Scheibenanflug gehört immer noch zu den häufigsten Unfallursachen bei Berliner Wildvögeln
Berlin, 25.04.2007 – Die Wildtier-Pflegestation im Marzahner Wuhletal – ein Gemeinschaftsprojekt von aktion tier–menschen für tiere e.V. und dem NABU Berlin – schlägt Alarm: Auch in diesem Frühjahr werden wieder Wildvögel mit Anflugverletzungen in die Station gebracht. Unter den Unfallopfern finden sich immer wieder sehr seltene Arte, so wie jüngst die Waldschnepfe, die seit dem 17. April in der Station versorgt wird. Von dieser Wildvogelart gibt es nur noch maximal 3 brütende Paare auf Berliner Stadtgebiet. Aktion tier – menschen für tiere e.V. und der NABU Berlin bittet alle Bürger, besonders jetzt im Frühjahr darauf zu achten, dass Fensterscheiben für Vögel erkennbar sind.
Glasscheiben als Todesfalle
Alljährlich zur Zeit des Vogelzuges und zu Beginn der Brutsaison werden ungesicherte Glasscheiben für Wildvögel zur Todesfalle. Überleben die Tiere den Aufprall, sind meist schwere Verletzungen die Folge. Prellungen, innere Verletzungen oder Knochenbrüche an den Flügeln bedeuten das Todesurteil für einen Vogel, denn er kann nicht mehr vor Gefahren flüchten und sich nicht mehr selbst versorgen – es sei denn, er wird rechtzeitig gefunden und ärztlicher Versorgung zugeführt. Die Waldschnepfe, die in einem Zehlendorfer Villenviertel flugunfähig gefunden wurde, hatte Glück: Sie wurde zur Tierklinik Düppel gebracht, wo sie veterinärmedizinisch versorgt und anschließend zur Rehabilitation den Mitarbeiter/innen der Wildtierpflege-Station im Marzahner Wuhletal übergeben wurde.
Vermeidbare Unfälle bei seltenen Vogelarten besonders tragisch
Vermutlich handelt es sich bei dieser Waldschnepfe um einen Durchzügler auf dem Weg in sein Sommer- und Brutquartier, der eigentlich in Berlin nur kurz zur Nahrungsaufnahme eine Rast einlegen wollte. Ansonsten ist dieser etwa taubengroße, eher nachtaktive Waldvogel mit dem auffällig langen Schnabel in Berlin sehr selten. In Berlin und Brandenburg steht er auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Infolge des Rückganges geeigneter Wälder ist der Bestand der scheuen Waldschnepfe in ganz Mitteleuropa bedroht.
Bitte an den Vogelschutz denken!
Von den Altvögeln, die im letzten Jahr in der Wildtierpflege-Station im ehemaligen Forsthaus Wuhletal betreut wurden, wurden nach einer Schätzung des Stationsleiters André Hallau nahezu die Hälfte mit Verletzungen eingeliefert, die durch Anflug von Glasscheiben entstanden sein können.„Ob Sie in einem Mietshaus in der Innenstadt wohnen, eine Datsche im Kleingarten besitzen oder ein Häuschen am Stadtrand – bitte helfen Sie mit, unsere Wildvögel zu schützen und machen Sie Ihre Fenster für Vögel sichtbar“, appelliert André Hallau daher an die Berlinerinnen und Berliner. „Am besten geeignet sind Jalousien, Vorhänge oder Gardinen. Die handelsüblichen Greifvogelsilhouetten erfüllen ihren Zweck leider nur ungenügend. Wenn Sie noch Fragen haben, beraten wir Sie gerne.“
Im Jahr 2006 betreuten die drei Mitarbeiter/innen der Wildtierpflege-Station und viele ehrenamtliche Helfer im Schnitt 31 Vögel am Tag. Die Station verfügt inzwischen über 11 Außenvolieren mit einer Gesamtfläche von rund 200 Quadratmetern und eine etwa 25 Quadratmeter große Zimmervoliere.
Die Tierschutzorganisation aktion tier – menschen für tiere e.V. ist mit 210.000 Mitgliedern und 200 Kooperationspartnern eine der größten Tier- und Artenschutzorganisationen Deutschlands.
Weitere Informationen bei:
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aktion tier – menschen für tiere e.V.
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