Berlin/München, 15.09.2005. Mitte Januar 2005 gab eine dänische Nachrichtenagentur bekannt, dass Grönland darüber nachdenkt, die Jagd auf Eisbären, die bisher nur Einheimischen vorbehalten war, auch Touristen zu gestatten. Gleichzeitig hatte auch Norwegen eine zündende Idee, um Touristen ins Land zu locken: Für 165 Euro können Jagdtouristen dort unter dem Motto „Polar-Events“ Robben jagen. Das Deutsche Tierhilfswerk e.V. hat daraufhin eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen, um diesen „Wahnsinn“ zu verhindern.
„Wir erhielten täglich ausgefüllte Unterschriftenbögen“, freut sich Judith Schmalzl von der Geschäftsstelle des Deutschen Tierhilfswerks in München über die Resonanz auf diese Aktion. „Über 10.000 Unterschriften gegen Eisbären- und Robbenjagd als Tourismusattraktion sind bisher bei uns eingegangen."
In den nächsten Tagen wird das DTHW die Unterschriftenlisten dem dänischen und dem norwegischen Botschafter in Berlin übergeben.
Vielleicht geht es dem Eisbären nun doch nicht wie geplant ans Fell. Das Interesse an der Eisbärenjagd sei enorm hoch, berichten Touristikunternehmen, da der Abschuss der begehrten Trophäe Ausländern bisher nur in Kanada gestattet wird. Jagdbegeisterte sollen für 25 000 € einen Eisbären vor die Büchse bekommen. Die fadenscheinige Rechtfertigung: Die Einnahmen aus dem „Event“ sollen der so genannten „Naturerhaltung“ der ortsansässigen Bevölkerung dienen. Bisher wurden jährlich 200 Eisbären erlegt, durch den Jagdtourismus würde sich die Zahl der getöteten Bären erheblich erhöhen.
„Dabei“, führt Judith Schmalzl aus, „wird dem Eisbären durch den Klimawandel sowieso schon zunehmend zugesetzt.“ Die Tiere sind durch die Erwärmung des Klimas in der Arktis bedroht. Um Nahrung zu finden, müssen sie immer weiter nach Norden wandern. Die Eisbärin hat eine geringe Fortpflanzungsquote. Eisbären werden ungefähr 20 Jahre alt und bekommen in ihrem Leben vier- bis sechsmal Jungtiere. Die großen Anstrengungen der Nahrungssuche verringern die Fortpflanzungsquote beträchtlich. Nach neusten Erkenntnissen seien bereits acht Prozent des arktischen Eises geschmolzen.
Während Grönland noch über eine Quotierung der Abschüsse nachdenkt und die Unterschriftenlisten direkten Einfluss auf die Entscheidungsfindung nehmen können, hat die norwegische Regierung bereits ihren Plan in die Tat umgesetzt. Seit 1.März 2005 wurden 2 100 Robben für Touristen zur Jagd freigegeben. 2 100 Robben – für insgesamt 693 000 € verkauft – sind fast ein Fünftel des Gesamtbestandes. Judith Schmalzl hofft nun, „mit den Unterschriften die norwegische Regierung dazu zu bewegen, die Entscheidung zurück zu nehmen. Es muss Alternativen zur Robbenjagd geben, um den Tourismus anzukurbeln.“
Bitte lesen Sie dazu auch unseren Artikel: "Urlaub pervers – Robbenschlachten ab 165 Euro", eingestellt ebenfalls unter "Nachrichten": http://tierheim-kronach.de/?p=64
Weitere Informationen bei:
Judith Schmalzl, DTHW-Geschäftsstelle München, Tel.: 089-35752-202 (judithschmalzl@tierhilfswerk.de).
Deutsches Tierhilfswerk e. V.
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