27. Sept. 2007. Frankfurt/Main/Oberhausen (dpa/tmn) – Schon bei den ersten Anzeichen wird der Hund nervös. Und wenn Herrchen oder Frauchen den Schlüssel von der Kommode im Flur nimmt, beginnt er zu bellen, zu hecheln und zu jaulen, macht in die Ecke und frisst das Sofa an. Ist dann die Tür vor seiner Nase zugegangen, beginnt der Stress erst richtig. Vor allem Hunden macht Trennungsangst zu schaffen. Um seinem Tier zu helfen, müssen Halter einige Wochen konsequentes Training einplanen.
Die Auslöser von Trennungsangst sind ganz unterschiedlich und individuell verschieden. Sie kann zum Beispiel durch eine Veränderung der Lebensumstände – wie den Tod der wichtigsten Bezugsperson – entstehen, erläutert Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte in Frankfurt. Auch ein traumatisches Erlebnis – zum Beispiel wenn Tiere vom Vorbesitzer ausgesetzt wurden – kann Trennungsängste auslösen.
«Hunde sind soziale Tiere», sagt die Tierpsychologin Andrea Delveaux aus Oberhausen. «Oft ist die Trennungsangst vom Menschen produziert, dem nicht klar ist, dass es Hunden nicht angeboren ist, allein zu sein.» Nicht jedes Bellen eines Hundes, der allein zu Hause ist, muss allerdings auf Trennungsangst hindeuten.
«Man muss genau analysieren, ob das Tier tatsächlich Ängste entwickelt – oder ob er einfach nur aus Protest bellt», sagt Hundetrainerin Katharina Queisser aus Niederneisen bei Limburg. «Solch ein Bellen ist dann eher der Versuch, das Familienmitglied wieder zurückzuholen.» Echte Trennungsangst hingegen bedeute für den Vierbeiner starken körperlichen und psychischen Stress.
Hunde leiden häufiger und stärker unter Trennungsangst als etwa Katzen. «Katzen sind schließlich eher Individualisten und Einzelgänger, die mehr auf ihre Umgebung als auf ihre Halter fixiert sind», sagt Delveaux. «Bei einer ungewöhnlich starken Bindung zum Besitzer kann es aber passieren, dass auch eine Katze unter Trennungsangst leidet.» Die Anzeichen dafür seien allerdings deutlich subtiler, weil Katzen ihre Angst nicht so lautstark zeigen. Sie kann sich aber zum Beispiel im sogenannten Protestpinkeln äußern.
Bei Jungtieren lässt sich Trennungsangst durch Übungen vermeiden. Auch bei älteren Tieren lässt sie sich noch wegtrainieren. Manchmal helfen die Verhaltensübungen aber auch nicht: «Je nach Ausprägung der Ängste bleibt manchmal nichts anderes übrig, als dem Hund Antidepressiva zu geben», sagt Tierärztin Behr. «Eine andere Möglichkeit ist die, Glückshormone, sogenannte Pheromone, über einen Zerstäuber in der Steckdose im Zimmer zu verströmen.»
Das Training muss in sehr kleinen Schritten erfolgen und konsequent aufgebaut werden – egal, ob es sich um einen Welpen oder einen älteren Hund handelt. «Das dauert alles seine Zeit», sagt Queisser. «Man sollte dafür bei Welpen schon mehrere Wochen einplanen. Bei bereits bestehender Trennungsangst kann es sogar mehrere Monate dauern, bis sich Erfolge zeigen.»
«Aufbauen» heißt, den Hund an immer längere Zeiten des Alleinseins zu gewöhnen. Zuerst sollte der Hund lernen, für eine oder zwei Minuten allein im Zimmer zu bleiben. «Dann sollte man sich langsam immer weiter steigern», rät Queisser. Um Fehler zu vermeiden, sei es immer ratsam, zumindest vorab einen Experten aufzusuchen. Denn es könne beispielsweise schon falsch sein, den Vierbeiner zu emotional zu begrüßen oder zu verabschieden.
«Auch wenn sie den Inhalt der Worte nicht verstehen, assoziieren Hunde doch vieles und können Emotionen erkennen», sagt die Trainerin. «Ein schlechtes Gewissen oder Sorge hören sie aus der Stimme heraus.» Nach Ansicht von Tierpsychologin Delveaux ist gegen eine kurze Begrüßung grundsätzlich aber nichts einzuwenden: «Man darf schon ‘Hallo’ sagen. Denn mit übertriebener Strenge kann man schließlich auch viel kaputt machen.» Besser für das Verhältnis von Mensch und Hund sei es, die Begrüßung jeweils an die Situation anzupassen.
http://www.monstersandcritics.de/artikel/200739/article_31045.php/Bello-allein-zu-Haus-Bei-Trennungsangst-hilft-Training






November 3rd, 2007 at 15:32
Eine Anmerkung dazu:
Unsere leider kürzlich verstorbene “Truena” hatte Anfangs unter sehr starken solchen Ängsten gelitten – keine zwei Minuten dauerte es, bis sie anfing, sich die Pfoten an der Wohnungstür blutig zu kratzen.
Das änderte sich schlagartig, als ich begann, Truenas Erziehung unter fachkundiger Anleitung zu vervollständigen – mit dem ursprünglichen Ziel der Begleithundeprüfung. Truena und ich haben also begonnen, miteinander zu “arbeiten”, zu trainieren. Das Ergebnis war verblüffend. Nicht nur, daß unsere alte Hundedame noch mit 9-10 Jahren so gut lernte, daß wir generell auf die Leine verzichten konnten – sie hatte auf einmal auch überhaupt keine Angst mehr, alleine zuhause zu bleiben … bis zur Grenze der Belastbarkeit ihrer Blase, wenn es also sein mußte, von früh morgens bis spät abends.
Sie hatte eben das Gefühl bekommen, “gebraucht zu werden”, Zuwendung auch über Schmuserei hinaus zu erfahren, als Familienmitglied ernst genommen zu werden. Sie ist regelrecht aus sich herausgegangen, wurde wesentlich fröhlicher und im positiven Sinne selbstbewußter.
Jeder Hund ist eine individuelle Persönlichkeit – aber ich glaube, daß man mit solcher Art von Beschäftigung (die auch in andere Richtungen gehen kann, z.B. Agility-Sport usw) auch solche Probleme ganz zwanglos mit erledigen kann.
Peter Kronenberger