DEUTSCHES TIERHILFSWERK e.V. und animal public e.V. kritisieren tierquälerische Shows mit Wildtieren in Kinder- und Senioreneinrichtungen
Berlin/Düsseldorf, 06.10.2005. Dienstagvormittag in einer Kindertagesstätte in Sachsen-Anhalt: eine ehemalige Zirkusdompteurin ist mit ihrer eigenen Affenshow zu Gast. Drei Schimpansen, zurechtgemacht wie kleine Menschen, sollen Kunststücke vorführen. Mit allerlei Clownereien ziehen sie die Kinder schnell in ihren Bann. Auf der Bühne mit dabei: eine geheimnisvolle Truhe. Die mutigsten unter den Kindern lüften den Deckel und lassen ihn gleich wieder erschrocken fallen. Der Assistent der Dompteurin befördert schließlich eine Schlange ans Tageslicht. Nach einer Stunde ist die Show vorbei, die Tiere werden wieder im Bus verstaut. Es geht weiter zum nächsten Auftritt.
Die Kinder sind von dem Spektakel natürlich begeistert, was nicht verwundert, da sie nicht wissen können, wie sehr die Affen unter der Zurschaustellung, der artuntypischen Dressur und den Haltungsbedingungen in Gefangenschaft leiden. „Den Kindern wird ein vollkommen falsches Bild von Tieren vermittelt“, so Laura Zimprich vom Tierschutzverein animal public e.V.. „Über die Biologie der Tiere, ihre Lebensweisen und Bedürfnisse lernen die kleinen Zuschauern nichts“, so Laura Zimprich weiter, „stattdessen zeigt man ihnen Tiere, die in Menschenkleidern zum Narren gehalten werden.“ Schulen und Kindergärten dürfen zumeist eigenständig entscheiden, ob ein „Safarizirkus“ oder eine „Affenshow“ gebucht wird. Der Wunsch, die Kinder abzulenken und zu unterhalten, steht hier häufig im Vordergrund. Die Situation der als Darsteller missbrauchten Tiere wird in der Regel weder realisiert noch reflektiert. Anders lässt sich nicht erklären, warum Exoten wie Affen, Großkatzen und Reptilien als privater Partygag oder Highlight in Kindergärten und Seniorenheimen immer gefragter sind.
Jenseits von Spaß und Glamour fristen die Showtiere ein trostloses Dasein in viel zu kleinen Käfigen, in denen sie die meiste Zeit des Tages ausharren müssen. Die mit viel Lärm verbundenen Auftritte, der erzwungene enge Kontakt zu ständig neuen Menschen und der Leistungsdruck bei den Kunststücken erzeugen außerdem einen ungeheuren Stress.
„Da lassen Verhaltensstörungen nicht lange auf sich warten“, führt Ursula Bauer, Biologin vom DEUTSCHEN TIERHILFSWERK (DTHW) e.V., aus. Gerade Primaten leiden unter solchen Lebensbedingungen, da sie über ein äußerst komplexes Sozialverhalten und enorme intellektuelle Fähigkeiten verfügen. „Vor allem aus ethologischer Sicht sind solche Tiershows nicht akzeptabel“, kritisiert Ursula Bauer vom DTHW e.V. in Berlin.
Das alles scheint die zuständigen Kontrollbehörden wenig zu beeindrucken. Unbehelligt tourt die Affendompteurin mit ihren Schimpansen seit Jahren durch Schulen und Kitas.
Das DEUTSCHE TIERHILFSWERK und animal public fordern ein generelles Verbot von Wildtieren in Zirkussen und ähnlichen Betrieben und ruft zum Boykott aller Institutionen auf, die Tiere als Showstars missbrauchen.
Weitere Informationen bei:
- Ursula Bauer, DTHW Geschäftsstelle Berlin, Tel: 030-301038-31 (berlin@tierhilfswerk.de),
- Laura Zimprich, animal public Düsseldorf, Tel.: 0211-56949730 (info@animal-public.de).
DEUTSCHES TIERHILFSWERK e.V.
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