Die Anzeichen mehren sich, daß auch Berlin bald seinen ersten Fall von Vogelgrippe haben wird. Wie sollen sich Katzen- und Hundehalter verhalten? Kann man noch sorglos zu Hühnerprodukten greifen? Die Veterinäre Dr. Jochen Hentschke und Dr. Ulrich Wittstatt vom Zentrum für Infektionsdiagnostik Zentrums für Infektionsdiagnostik am ILAT Berlin und Dr. Hans Wöhrl, Geschäftsführer der Tierärztekammer Berlin, geben Antworten.

Muß meine Katze nun in der Wohnung bleiben?

Wittstatt: Reine Stubenkatzen gehen ohnehin nicht aus dem Haus. Sie stellen kein Problem dar und sind nicht gefährdet. Katzen, die jedoch auch hin und wieder das Haus verlassen, also sogenannte Freigänger, sollten bei ihren Ausflügen unter Beobachtung bleiben. Aber auch hier gilt die Empfehlung: Die Katze sollte im Haus bleiben. Solange es direkt in Berlin noch kein Sperrgebiet gibt, kann man nur auf die Vernunft der Tierhalter zählen.

Wie gehe ich mit streunenden Katzen um?

Wittstatt: Als Bürger muß man bei streunenden Katzen Vorsicht an den Tag legen. Das heißt, keine Katzen zu sich aufnehmen und körperlichen Kontakt vermeiden. Theoretisch kann eine streunende Katze eine Gefahr für den Menschen darstellen, vor allem bei intensivem Kontakt mit dem Tier. Besondere Vorsicht gilt bei sichtbar kranken Katzen. Oft haben Kinder Mitleid mit kranken Katzen und wollen sie pflegen. Aber Kinder können das Risiko gar nicht einschätzen, da Katzen wie bei dem Fall auf Rügen enorme Virusmengen in sich tragen können und diese auch ausscheiden können. Wer kranke oder tote Katzen sieht, sollte seinen Fund sofort melden, entweder beim nächsten Veterinäramt oder gleich bei der Polizei.

Soll ich meine Katze vorsorglich impfen lassen?

Wöhrl: Gegen das Virus gibt es derzeit noch keinen wirksamen Impfstoff, weder für Tiere, noch für Menschen. Das antivirale Grippemittel Tamiflu kann als Vorsichtsmaßnahme gegen die Vogelgrippe nicht helfen. Bei Tamiflu handelt es sich um ein Medikament, aber nicht um einen Impfstoff. Die Katze müßte mit dem Virus schon infiziert sein, damit Tamiflu helfen kann.

Muß mein Hund nun unbedingt an die Leine?

Wittstatt: Es ist Hundehaltern auf jeden Fall zu empfehlen, ihre Hunde anzuleinen, auch wenn sie nicht in einem Sperrgebiet oder einem Beobachtungsgebiet der Vogelgrippe leben.

Können Hühnerprodukte das Virus in sich tragen?

Hentschke: Alle Hühnerprodukte, die im Handel angeboten werden, sind geprüft und als gesund erklärt worden. Eier von einem infizierten Tier können gar nicht in den Handel geraten, denn die Krankheit bei einem infizierten Huhn würde sehr schnell verlaufen. Die Krankheit bei dem Huhn wäre deutlich erkennbar, weshalb es auch gar nicht in den Handel kommen würde. Sollte doch einmal etwas schiefgehen, helfen hohe Temperaturen, um das Virus abzutöten. Ein gegrilltes Hähnchen oder ein gekochtes Ei sind vollkommen ungefährlich. Eine Speise, die mit rohen Eiern zubereitet wird, etwa Tiramisu, sollte für den unwahrscheinlichen Fall, daß doch infizierte Eier im Handel sind, kalt gelagert und relativ schnell verzehrt werden.

4. März 2006

http://morgenpost.berlin1.de/content/2006/03/04/berlin/814596.html

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