Berlin/Sachsenhagen, 05.10.07. Die Mitarbeiter eines Kasseler Tierheims hatten schon viele verwaiste Katzen aufgezogen. Aber dieses etwa sechs Wochen alte Jungtier entsprach nicht dem Durchschnitt: Der Schwanz wirkte etwas kurz, während das ganze Tier insgesamt zu groß für sein Alter war.
Die Finderin, eine Biologin, hatte die kleine Katze im nordhessischen Reinhardswald, 800 Meter von der nächsten Straße entfernt gefunden. So kam der Verdacht auf, es könnte sich um eine Europäische Wildkatze handeln – eine Art, die im Reinhardswald tatsächlich noch vorkommt.
Anders als bei den meisten anderen Arten ist die Wurfzeit dieses Kleinraubtiers nicht auf das Frühjahr beschränkt. So konnte die aktion tier – Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen im September die erste Wildkatze in ihrer Geschichte aufnehmen.
Äußerlich zeigt der junge Kater alle Merkmale einer Wildkatze: Er weist eine gräulich-braune Grundfärbung auf, besitzt einen geringelten Schwanz mit deutlicher schwarzer Endbinde, die Flanken sind verwaschen gezeichnet, über seinen Rücken verläuft ein Aalstrich, die Längsstreifung des Nackens endet an den Schultern und seine Schnurrhaare sind weiß. Letzte Gewissheit, dass sich keine Hauskatze in seiner Ahnenreihe findet, kann allerdings nur eine genetische Untersuchung liefern. Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) ist nicht mit einer verwilderten Hauskatze zu verwechseln und stellt auch nicht die Stammform der Hauskatze dar. In den deutschen Mittelgebirgen ist dieses scheue Kleinraubtier trotz lange andauernder Schutzbemühungen vom Aussterben bedroht.
Die aktion tier – Wildtierstation hofft nun, dass der Kater einmal im Rahmen eines Zucht- oder Auswilderungsprogramms zum Erhalt seiner Art beitragen kann.
Die Tierschutzorganisation aktion tier – menschen für tiere e.V. ist mit 210.000 Mitgliedern und 200 Kooperationspartnern eine der größten Tier- und Artenschutzorganisationen Deutschlands.
Bilder-Quelle: “aktion tier – menschen für tiere e.V.”
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