Berlin/München/Brüssel, 02.02.2006. Vor einer Woche verabschiedete die Europäische Kommission auf Aufforderung des Europäischen Parlamentes und des Rates einen EU-Aktionsplan für den Tierschutz. Ausgangspunkt hierfür war eine EU-weite Meinungsumfrage bei der die Einstellung der Verbraucher zur artgerechten Tierhaltung in der Landwirtschaft abgerufen wurde.
Die Ergebnisse belegen eindeutig den Wunsch der EU-Bürger nach höheren Tierschutzstandards bei der Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere. In 25 Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft wurden jeweils 1.000 Verbraucher befragt und es stellte sich heraus, dass das Einkaufsverhalten von der Einschätzung der Haltungsbedingungen der Nutztiere beeinflusst wird. 57% der Befragten erklärten sich bereit, einen höheren Preis für Lebensmittel aus artgerechter Tierhaltung zu bezahlen. 74 % der Teilnehmer waren der Überzeugung, durch ihre jeweilige Kaufentscheidung die artgerechte Tierhaltung auch fördern zu können.
Das was jetzt als EU-Aktionsplan vorliegt, zeigt zwar eine Fülle von Vorschlägen und Anregungen wie die geltenden EU-Tierschutzvorschriften besser und wirkungsvoller umgesetzt werden könnten. Es ist ein Katalog von Willenserklärungen der, so Judith Schmalzl vom Deutschen Tierhilfswerk e.V. München „begrüßenswert, aber leider hinter einem Nebel der Unverbindlichkeit verschwindet.“ Es fehle das Zeichen, dass die Europäische Kommission ihren Einfluss dahingehend geltend macht, dass in den einzelnen Mitgliedsländern der erkennbar gewordene Wille zum Tierschutz auch umgesetzt wird. Und das wäre dringend notwendig. Was ist mit der in Ungarn und Frankreich unter Tierschutzaspekten nicht hinzunehmenden Produktion von Gänsestopfleber? Was ist mit dem in Spanien zur Volkes Belustigung immer noch stattfindenden Spektakel zum qualvollen Töten von Stieren?
Die Aufzählung solcher „Was ist“ – Fragen ließe sich beliebig fortsetzen – Antworten gibt der EU-Aktionsplan aber leider nicht. Damit wurde seitens der Kommission eine Chance vertan sich klar für den Tierschutz zu positionieren, damit dieser Gedanke in Europa tatsächlich ein Gewicht erhält.
Der EU-Aktionsplan setzt sich leider auch über den eindeutig erklärten Willen der sich aus der Eingangs erwähnten Verbraucherbefragung ergibt, einfach hinweg. Auch hier Unverbindlichkeiten dahingehend, dass die Kommission dafür sorgen würde, „dass dem Tierschutz in verwandten Politikbereichen wie zum Beispiel der Landwirtschaft oder dem Umweltschutz Rechnung getragen wird.“ Wo bleiben hier die Vorschläge der Kommission zur Kennzeichnung von Lebensmitteln, die klar Auskunft geben über die Art der Tierhaltung, die diesem Produkt vorangeht?
Bleibt abzuwarten, ob die EU den Sprechblasen auch Taten folgen lässt.
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