München/Berlin, 09.05.07. Bisher gab es in Deutschland keine Verordnung zur
tierschutzgerechten Haltung von Masthühnern. aktion tier e.V. forderte seit
langem eine Verordnung, um die Auswüchse in der Tierhaltung von Hühnern zu
verhindern. Das deutsche Tierschutzgesetz, wonach niemand einem Tier ohne
vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf, erweist sich
in der geübten Praxis als nicht ausreichend, um Betreibern von
Hähnchenmastanlagen das Handwerk zu legen, die auf Grundlage immensen
Leidens von Tieren ihren Profit machen.

Gestern einigte sich, nach zweijährigem Streit, der EU-Agrarministerrat auf
einen Mindesttierschutz für Masthühner. Was sich zunächst gut liest,
entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als Desaster für die Tiere.

Nach der europäischen Richtlinie dürfen nun 33 kg/ m², das entspricht ca. 20
Masthühner pro m² gehalten werden. In besonderen Fällen dürfen die
Obergrenzen auch noch höher geschraubt werden.  Damit dürfen sogar mehr
Tiere pro Quadratmeter gehalten werden, als die völlig unzureichenden
freiwilligen deutschen Standards von 25 kg/m² vorgegeben hatten.

Kein Tier, ist industriell so perfektioniert worden wie das Masthähnchen. In
nur 30 – 33 Tagen Mastdauer ist aus dem Eintagesküken ein Chicken – Nugget
geworden. Die Hühner fristen ihr Dasein in Massivstallungen ohne Fenster.
Die Lüftungen sind den durch die Haltung entstehenden Schadgasen, wie
Ammoniak nicht gewachsen. Dadurch entsteht ein Klima in dem Pilze und Keime
sich ungehindert ausbreiten. Der hohe Ammoniakgehalt in der Luft würde den
Tieren die Lunge austrocknen. Um dies zu verhindern, werden die
Wassertränken mit Antibiotika und/oder Wachstumsförderer versetzt. Die
Neonröhren brennen fast durchgehend den ganzen Tag und die ganze Nacht, denn
bei Dunkelheit fressen die Tiere nicht.  Ein Masthuhn vermehrt sein
Geburtsgewicht von 40 g um das Vierzigfache auf 1,6 kg in einem Monat. Doch
die schnelle Gewichtszunahme kostet ihren Preis: Es gibt Probleme beim
Laufen, Belastungen der Bein -, und Hüftgelenke und Knochenkrankheiten.
Häufig führt das energiereiche Futter selbst in der Kürze der Mastzeit zu
Leberschäden und in Folge dessen zu Bauchwassersucht. Die Qualität des
Endproduktes ist eine mindere, da die  permanente Sauerstoffunterversorgung
der Tiere zu einem niedrigen ph -Wert führt, wodurch qualitativ schlechtes
Fleisch entsteht.

Das Drama für die Tiere erhöht sich durch die enge Belegung in den Ställen.
In einer Mastanlage können Tausende von Hühnern gehalten werden. Eine Folge
der drangvollen Enge wäre das Federpicken. Um dies zu verhindern werden den
Hühnern häufig  wie am Fleißband die Oberschnäbel beschnitten, wobei es
immer wieder passiert, dass dem Huhn zu nahe an der Nasenöffnung der
Schnabel abgeschnitten wird. Der Oberschnabel ist vergleichbar mit der
Oberlippe des Menschen.

Um nachzuvollziehen wie groß das Leiden der Hühner in Mastanlagen ist, muss
man sich vergegenwärtigen, dass Hühner wie alle Vögel schmerzempfindlich und
leidensfähig sind. Sie besitzen Nerven, die schmerzhafte Reize weiterleiten,
und sie reagieren auf solche Reize mit Verhalten, welches Angst und Schmerz
zeigt.

Judith Schmalzl, von aktion tier e.V. in München, die über diese
Entscheidung der EU entsetzt ist, führt dazu aus: “Mit der neuen
europäischen Richtlinie ist auch den Menschen nicht gedient,  denn letztlich
bedeutet artgerecht Tierhaltung auch gesunde Ernährung. Eine große Chance
den Tierschutz in Europa voranzubringen, ist damit vertan worden und ein
tiergerechter Umgang bedeutet auch eine “gesunde” Gesellschaft”.

Aktuelles Bildmaterial zum Thema Hühnermast finden Sie unter
www.tierschutzbilder.de –> Hühnermast.

Die Tierschutzorganisation aktion tier – menschen für tiere e.V. ist mit
210.000 Mitgliedern und 200 Kooperationspartnern eine der größten Tier- und
Artenschutzorganisationen Deutschlands.

Weitere Informationen bei:
Judith Schmalzl, aktion tier – Geschäftsstelle München Tel.: 089 – 75 969
252 (Judith.Schmalzl@aktiontier.org),

aktion tier – menschen für tiere e.V.

Pressestelle

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