
Die meisten Hunde laufen jeden Tag über längere oder kürzere Zeit angeleint neben Frauchen oder Herrchen. So mancher Halter wird eingestehen müssen, dass er dies tut, damit er die Kontrolle über seinen Vierbeiner hat. Doch wie sich der Hund an der Leine fühlt, darüber hat er kaum jemals nachgedacht. Anton Fichtlmeier, Hundetrainer und Buchautor aus Bayern, sprach in Rümlang ZH über das Thema «Der Hund an der Leine». Wir haben mitgehört.
Anton Fichtlmeier betreibt in Berg am Starnberger See eine Hundeschule. Er gab das Buch «Grunderziehung für Welpen» und das Video «… der Weg des Vertrauens» heraus und ist manchen Hundefreunden vom Fernsehen her bekannt. Zudem ist Fichtlmeier von der Regierung Oberbayern öffentlich bestellter und beeidigter Sachverständiger für das Verhalten von Hunden, kurz offizieller Hunde-Gutachter. Dolores Hersche, die in Bern eine Praxis für Hundekommunikation und -psychologische Beratungen betreibt, bildet Hunde nach Fichtlmeiers Methoden aus; sie hat den Bayern in die Schweiz eingeladen. Der Saal im Park Inn Zürich Airport in Rümlang war gerammelt voll, alle wollten mehr zum Thema Leine erfahren.
Hundetrainer als Entertainer
An Fichtlmeier ist ein Schauspieler und Komiker verloren gegangen. Über drei Stunden war der deutsche Hundetrainer gestikulierend auf den Beinen, holte dauernd Leute zu sich nach vorn, um an und mit ihnen die Auswirkungen von Leinenführungen zu demonstrieren. Es war eine richtige Show, die Fichtlmeier abzog und hin und wieder war nicht ganz klar, ob er etwas ernst meinte oder ob er sich mokierte. Für mich, die Fichtlmeier bis anhin nicht kannte, war der Abend recht anstrengend und oftmals auch ziemlich verwirrend. Doch dank der DVD, die ich zu Hause in Ruhe ansehen konnte, sah ich dann etwas klarer.
Was bedeutet die Leine für den Halter?, fragte der quirlige Bayer am Anfang seines Vortrages. Die Antworten kamen umgehend: Kontrolle über den Hund, damit dieser beim Anblick einer Katze nicht unvermittelt über die Strasse rennt. Oder Disziplinierung, indem dem Hund an der Leine vermittelt wird, wer hier der Chef ist. Die Leine kann für den Halter aber auch Stress bedeuten, etwa dann, wenn Hündchen zieht wie ein Ochse. Antworten, die Fichtlmeier anscheinend erwartet hatte und die ihm Gelegenheit gaben darzustellen, wie er die Leine einsetzt.
Hunden sollte es egal sein, ob sie an der Leine oder frei neben ihrem Herrchen laufen, meinte Fichtlmeier. So oder so sollten sie sich wohl und geborgen fühlen. Der Hundetrainer erreicht dieses Ziel, indem er bereits mit dem sehr jungen Welpen zielorientiert umgeht, denn Prävention ist besser als Therapie! Am Beispiel von Emma (seine Hündin in der DVD) zeigt er, wie der Welpe freudig neben ihm läuft. Bestätigt wird Emma mit lobenden Worten, die Fichtlmeier mit hoher Stimme an den kleinen Hund richtet. Für ihn ist Spiel nicht einfach Spiel, sondern Kommunikation, die als Grundlage für sozialesVerhalten dient. Vertrauensvoll lässt sich Emma das erste Mal ein Halsband umlegen und begutachtet die Leine, an der sie nun lernen soll, so selbstverständlich an Herrchens Seite zu laufen wie zuvor, als die Leine sie beide noch nicht verbunden hat. Anfangs gehts ganz gut, dann versucht Emma mit der Leine zu spielen, hineinzubeissen. Dieses Verhalten ignoriert Fichtlmeier völlig, redet nicht, läuft einfach weiter. Klar, das braucht Geduld, aber es klappt! Zieht Emma, bleibt er sofort stehen, dann gehts weiter – stop and go! Das Stehenbleiben wird nicht nur aus einem bestimmten Anlass praktiziert, sondern immer mal wieder geübt. «Wird der Hund das erste Mal angeleint, muss sein Vertrauen in Herrchen vorhanden sein, denn er ist ihm ausgeliefert. Deshalb muss der Halter für den Hund berechenbar sein, immer», betont Anton Fichtelmeier.
Hat sich der Hund ans Leinelaufen gewöhnt, bringt die Verbindung zwischen Herrchen und Hund viele Vorteile. Fichtlmeier bezeichnet sie als positives Hilfsmittel, das die gegenseitige Wahrnehmung und das Vertrauen fördert, positive Action bedeuten kann und die Ausbildung unterstützt. Die Leine ist auch eine Signalübermittlung, die klare Regeln vermittelt, etwa beim An- und Ableinen. Sie wird zum Symbol, beispielsweise bei jener Übung, bei der die Leine (mit dem Hund am anderen Ende) auf den Boden gelegt und mit dem Fuss fixiert wird. Der Hund lernt, jetzt ist Ruhestellung angesagt, er kann sich kurz erholen. Später reicht es, die Leine einfach neben den Hund zu legen. Symbolcharakter hat die Leine auch beim Warten neben einem Gegenstand (Rucksack), indem sie über den Rücken des Hundes gelegt wird. Wird die Leine lose neben den Hund gelegt, weiss der Hund, dass er warten muss, eine Aufgabe wird folgen, Treffpunkt ist wiederum bei der Leine. Sie kann als Hilfsmittel bei Stressabbau gute Dienste leis-ten, etwa dann, wenn sich der Hund vor etwas fürchtet. Vertraut er seinem Herrchen, lässt er sich problemlos an der Leine an das Angst einflössende Objekt hinführen. Gemeinsam überzeugt man sich von dessen Ungefährlichkeit.
Welche Leine empfehlenswert?
Viele Leute greifen zum Halti, wenn sie ihren Hund nicht mehr im Griff haben. «Das Halti umfasst die Schnauze, was den Schnauzengriff imitiert, und mit einer Links- oder Rechtsführung wird der Hund zum Wenden des Kopfes gezwungen, der Blickkontakt wird also erzwungen», erklärt Anton Fichtlmeier. Ebenso wenig hält er von der kurzen Leine. So geführt, hat der Hund keine Möglichkeit, die Körpersprache seines Herrchens frühzeitig, etwa bei einer Richtungsänderung, zu erkennen. Ist die Leine hingegen zu lang, macht der Hund, was er will. Er wird an der zehn Meter langen Schleppleine innerhalb des grossen Radius genau das tun, was er ohne Leine ebenfalls tun würde, erläutert der Hundetrainer und empfiehlt eine ganz normale Leine. Er warnt vor anderen Hilfsmitteln wie beispielsweise dem Würgehalsband und plädiert stattdessen dafür, vermehrt auf die Befindlichkeit des Hundes einzugehen, zu respektieren, wenn er signalisiert, dass ihm nicht wohl ist. Immer wieder zieht Fichtlmeier Vergleiche mit Kleinkindern und Hunden, und damit liegt er gar nicht daneben. Überhaupt gibt der Bayer im Umgang mit dem Hund viel auf Gesten und weniger auf Worte. So trainiert er den Hund, Herrchen immer im Auge zu behalten, denn man weiss ja nie, wann wieder Action und Fun angesagt sind.
Christine Naef
Infos zu Büchern oder DVDs finden Interessierte bei Dolores Hersche, Hundeschule Dogstherapie, 3020 Bern, Telefon 031 920 02 72, 078 609 54 70, und im Internet unter
www.dogstherapie.ch und
www.fichtlmeier.de
Tierwelt, Nr. 2, 2007
Quelle: http://www.tierwelt.ch/?srv=cms&pg=view&id=105765&menu=Hund





Oktober 12th, 2007 at 22:34
Die Leinenarbeit von Herrn Fichtlmeier ist, ohne wenn und aber, eine der besten Methoden um gleichzeitig mehrere Dinge zu erreichen. Nachgiebigkeit beim Hund, Konzentration des Menschen auf seinen Hund, Sicherheit geben und vermitteln und vieles mehr.
Seine Art mag nicht jedermanns Sache sein, meine ist es.
Ich war auf einigen seiner Seminare und hab auch öfter bei seinem Training zugeschaut. Er war nie ausfallend oder brutal, aber er nimmt auch kein Blatt vor den Mund. Ich habe viel von Ihm gelernt. Meine Hunde ( 3 ) waren alle schon älter 3J.,4J.,9J.) als ich anfing nach Fichtlmeier zu arbeiten und sollte wieder ein Welpe in unser Haus einziehen würde ich ohne Bedenken mit und nach Fichtlmeier arbeiten.
Heike Sedlak
November 1st, 2010 at 14:56
Welche Leine ist empfehlenswert?
Finde ich wirklich eine interessante Frage.
Denn ich würde sagen, die Leine sagt viel über das Herrchen oder Frauchen aus. Läuft ein Hund zum Beispiel an einer Flexileine, würde ich mal tippen, dass der Hund nicht unbedingt ordentlich hört. Denn dann sollte es auch eine ganze normale Leine tun, wie oben empfohlen. Zu kurze Leinen finde ich für die Hundeerziehung und Lebensqualität des Hundes auch nicht gut.