„Die Vogelgrippe und die Vorlage des Agrarausschusses (vom 29.03.06) im Bundesrat am 07.04.2006, womit die Käfighaltung von Legehennen in Deutschland weiter zugelassen bleiben soll, hängen untrennbar miteinander zusammen“, dieses Fazit zieht Judith Schmalzl, vom DTHW e.V. in München.
Das Vogelgrippevirus, der sich über die Welt verbreitete, zwingt diejenigen Bauern, die eine alternative Haltung von Hühner praktizieren, ihre Hühner in die Ställe zu treiben. Die artgerechte Freilandhaltung von Hühner ist out. Da es demnach keine auf dem freien Land mehr herumlaufenden Hühner gibt, wird darüber nachgedacht, ob man das Verbot der Käfighaltung von Legehennen ab 01.01.2007 nicht doch wieder zurücknehmen soll, so wie dies der Bauernverband und die Geflügelindustrie seit langem schon fordern. Der Zeitpunkt erscheint den Lobbyisten der Großgeflügelanlagen, den Bauernverbänden und einigen Politikern so günstig wie nie – die Freilandhühner sind eingesperrt, die Legebatterien erscheinen als der sichere Hort für nicht von Viren befallene Eierproduktionen.
Da ist es eine Petitesse, wenn namhafte Wissenschaftler darauf hinweisen, dass die Vogelgrippe genau dort ausgebrochen ist, wo die Politik am liebsten alle Hühner haben will – in den tierquälerischen Legebatterien der Geflügelindustrie. Dies wurde nie wirklich öffentlich zum Thema gemacht. Es wird der Eindruck erweckt, das Virus komme allein von den Zugvögeln. Sicher – sie haben ihn auch, aber der ideale Nährboden, um aus einem harmlosen Krankheitserreger einen tödlichern Virus zu machen, sind die Tierfabriken, die eine für die Hühner unvorstellbare Qualhaltung praktizieren. Diese industrielle Geflügelzucht war aber hinsichtlich der Entstehung des Vogelgrippevirus nie in die Kritik geraten.
Wie manipuliert wird, zeigt auch die Sprache der Politik und der Industrielobbyisten: Sie sprechen bei ihrem Vorhaben der Fortsetzung von Legebatterien, von der Einführung einer „Kleingruppenhaltung“. Wer denkt da nicht an ein kuscheliges Kommunengefühl unter den Hühnern. Keine Massentierhaltung, sondern Individualisierung ist auch in der Legebatterie angesagt – eben „Kleingruppenhaltung“. In Wirklichkeit soll es bei der tierquälerischen, aber für die Geflügelindustrie äußerst lukrative Qualhaltung von Hühnern bleiben. Alle Gründe die zur Einführung des Verbots der Käfighaltung führten, sind ohne jegliche Abstriche nach wie vor vorhanden.
Judith Schmalzl vom DTHW: „Damit verstieße eine solche Fortsetzung der Käfighaltung eindeutig gegen des Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1999, welches dieses Haltungssystem als tierquälerisch bezeichnete. Dass ein solches Festhalten auch dem Staatsziel Tierschutz widerspricht, interessiert die allein am Gewinn orientierte Industrie einen feuchten Hühnerdreck. Dabei sind es die Verantwortlichen dieser tierquälerischen Käfighaltung, die eine Entwicklung verschlafen haben, die in anderen Ländern längst Platz gegriffen hat, nämlich sich am Markt der Eierproduzenten zu behaupten, die Eier aus Freiland- und Bodenhaltung produzieren“.
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