsehteam als angeblichen Verursacher für den Stress der Polarbärin. Wenn schon eine solche Behauptung aufgestellt wird: Das Fernsehteam sowie die Schaulustigen werden sich kaum eingeschlichen haben. In einem so sensiblen Bereich wäre eine Aufsicht die mindeste Vorsichtsmaßnahme gewesen. Dreister geht es wirklich nicht. Die Bevölkerung soll wieder einmal für dumm verkauft werden.

Der Nürnberger Tiergarten setzt seine unrühmliche Geschichte in der Eisbärenhaltung fort.

Im April 2000 entwichen vier Eisbären aus mangelhaft gesicherten Käfigen. In einer äußerst umstrittenen Aktion wurden sie erschossen. Das hätte ein Lehrstück sein können. Stattdessen manövriert man sich in neue Katastrophen.

Eisbären wandern, sie haben ein natürliches Habitat von der Größe Italiens. Sie verbringen ihr Leben damit, riesige Gebiete abzulaufen, stehen und liegen tun sie nur selten. Auch dulden Bärinnen normalerweise keine andere Geschlechtsgenossin in ihrem Revier. Je größer der natürliche Lebensraum von Tieren ist, desto häufiger treten in der Gefangenschaft Stereotypien auf und desto höher ist die Jungtiersterblichkeit infolge von Stress bei den Müttern.

In Nürnberg blieb nur die Wahl zwischen zwei problematischen Verhaltensweisen: Eine Flaschenaufzucht wurde als nicht tiergemäß abgelehnt, weil sie zu späteren Verhaltensstörungen hätte führen können. Jungtiere ihrem Schicksal zu überlassen, widerspricht aber der Verantwortung, die der TGN für die in seiner Anlage geborenen Babys trägt. Hinzu kommt, dass die Tiergartenleitung es sträflicherweise versäumt hat, Kameras in der Geburtshöhle zu installieren. Wenn sie sich nun auf die bequeme Position zurückzieht, man hätte der “Natur ihren Lauf lassen” wollen, dann kommt hierin vor allem die Hilflosigkeit gegenüber einer ausweglosen Situation zum Ausdruck.

Mit der Natur haben die Lebensbedingungen der Eisbären in Betonhöhlen und Planschbecken nichts gemein. Diese Tiere sehen nur noch so aus wie ihre frei lebenden Artgenossen, sind aber nichts weiter als aus dem natürlichen Zusammenhang heraus gerissene Fragmente, die nichts mehr aussagen über Stellung und Funktion in ihrem natürlichen Lebensraum.

Mit freundlichen Grüßen

Menschen für Tierrechte Nürnberg

Ansprechpartner: Elisabeth Mederer, Tel. 0911 6 32 43 05
Cornelia Schamicke, Tel. 0911 75 30 59 4

Menschen für Tierrechte Nürnberg e.V.
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Ansprechpartner:
Elisabeth Mederer, Tel. 0911 6 32 43 05
Cornelia Schamicke, Tel. 0911 75 30 59 4
EMail: nuernberg@tierrechte.de

Pressemitteilung von: Bundesverband Menschen für Tierrechte
(openPR) – Pressemitteilung Menschen für Tierrechte Nürnberg e.V. (Mitgliedsverein beim Bundesverband Menschen für Tierrechte)

09.01.2008

Menschen für Tierrechte Nürnberg e.V. ist als Mitgliedsverein dem
Bundesverband Menschen für Tierrechte angeschlossen. Dieser setzt sich auf rechtlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung und Umsetzung elementarer Tierrechte ein. Als Dachverband sind ihm etwa 100 Vereine sowie persönliche Fördermitglieder angeschlossen. Seit seiner Gründung ist er als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt.

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